Lokführer über Gotthardtunnel

01. Juni 2016 12:59; Akt: 01.06.2016 13:02 Print

«Es ist, als würde man auf Wolken fahren»

von V.Fehlmann - Die ersten Züge sind heute Mittag durch den Gotthard gefahren. Roland Gerber hat ihn allerdings schon Dutzende Male durchquert.

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Bevor die ersten Passagiere durch den Gotthard-Basistunnel fahren konnten, waren Dutzende von Tests nötig. Die Strecke musste absolut sicher sein. Insgesamt 30 Lokführer fuhren sie deshalb seit November immer wieder ab. Einer von ihnen ist Roland Gerber (47), seit 26 Jahren Lokführer, davon auch einige Jahre als Ausbildner. Heute ist er im Sicherheitsmanagement der SBB tätig, wo er Vorschriften und Checklisten für Lokführer entwirft. Er war bereits einer der Ersten, der die Neubaustrecke zwischen Bern und Olten befahren durfte.

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Nun soll Gerber seine Erfahrungen in die Erstellung der Vorschriften für die Lokführer einfliessen lassen, die den Gotthard-Basistunnel befahren werden. Mittlerweile ist er über 60-mal durch das Gesteinsmassiv gefahren. Die erste Fahrt fand im November nach einer mehrtägigen Ausbildung statt. «Das war für mich eine riesige Ehre, man kann sogar sagen, ein Privileg», erzählt er strahlend. Ein mulmiges Gefühl habe er nie gehabt. «Eher freudige Erwartung.» Und seine Familie fieberte mit: «Als ich das erste Mal durch war, gab es natürlich einen Anruf nach Hause.»

«Bahnhöfe» 2,5 Kilometer unter der Oberfläche

Obwohl geplant ist, dass Passagierzüge mit rund 200 km/h durch den Tunnel fahren, müssen die Schienen auch mehr aushalten können. «So kann man, sofern das Fahrzeug dazu fähig ist, etwa bei einer Verspätung auf 250 km/h erhöhen, um Zeit aufzuholen.» Damit die Sicherheit dann noch garantiert ist, wurden die Geleise mit einer Geschwindigkeit von 275 km/h getestet. Gerbers Fahrt war deshalb ein «Extremerlebnis», wie er sagt. «Wir waren in zwölf Minuten wieder draussen.» Bei einer Geschwindigkeit von 200 km/h dauert die Durchfahrt rund 20 Minuten.

Gerber ist von der neuen Strecke begeistert. «Die Schienen sind perfekt verlegt, es fühlt sich an, als würde man auf Wolken fahren. Das ist echte Ingenieurskunst.» Obwohl sich die Zugstrecke 57 Kilometer durch den Berg winde, lohne sich auch der Blick aus dem Fenster. «Die Multifunktionsstellen sehen aus wie Bahnhöfe, mit Beschilderung und Perron – und das rund zweieinhalb Kilometer unter der Oberfläche.» In erster Linie dienen die Stollen in Sedrun und Faido zur Evakuierung von Reisenden.

Neues System verändert Prozesse

Heute werden Gerber und die 29 anderen Test-Lokführer die Fahrten während des Publikumsanlasses durchführen. Der erfahrene Bähnler ist gespannt: «Das sind keine Pendler, die dann mitfahren. Die Leute haben den ganzen Tag Zeit und werden wohl viele Fotos machen. Wir haben allerdings einen engen Fahrplan.» Der Publikumsanlass wurde deshalb bereits im Vorfeld simuliert – ohne Fahrgäste. Hilfreich sei dies dennoch gewesen, da für den Anlass Extra-Perrons errichtet worden seien.

Für Gerber ist der neue Basistunnel ein Fortschritt, zumal er auch mit dem neuen Europäischen Zugsicherheitssystem ETCS (European Train Control System) ausgestattet ist. Damit hätten sich im Vergleich zu früher viele Betriebsprozesse komplett verändert. Die Testfahrten trugen deshalb auch dazu bei, dass sich sämtliche Betroffenen mit dem neuen System vertraut machen konnten.

