Lebendige Traditionen

10. September 2012 19:01; Akt: 10.09.2012 19:05 Print

Jassen und Fondue als Weltkulturerbe?

Die Schweiz hat den nächsten Schritt getan, um auf die Liste des immateriellen Kulturerbes der Unesco aufgenommen zu werden. 167 Vorschläge wurden gemacht - nicht alle sind originell.

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Schweizer Brauchtum, das ist mehr als Fondue, Jassen, Schwingen und Hornussen: 167 lebendige Traditionen vom Bachfischet über den Töfftreff Hauenstein bis zum Zibelemärit hat das Bundesamt für Kultur (BAK) gesammelt, dokumentiert und am Montag online gestellt. Mit dieser «Liste der lebendigen Traditionen» erfüllt die Schweiz die Verpflichtung, die sie 2008 mit der Ratifizierung des UNESCO- Übereinkommens zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes eingegangen ist. Das Übereinkommen will unter anderem globalen Angleichungstendenzen entgegenwirken.

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Ist es nötig, dass Schweizer Brauchtum zu UNESCO-Weltkulturerbe wird?
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Auf der Liste sind unter anderem das Albanifest, Appenzeller Witze und Satire, die Basler Fasnacht, Decken und Reparieren von Dächern, Gesundbeten, aber auch das Jüdisches Kulturerbe im Aargau, Jurassische Dialekte, das Knabenschiessen, Volksmusik oder Schwimmen im Rhein zu finden.

In einem nächsten Schritt soll die Liste bekannt gemacht und die Wertschätzung der Bevölkerung für die aufgeführten Traditionen erhöht werden, wie am Montag an einer Medienkonferenz in Bern dargelegt wurde. Ergänzend zur Website veröffentlicht das BAK sieben thematische Karten, welche die geografische Verbreitung einzelner Traditionen aufzeigen.

Erleichtert wird die Propagierung dadurch, dass das Thema «Lebendige Traditionen» noch bis 2015 zu den beiden im Kulturförderungsgesetz festgelegten Subventionsschwerpunkten des BAK gehört. Das erlaubt unter anderem, die Beiträge für kulturelle Organisationen im Laienbereich zu verdreifachen.

Schmökern und Mitmachen

Für Schweizer Verhältnisse ist die 2010 eingeleitete Erstellung der «Liste der lebendigen Traditionen» erstaunlich schnell vonstatten gegangen. Dank der Mithilfe der kantonalen Kulturstellen wurden in nur einem halben Jahr 384 Vorschläge gesammelt. Diese wurden von einer Fachgruppe geprüft und eine abgespeckte Liste Ende 2011 von den kantonalen Kulturstellen verabschiedet.

Anschliessend wurde jede einzelne Tradition ausführlich dokumentiert in Bild und Text und mit weiterem Material - Videos etwa und Tonaufnahmen - verlinkt. Entstanden ist eine reichhaltige Online-Fundgrube, die zum Schmökern einlädt und nach dem Willen des BAK und der UNESCO auch zum Partizipieren ermuntert.

Die Bewahrung und Weitergabe der Traditionen schliessen aber Veränderung nicht aus, sagt David Vitali, Leiter der Sektion Kultur und Gesellschaft beim BAK. «Was unsere Väter schufen, war, da sie es schufen, neu. Bleiben wir später den Vätern treu, schaffen wir neu», zitierte er Mani Matter. Der 1972 verstorbene Berner Chansonnier hat im übrigen selber Aufnahme auf die Liste gefunden; sie birgt auch sonst etliche Überraschungen.

Wertschätzung und Wertschöpfung

Analog zum materiellen Weltkulturerbe wird die Schweiz auch ausgewählte Beispiele ihrer lebendigen Traditionen für die UNESCO-Listen des immateriellen Kulturerbes nominieren. Eine Expertengruppe wird eine Liste erstellen, deren Einträge sukzessive zur Einschreibung vorgeschlagen werden. Wie viele das sein werden, ist noch nicht bekannt. Es dürften zwischen 3 und 5 sein.

