Studie des Bundes

15. Februar 2017 14:05; Akt: 15.02.2017 14:05 Print

Städter zahlen für den Lifestyle der Dörfler

von Nikolai Thelitz - Eine neue Studie des Bundes zeigt: Wer auf dem Land wohnt, verursacht immer höhere Kosten, kann diese aber teils auf die Steuerzahler abwälzen.

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Wer in der Stadt wohnt, verursacht deutlich weniger Kosten in den Bereichen Verkehr, Strom- und Wasserversorgung als Personen, die auf dem Land wohnen. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie des Bundesamtes für Raumplanung.

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Dies, weil in den Städten viel dichter gebaut wird und die Menschen vor allem in Wohnblöcken zu Hause sind, wo Kosten für die Infrastruktur der Strom- und Wasserversorgung auf viel mehr Einwohner verteilt werden können als bei Einfamilienhäusern, die vorzugsweise auf dem Land stehen.

Am deutlichsten ist der Unterschied jedoch im Bereich Verkehr, wo Landbewohner doppelt so hohe Folgekosten verursachen, weil sie häufiger mit dem Auto unterwegs sind, der ÖV weniger ausgelastet ist und sie weitere Wege, beispielsweise zum Arzt oder zum Einkaufen, zurücklegen. Während die Landbevölkerung mehr Kosten verursacht als noch im Jahr 2000, sind die Kosten bei den Städtern seither gesunken.

Die Kosten werden auf die Allgemeinheit abgewältzt

Die Mehrkosten werden dabei nur bedingt von den Verursachern selbst getragen. Beim Strassenbau etwa kommen die Steuerzahler zu einem beträchtlichen Teil für die Kosten auf, Stromkonsumenten mit dem gleichen Verbrauchsverhalten bezahlten die gleichen Netznutzungsgebühren, unabhängig von den tatsächlichen Kosten in den einzelnen Siedlungsgebieten.

Die Finanzierung der Infrastruktur sei noch zu wenig verursachergerecht ausgestaltet, schreiben die Studienautoren. Es würden nicht nur jene, welche die höheren Infrastrukturkosten verursachen, zur Kasse gebeten. Vielmehr bestünden lokale, aber auch überregionale Quersubventionierungen. «Die Einwohner von kompakten und damit aus Sicht der Infrastruktur kostengünstigen Siedlungen tragen die Kosten der Zersiedelung mit.»

Über diese Studienergebnisse freut sich Luzian Franzini von den Jungen Grünen. «Hier wird bestätigt, was die wir bereits seit langer Zeit kritisieren. Die Zersiedelung verursacht hohe Infrastrukturkosten und wird vom Steuerzahler sogar subventioniert.» Das Problem dürfte sich in Zukunft noch verstärken, da vielen Menschen bei den hohen Immobilienpreisen in den Städten gezwungen seien, aufs Land zu ziehen.

Anders sieht dies Kathrin Strunk vom Hauseigentümerverband. «Innerhalb der Gemeinden ist es wahrscheinlich so, dass Hauseigentümer mehr Steuern bezahlen als Mieter und sie ihren Anteil so sicherlich nicht durch andere subventionieren.»
Bei den meisten Bauprojekten würden ausserdem Erschliessungskosten, etwa für Zugangsstrassen, fällig. Diese würden die künftigen Bewohner anteilsmässig mitbezahlen. «Auch hier zahlen Hauseigentümer wahrscheinlich mehr als Mieter.»

Zersiedlungsinitiative, Road Pricing oder mehr Steuern?

Weil verdichtetes Bauen günstiger und nachhaltiger sei, wollen die Jungen Grünen mit ihrer Zersiedelungsinitiative dieses fördern. Für jedes neu als Bauzone eingezonte Gebiet soll ein anderes Gebiet gleicher Grösse ausgezont werden, so die Forderung. Auch müssten nun die Steuerabzüge für Pendler überdacht werden, findet Franzini «Es ist absurd, dass Autofahrer gleichzeitig Kosten für Strassen auf die Steuerzahler abwälzen und dafür selbst noch Steuerabzüge geltend machen können.»

