Familienstreit um Vierbeiner

28. Februar 2017 13:02; Akt: 28.02.2017 13:02 Print

Sohn wirft Mutter Hunde-Entführung vor

von Marco Lüssi - Vor einem Jahr verschwand Hund Leo. Das führte zu einem erbitterten Familienkrach: Der Besitzer des Vierbeiners wirft seiner Mutter vor, sie habe ihm Leo gestohlen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Seit einem Jahr fehlt von Yorkshire Terrier Leo jede Spur. Das Verschwinden des Hundes beschäftigt seither Polizisten, Detektive, Staatsanwälte und Richter – und hat die Beziehung zwischen einem jungen Paar und der Mutter des Mannes wohl unwiderruflich zerstört.

Tamara und Tim H.*, heute beide 25-jährig, wollten im Februar 2016 mal wieder Zweisamkeit geniessen. Ihre beiden kleinen Töchter und ihren Hund Leo brachten die jungen Eltern aus dem Kanton Solothurn in dieser Zeit bei Tims Mutter in einer Zürcher Gemeinde unter.

«Wir hängen sehr an Leo»

Doch nach ihrer Auszeit bekamen sie nur die Kinder zurück. Den Hund werde sie behalten, habe ihnen ihre Schwiegermutter mitgeteilt, sagt Tamara H. zu 20 Minuten. Es gehe dabei um das Wohl von Leo – bei ihnen gehe es ihm nicht gut, habe ihre Begründung gelautet.

Damit war das Ehepaar nicht einverstanden. «Wir haben Leo kurz vor unserer Heirat gekauft, er ist unser Hochzeitshund. Er bedeutet uns sehr viel», sagt Tamara. Und auch Tim sagt: «Wir hängen sehr an Leo.» Das gelte auch für die Töchter. «Er kuschelte mit ihnen im Kinderwagen.»

Taser-Attacke wegen Leo?

Der Streit um den Verbleib des Hundes eskalierte Ende Februar des letzten Jahres: Ihre Schwiegermutter sei mit Leo auf der Strasse nahe ihrem Wohnhaus spaziert, als sie mit ihrem Mann dort vorgefahren sei, berichtet Tamara. «Ich hielt sofort an, stieg aus und sagte: ‹Gib uns L ...› – doch bevor ich den Namen unseres Hundes fertig aussprechen konnte, griff sie mich mit einem Elektroschockgerät an, ich brach zusammen.»

Die Notaufnahme des Spitals attestierte Tamara eine Verletzung am Oberschenkel, die von einem Taser stammen könne. Das Ehepaar H. reichte Anzeige ein.

Mutter floh vor Hausdurchsuchung

Die Version der Beschuldigten lautet anders: Gemäss Dokumenten der Staatsanwaltschaft, die 20 Minuten vorliegen, sagte sie aus, ihre Schwiegertochter habe sie am Kragen gepackt und ihr T-Shirt zerrissen. Lediglich um sich zu wehren, habe sie sie weggestossen. Ein Elektroschockgerät habe sie nicht eingesetzt, sie habe nie eines besessen.

Um nach dem Taser, einer wohl illegalen Waffe zu suchen, klingelten kurz nach dem Vorfall Beamte der Kantonspolizei Zürich mit einem Durchsuchungsbefehl bei Tims Mutter. Doch sie öffnete die Tür nicht, sondern floh durch den Hinterausgang des Hauses, unbemerkt von den Polizisten.

Leo soll ausgerissen sein, als die Polizei kam

Bei der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft erklärte sie ihre Flucht damit, sie habe Panik bekommen, weil sie geglaubt habe, vor der Tür stehe nicht die Polizei, sondern ihr Sohn und die Schwiegertochter. Und beim Verlassen des Hauses durch die Hintertür sei sie ausgerutscht, da sei Leo davongelaufen und nie wieder zurückgekehrt. Vermutlich sei der unterernährte Hund gestorben.

Tim und Tamara H. glauben jedoch nicht, dass Leo tatsächlich ausgerissen ist. Sie sind überzeugt, dass Tims Mutter den Hund irgendwo versteckt hält, möglicherweise im Ausland. «Um ihn zu suchen, engagierten wir in den vergangenen Monaten einen Privatdetektiv, reisten nach Mallorca, weil wir Hinweise hatten, er werde dort festgehalten, und verteilten immer wieder Flyer mit seinem Foto im Wohnquartier meiner Mutter», sagt Tim. Bisher erfolglos – Hinweise zu Leos Verbleib bekamen sie kaum.