Touristisch verwertet werden sollen die lebendigen Traditionen aber schon bevor sie auf die werbewirksame UNESCO-Liste kommen. Die Hochschule Luzern hat dafür einen «Leitfaden zur Angebotsgestaltung und -vermarktung» erstellt.

Darin wird insbesondere für eine sensible, authentische Präsentation plädiert. «Gelebte Traditionen, unverfälschtes Brauchtum und authentische Freude: Das sind die Zutaten, die eine Reise in die Schweiz für unsere Gäste zu einem Erlebnis machen», heisst es darin beispielsweise.

(feb/sda)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Finde es ja in Ordnung, wenn man Bräuche dokumentiert, so zu Geschichtszwecken usw. aber ein Weltkulturerbe daraus zu machen, finde ich übertrieben. – Weltenbummler

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • 20Minutenleser am 10.09.2012 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Kultur

    Richtig, gelebte Tradition, mit Fondue und Jassen. Es gibt Kulturen, die haben riesige, dauerhafte, grosse Bauwerke erschaffen. Und wir Schweizer? Fondue und Jass ist alles was wir vorweisen können? Wir sind eben schon ein Bauernvolk das nicht mehr kann. Ah ja, ausser Leute mittels Banken abzocken.

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  • x. vor wärts am 10.09.2012 21:50 Report Diesen Beitrag melden

    platz machen, nicht bewahren!

    diese unesco liste überfordert mich schon länger. wenn man die messi-kulturmenschen gewähren lässt dann ist am schluss alles auf der liste! den alles ist einzigartig und muss für die nachwelt, falls die noch platz hat, aufbewahrt werden.

  • B.S . am 10.09.2012 20:43 Report Diesen Beitrag melden

    Wauuu

    da werden die Touris aber staunen, wenn sie den alten Leuten beim Kartenspielen zuschauen dürfen... ;).

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kurzundbündig am 13.09.2012 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Noch ein Vorschlag

    Allmählich wäre es zweckmässiger, eine kurze Liste zu erstellen für alles, was noch nicht auf der Liste des immateriellen Kulturerbes der Unesco steht.

  • Guntern Georg am 13.09.2012 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Oh auf dem Papier

    Wenn es uns so wichtig ist Kulturerbe zu schaffen, dann verlierenf wir... Vieleicht sollten wir wieder darauf zu achten Qualität und Anziehungspunkte zu schaffen.... Es kommt mir so vor wie in Bern, wo man auf einer Lieste ein gutes Resultät erzielte Betreff der Velowege.. Aber bei der Zahl der Veleofahrer wahr man eher am Schluss.....

  • Martial Callair am 11.09.2012 22:29 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist wichtiger!

    Jassen kann ich nicht, aber ein feines Fondue zubereiten!

  • John am 11.09.2012 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    Beamtenbeschäftigung

    Nichts besseres zu tun?

  • Lukas S. am 11.09.2012 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Raclette?

    Und wieso ist das Raclette nicht aufgeführt? Ich bin enttäuscht!

    • Martial Callair am 11.09.2012 22:28 Report Diesen Beitrag melden

      Es leben die Traditionen...

      Lukas, ja klar, Bratwurst mit Rösti, Hörnli mit Gehacktem, Kutteln à la Neuchâteloise, und sonst noch?

    • Andrea S. am 11.09.2012 23:02 Report Diesen Beitrag melden

      Eher Frankreich, oder?

      Raclette hat mit der Schweiz eben nichts zu tun! Ich glaube, da wird etwas immer wieder verwechselt... Beim Fondue ist es ja auch so: ist schweizerisch, aber paar "Intelektuelle" glauben - und behaupten auch - es sei Frankreich. Ach schwierig! Sicher kann der kompentente Käsereiladen im Ort darüber Auskunft geben - oder einfach mal im Wikipedia schauen. Steht sicher was drin!

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