«Die Zersiedelungsinitiative will einen absoluten Einzonungsstop. Dies würde die Entwicklungsmöglichkeiten für Städte und Gemeinden zu stark einschränken. Wie sollte ohne Einzonungen das zukünftige Bevölkerungswachstum aufgefangen werden?», sagt Strunk. Auch ob jemand mit Auto oder Bahn pendle, habe eigentlich nichts mit der Wohnform zu tun. «Auch Mieter, die in einem Hochhaus wohnen, können mit dem Auto pendeln, es gibt auch Autopendler zwischen den Städten.»

Die Studienautoren selbst glauben, dass die Landbewohner bald mit Strassenzöllen stärker an den Kosten beteiligt werden könnten. «In Zukunft ist damit zu rechnen, dass zumindest teilweise ein kosten- und verursachergerechteres Mobility-Pricing-System eine gewisse Umsetzungschance erhält.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • lolo am 15.02.2017 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bundeshetzerei!!

    hört auf mit der hetze zwischen land und stadt!! wir sind ein einiges volk und lassen es nicht zu, dass die miesepeter einen keil zwischen uns treiben! studie und bund = für den abfall.

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  • D.V. am 15.02.2017 06:10 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist nur die Hälfte

    Es ist immer dieselbe Leier. Die Rede ist von verdichtetem Bauen, es wird gefordert, dass man in die Stadt zieht und Pendeln ist sowieso des Teufels. Aber dass man die Mieten in der Stadt oft gar nicht bezahlen kann, wenn man denn überhaupt eine Wohnung findet, wird ausser Acht gelassen.

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  • Geissenpeter am 15.02.2017 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was wollt ihr dann?

    wenn es kein Mindestmass an Solidarität gibt dann können wir aus jeder Gemeinde einen Staat machen der für sich selber sorgt. So besser?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Brischit am 16.02.2017 20:36 Report Diesen Beitrag melden

    lieber stadt

    Welchen lifestyle Lärm durch Militär, Lkw ohne Ende durch's Dorf und bauern die güllen als gäbs kein morgen. Bünzlis und Kleingeist Keine cafes, bistro,.... Kultur So fahren wir halt weiter nach Zürich.

  • Rico S am 16.02.2017 07:26 Report Diesen Beitrag melden

    Sollte herauskommen

    Genau das sollte ja herauskommem. Eine Studie von Städtern für Städter gemacht. Sie soll die Städter darauf einstimmen, aus Neid der ganzen Road Price Geschichte zuzustimmrn, damit man eine weitere Finanzierunsgoldader anstechen kann, um die Bevölkerung mit noch mehr vom Gleichen und den auch weiterhin gleichen Rezepten beglücken zu können. Dabei hängt einem die ganze Veranstaltung bereits heute zum Hals heraus.

  • Der Pendler am 15.02.2017 22:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Studie

    Super Studie, ich hoffe die Städter nehmen sie nicht ernst, sonst glauben die wirklich noch an den Osterhasen. Wenn alle in der Stadt leben wollten ,müsste Zürich wie New York aussehen und die Mieten müsste etwa einen 4tel betragen. Jeder soll dort leben dürfen ,wo er will. Der ÖV ist sehr ungleich ausgebaut in der Schweiz ,ich konnte garnicht (auch wenn ich wollte) mit dem Zug oder Bus zur Arbeit,weil gar keiner so früh Fährt.

  • Ländler am 15.02.2017 22:12 Report Diesen Beitrag melden

    Als Einkommens-Millionär ...

    ... würde ich mich natürlich auch auf eine rein verursachergerechte Besteuerung freuen. Bei der de facto konfiskatorischen Progression der DBSt. Ein schlechtes Geschäft für die grünen Spinner in den Städten.

  • Pendler am 15.02.2017 20:47 Report Diesen Beitrag melden

    Hier geht es nur

    darum, den Leuten einzureden, dass die Reduktion des Pendlerabzuges gerechtfertigt sei. - Also dezentralisiert mal wieder alle Jobs und es wird automatisch weniger gependelt. Pendeln ist kein Vergnügen und keine Freizeitbeschäftigung. Pendeln ist unbezahlte Arbeitszeit.

    • SBBler am 15.02.2017 23:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pendler

      Ausser, Sie arbeiten bei den SBB. Da ist Pendeln Arbeitszeit. Super, oder?

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