Provokante Polit-Werbung

11. Januar 2017 14:00; Akt: 11.01.2017 15:39 Print

Pendler beklagen sich bei SBB über Burka-Plakat

Erst seit kurzem hängen die Burka-Plakate. Doch bereits jetzt laufen Pendler Sturm dagegen: Sie bitten die SBB über verschiedene Kanäle, die Plakate zu entfernen – vergeblich.

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Das Burka-Plakat, mit dem ein Komitee um SVP-Nationalrat Andreas Glarner derzeit an mehreren grossen Bahnhöfen gegen die erleichterte Einbürgerung für Ausländer der dritten Generation kämpft, sorgt für Furore. Nachdem die Operation Libero dem SVP-Komitee bereits den Kampf angesagt hat, gehen jetzt auch die SBB-Kunden auf die Barrikade.

«Ich finde, das Plakat hat an einem Ort, wo sich tagtäglich tausende von Touristen aufhalten, nichts zu suchen», sagt sogar ein SBB-Mitarbeiter selbst, der anonym bleiben möchte. Es schade dem Tourismus und rücke sowohl die Schweiz als auch die SBB in ein schlechtes Licht. Er verstehe nicht, wieso seine Firma dies toleriere.

«Will sich die SBB zum Gehilfen von Hass machen?»

Auch Leserin Tina Schmitter ärgert sich. Sie hat der SBB bereits ein Mail geschrieben. Darin bittet sie das Unternehmen, die Plakate «umgehend aus den Bahnhöfen entfernen zu lassen». Die GA-Besitzerin sagt, sie fühle sich durch die Hass- und Angst-Kampagne beeinträchtigt. «Die Religionsfreiheit hat nichts mit der erleichterten Einbürgerung der dritten Generation zu tun. Das sind Menschen, die hier geboren sind, viele Italiener beispielsweise. Sie sind auf dem Arbeitsmarkt integriert und sprechen Schweizerdeutsch.»

Die Frau in der Burka stelle eine Bedrohung dar, die es nicht gebe – schon gar nicht in diesem Zusammenhang. Die Kampagne verbreite falsche Informationen und wecke Ängste, sagt Schmitter. Sie appelliert an die SBB: «Eine klare Haltung Ihrerseits ist hier mehr denn je gefragt.» Es gehe auch um die Mitarbeiter und Kunden. «Will sich die SBB zum Gehilfen von Hass und Hetzerei machen?»

«Ich fühle mich diskriminiert»

Auf Facebook existiert bereits die Seite «So nicht, SBB!». Sie zählt über 600 Mitglieder. Viele davon richten sich in ihren Beiträgen direkt an die SBB: «Ich bitte Sie dringend, die hochgradig unsachlichen, in einem volksverhetzenden Stil gestalteten Abstimmungsplakate der SVP wieder zu entfernen», schreibt Nutzerin Karin Seiler. Die Kampagne verletze ihre Gefühle, weil sie als Stimmbürgerin offensichtlich für dumm verkauft werde.

Ewa Bodfanowicz fordert sogar vom SBB-Chef höchstpersönlich Massnahmen: «Sehr geehrter Herr Andreas Meyer, ich bitte Sie höflichst, die Plakate ‹Ungehindert einbürgern› der SVP sofort aus den Bahnhöfen entfernen zu lassen. Ich als Ihre Kundin mit Migrationshintergrund fühle mich von diesen Plakaten diskriminiert.»

SBB hat keine Handhabe

Auch Nutzerin Cécile Maurer hinterfragt das Verhalten der SBB: «Wie kommt es, dass die SBB ein Plakat der SVP erlaubt, das Angst schürt, mit Stereotypen spielt und klar rassistischen Symbolcharakter hat, aber das Plakat ‹Nein zur Durchsetzungsinitiative› nicht an ihren Bahnhöfen erlaubte?» Eine Doppelmoral, die so nicht akzeptiert werden dürfe. «Politische Werbung entweder für alle oder für niemanden.»

Bei der SBB sind «wenige Dutzend» Kundenreaktionen zum Burka-Plakat eingegangen, wie Sprecher Reto Schärli auf Anfrage mitteilt. Die Zahl sei vergleichbar mit jener bei anderen Abstimmungsplakaten, wie etwa beim Schäfchensujet, das ebenfalls von der SVP stammte. Die SBB hat jedoch keine Handhabe. Schärli: «Wir sind politisch neutral und müssen seit einem entsprechenden Bundesgerichtsurteil politische Werbung in Bahnhöfen und Zügen zulassen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kain Span am 11.01.2017 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    wenige Dutzend Kundenreaktionen

    Eine kleine aber laute Minderheit schreit mal wieder rum. Die andere Million Pendler sagt nichts....

    einklappen einklappen
  • jch am 11.01.2017 14:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meinungsfreiheit!

    Was solls in der Schweiz gilt die "Meinungsfreiheit"! Ende der Durchsage!

    einklappen einklappen
  • Manu am 11.01.2017 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nötig

    Der Fall von Basel wo jetzt Richter vom Ausland sagen mussten dass sie sich an die Schweizergesetzte anpassen müssen. Ob die Töchter baden gehen ist fraglich. Aber genau solche Menschen dürfen nicht den Schweizerpass bekommen. Wer sich anpasst und nach unseren Gesetzten lebt bekommt den Pass ohne dieses Gesetz zu ändern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Serde am 11.01.2017 14:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich kann es nicht verstehen!

    Was bedeutet 3. Generation genau? Ich bin eine Seconda, habe mein ganzes Leben hier verbracht, spreche mind. genau so gut Deutsch wie Eidgenossen, bin am studieren und meine Eltern zahlen, wie alle anderen auch Steuern. Die Schweiz ist für mich meine Heimat und ich habe trotzdem 2 Jahre, X Papiere und einen hohen Geldbetrag gebraucht um den Pass zu erhalten. Bei dieser Initative geht es doch nur darum, dass dann die Kinder (!) von Leuten, wie mir, es nicht ganz so kompliziert haben. Wenn ich die ganzen Leserkommentare durchlese, verletzt es mich, da das meiste einfach nur auf Rassismus beruht.

  • Schugger am 11.01.2017 14:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    Dieses Plakat soll hängen bleiben ganz einfach.

  • Kurt_Kokkain am 11.01.2017 14:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kommis

    ich glaube die meisten voon denen die hier kommentieren wissen wiedermal nicht was um was es bei der initiative geht... ich mache mir langsam sorgen um das schweizer volk welches sich von einer partei so beeinflussen lässt...

  • webbly am 11.01.2017 14:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zutreffend

    ich finde das Plakat ist genau richtig.

  • sabsan am 11.01.2017 14:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir sind hier geboren!!

    Einfachere Einbürgerung der 3. Generation = unkontrolliert einreisen lassen? Mir kommt es vor als komme ich erst morgen in die Schweiz! Ciao a tutti!!