Schwarzfahrer

02. März 2015 13:30; Akt: 03.03.2015 16:55 Print

Wer die SBB belügt, wird verzeigt

Schwarzfahrer, die falsche Angaben machen, werden von der SBB verzeigt. Das wird für sie teuer: Zur Rechnung von der SBB kommt auch noch eine vom Staat.

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Billettkontrolle in der S-Bahn: Wer eine falsche Identität vorgibt, muss mit einem Strafverfahren rechnen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Der 21-jährige Student B.M.* war ohne Billett in der Zürcher S-Bahn unterwegs, als er in eine Kontrolle geriet. Dabei gab er als Personalien den Namen eines Kollegen an und fälschte auch dessen Unterschrift. Als das misstrauisch gewordene SBB-Personal ankündigte, man werde nun die Polizei hinzuziehen, um seine Identität überprüfen, gab er seinen Betrugsversuch zu.

M. glaubte nach dem Vorfall, mit der Rechnung von der SBB – 90 Franken für das Fahren ohne Billett, 100 Franken Zuschlag für die missbräuchlichen Angaben und 25 Franken für den Zeitaufwand der Kontrolleure – sei die Sache für ihn erledigt. Doch er erhielt zusätzlich einen Strafbefehl über 300 Franken – die SBB hatte ihn verzeigt. M. beklagt sich: «Dass die SBB mir eine saftige Busse gibt, habe ich verdient. Aber dass sie mich auch noch bei der Justiz verpfeift, ist nicht in Ordnung. So werde ich gleich doppelt bestraft.»

Jährlich Tausende Fälle

Was M. passiert ist, ist kein Einzelfall: Wenn Passagiere dabei auffliegen, wie sie sich als jemand anders ausgeben, erstattet die SBB immer Anzeige. «98 Prozent unserer Kunden sind ehrlich. Ihnen sind wir es schuldig, dass wir die anderen konsequent bestrafen», sagt SBB-Sprecherin Lea Meyer. Missbrauch oder gar Urkundenfälschung seien keine Bagatellen.

Eine Anzeige erhalten auch Schwarzfahrer, wenn sie innerhalb von zwei Jahren zum dritten Mal ohne Billett erwischt wurden. Wer Billette manipuliert oder fälscht oder wie M. anderweitig Missbrauch betreibt, wird beim ersten Vorfall verzeigt. Laut Meyer handelt es sich jährlich um mehrere tausend Fälle – genaue Zahlen gibt die SBB nicht heraus.

Bei keiner Strafverfolgungsbehörde der Schweiz landen so viele Anzeigen der SBB wie beim Stadtrichteramt Zürich. Dort hatte man im letzten Jahr 7150 Fälle, die im Zusammenhang mit Schwarzfahren standen, wie der stellvertretende Stadtrichter Reto Steimer auf Anfrage sagt. 2013 waren es 6881.

Erfundene und falsch beschuldigte Personen

In gewissen Fällen muss das Stadtrichteramt feststellen, dass die Person, an die der Strafbefehl gehen soll, gar nicht existiert – dann ist der Schwarzfahrer mit dem Trick davongekommen, bei der Kontrolle einen erfundenen Namen anzugeben.

Öfter passiert es jedoch, dass Schwarzfahrer sich als real existierende Personen ausgeben. Mit unangenehmen Folgen für die zu Unrecht Beschuldigten. Steimer: «Sie melden sich dann bei uns, weil sie nicht verstehen, warum sie einen Strafbefehl erhalten haben.» Oft handle es sich bei diesen um sehr junge Leute: «Dies zeigt, dass vor allem Jugendliche, die ohne Ticket erwischt werden, sich als einen ihrer Kollegen oder Kolleginnen ausgeben.»

*Name der Redaktion bekannt.

(lüs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Michael Peter am 02.03.2015 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    Hart aber Fair

    Finde ich richtig von der SBB. Er wollte den falschen Namen angeben um die Busse nicht zu bezahlen. Finde es nur legitim, das er nun mehr bestraft wird. Ich hatte früher auch einen im Betrieb, der hat ständig den falschen Namen angegeben.

  • Nico Meier am 02.03.2015 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    richtig

    Ich stelle mir gerade vor wie jemand meinen Namen angibt und ich eine Rehcnung der SBB erhalte. Wer bei einer Kontrolle Urkunden fälscht und falsche Namen angibt, der soll mit der vollen Härte des Gesetzes bestraft werden. Nur so können wir hoffen, dass er sich beim nächsten Mal gesetzeskonform verhalten wird!

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  • Yanila am 02.03.2015 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so...

    Sonst löst bald keiner mehr und die Tickets werden noch teuerer. Teures Lehrgeld... Jedoch wird er bestimmt zukünftig sein Billet lösen ;-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Kontrolleur am 03.03.2015 12:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer und überall.

    Der wirkliche Wert einer Dienstleistung erfährst Du erst, wenn diese nicht mehr vorhanden ist. Lieber Schwarzfahrer, viel Spass beim laufen. Wir besuchen Dich Morgen wieder.

  • Leporello am 03.03.2015 11:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dicke Haut

    Mein Kollege wurde von einer Kundin im vollbesetzten Wagen zur Schnecke gemacht. Sie hatte das Abo ihres Kollegen vorgewiesen. Entsprechend wurde sie gebüsst. Natürlich war alles ein Missverständnis. Kaum waren wir aus dem Wagen kamen die Beiden angekrochen und entschuldigten sich. Das sie meinen Kollegen blossstellen und blamieren wollten war dabei Nebensache. Die beiden waren keine Jugendlichen. So läuft das.

  • mr sarkasmus am 03.03.2015 11:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmm

    @müller tschoban darum werden flugzeuge auch nicht verschraubt sondern vernietet ;)

  • Sandro am 03.03.2015 10:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja

    Es Giebt sehr Höffliches Personal gietb au richtige Motzige werden hässig wenn mann nur etwas fragt schon oft erlebt ...

  • autofahrer am 03.03.2015 10:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gott sei Dank

    Gott sei Dank kann ich einen riesigen Bogen um diese Transportfirma machen....Zudem SITZE ich auf einem angenehmen Stuhl...kein Kind schreit mir das Trommelfell aus dem Hirn und zu guter letzt bin ich in 90 % der Fälle pünktlicher, schneller und vorallem entspannter. Mein herzliches Beileid an alle Personen welche sich mit dieser Firma herumschlagen müssen

    • Pendler am 03.03.2015 10:51 Report Diesen Beitrag melden

      Danke

      aber Ihr Mitleid ist nicht nötig. Ich geniesses es ausserordentlich mein Abteil nicht mit Ihnen teilen zu müssen.

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