«Mein Sohn hat Leo misshandelt»

Derweil beschäftigt der Streit um den verschwundenen Leo weiterhin die Behörden. Gegen die Mutter eröffnete die Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Sachentziehung, Vergehen gegen das Waffengesetz und Tätlichkeiten. Im September 2016 stellte sie das Verfahren ein. Dagegen wehrten sich Tim und Tamara – und bekamen vom Obergericht des Kantons Zürich recht: Es verknurrte die Staatsanwaltschaft, die Tätlichkeit mit dem Taser noch einmal zu untersuchen. Nicht aber das Verschwinden von Leo.

Die Mutter von Tim wollte sich gegenüber 20 Minuten nicht zur Sache äussern. Gemäss den Dokumenten der Staatsanwaltschaft bestreitet sie aber, den Hund entführt zu haben.

Ihr Sohn habe Leo misshandelt, ihn einmal gar an die Wand geworfen, sagt sie. Dennoch habe sie ihn wieder zurückgeben wollen – aber erst, nachdem sie ihn aufgepäppelt habe. Denn als Leo zu ihr gekommen sei, sei er schwerst untergewichtig gewesen. Das bestreiten Tim und Tamara H.: «Mager sah er nur aus, weil wir sein Haar gestutzt hatten, er ist nun einmal ein Hund mit schlanker Statur.» Die Misshandlungsvorwürfe bestreiten sie: «Wir lieben Leo und haben ihm nie etwas angetan.» Es sei ihr grösster Wunsch, ihren «Hochzeitshund» endlich wieder bei sich zu haben.

Wissen Sie etwas über den Verbleib von Hund Leo?
Schreiben Sie uns.

*Name der Redaktion bekannt

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Miranda am 28.02.2017 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    (Schwieger) Eltern

    Ein gutes Verhältnis zu Eltern und Schwiegereltern ist unbezahlbar. Ach, wie oft bin ich dankbar, dass ich meine Schwiegereltern ohne Problem ins Herz schliessen konnte und wir ein sehr gutes Verhältnis zueinander pflegen.

  • La Hulapalu am 28.02.2017 15:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hää

    Echt jetzt?

    einklappen einklappen
  • Sehnsucht 67 am 28.02.2017 17:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sprechen

    Wenn das Tier sprechen könnte. Sowas unsinniges das ganze.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lalulaa am 28.02.2017 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Witz

    Ein Witz das Ganze! Beanspruchung von Gericht etc......! Einfach unglaublich sowas!

  • Sador am 28.02.2017 19:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erlich gesagt

    Ich hätte den Hund ihr beim ersten Mal wieder aus den Händen gerissen und wäre wieder gegangen. Aber wahrscheinlich ging dies nicht. Irgendwie schon sehr schlimm. Hoffentlich bekommen sie ihn dennoch zurück!!

  • Zauberfuchs am 28.02.2017 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Um des Hundes Willen

    Ich hoffe allein wegen Leo, dass er wieder auftaucht. Sollte sich der eine oder andere Verdacht erhärten, gäbe es immer noch das Tierheim. Das ist dann die Zuständigkeit vom VetAmt und der Polizei. Egal, wo und ob die Mutter ihn noch zu haben scheint - rück ihn raus. Seid alle ehrlich und hört auf, das Tier zu quälen!

  • Sehnsucht 67 am 28.02.2017 17:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sprechen

    Wenn das Tier sprechen könnte. Sowas unsinniges das ganze.

    • Mon Dieu am 28.02.2017 21:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sehnsucht 67

      Kindergarten nenn ich das. Und wer leidet darunter Familie Holzkopf? Einzig und allein der kleine süsse Leo.:/

    einklappen einklappen
  • La Hulapalu am 28.02.2017 15:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hää

    Echt jetzt?

    • Wennsseinmuss am 28.02.2017 23:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @La Hulapalu

      ....was soll man sagen... zahlen wir das etwa noch???

    einklappen einklappen