«Das Besondere erscheint in den Gedanken»

Doch auch für die Reisenden hat das Jahrhundertbauwerk Auswirkungen: «Das Tessin wird der Deutschschweiz spürbar näher kommen. Es wird plötzlich Leute geben, die täglich zwischen dem Süden und dem Norden pendeln.» Das hat seinen Preis: «Dass man das Naturschauspiel der alten Strecke nicht mehr zu sehen bekommt, ist ein Verlust. Früher war die Reise das Ziel. Das fällt jetzt weg.»

Doch Gerber ist vom Basistunnel fasziniert. Und das hat nichts mit der Aussicht zu tun: «Schlussendlich ist es einfach ein Loch wie jeder andere Tunnel auch. Das Besondere daran erscheint in den Gedanken während der Fahrt.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin am 01.06.2016 07:19 Report Diesen Beitrag melden

    x-milionen für 1/2 Std schneller ins TI

    Schon lustig, die Schweiz hat in gebaut und auch bezahlt aber für Italien ist es nicht ein Schweizer Tunnel sondern ein Europa Tunnel. Mit fremden Lorbeeren schmücken geht halt am einfachsten, statt mal schauen das die Anschlüsse klappen, den ohne die nützt der Tunnel herzlich wenig.

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  • Renzo am 01.06.2016 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    Heute morgen im ZDF

    Die sind schon neidisch in Deutschland und bewundern die Schweizer in punkto Kosteneinhaltung und Eröffnungstermin usw. im Vergleich zum Desaster mit dem Flughafen BER.

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  • Gugi 1,06,16 am 01.06.2016 07:53 Report Diesen Beitrag melden

    Wahrheit,,,,,

    Das Meisterwerk ist über dem Gotthard all die Präzisen Kehrtunnel, eine Meisterleistung und D, und Italien haben ja Ihre Verträge nicht Eingehalten mit der Rechtzeitigen Fertigstellung, D, müsste Konvesionalstrafe Zahlen, aber man Drückt die Augen zu, und d hat Teure Zug- Kompositionen für Millionen gekauft die gar nicht auf unser Schienen Netz Passen der Sicherheit wegen und Nachgerüstet werden müssen, nach Italien Schmiss man Millionen, für den Rechtzeitigen Ausbau,, das muss auch Gesagt werden,

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Michi am 01.06.2016 20:55 Report Diesen Beitrag melden

    Güterverkehr

    Und durch den Tunnel soll jetzt bitte auch endlich der gesamte Güterverkehr von Grenze zu Grenze. Aber dazu braucht es Angebote! Beispielsweise, LKW-Transport-Züge bei denen man auch aussteigen und mal aufs klo kann. So könnten die Fahrer in Ihrer eigenen Kabine schlafen während sie durch die CH fahren, dann tun die das auch, gerne sogar. Stell ich mir vor.

  • Quasi Modo am 01.06.2016 19:41 Report Diesen Beitrag melden

    Untendurch oder Drüber

    Wer es schade findet kann sich ja auch mal zwischendurch wieder mal die Zeit für die Bergstrecke nehmen. Das mache ich sogar mit dem Auto auf dem Nachhauseweg von der Arbeit, da gibt's mehrere Alternativen zum direkten Weg. Sehr entspannend.

  • Bünzli Theophil am 01.06.2016 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeit

    Habe gar nichts mitbekommen, musste Steine klopfen

  • Gottfried,1,06,16 am 01.06.2016 16:43 Report Diesen Beitrag melden

    Toll Gemacht, allen Dank,

    sehr Schönes Fest, auch Merkel Rühmte nur eben in D, müsse noch viel Gemacht, werden,, und dieser Holande ,?was sucht der hier, witzig Sagte ER der Zug Fahre mit 200 Sachen durch den Tunnel in Frankreich können Züge annähernd nicht so Schnell, Fahren, äh, TGV ??? 80,? Am Schlimmsten Leuthard ,das Kleid und die Stägeli, Friese, ja und der Amman der Konnte es mit der Rede, meine Mutter Lachte sich Krumm, Sie sagte man müsse nicht Glauben das der eine Fabrik hatte,

    • Fred am 01.06.2016 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gottfried

      Ja und was hat der Godi in seinem Leben den schon so geleistet?

    • Bob der Baumeister am 02.06.2016 08:19 Report Diesen Beitrag melden

      Sorry Gottfried - nichts verstanden

      Lieber Gottfried, dies war der einzige Teil der Rede von Hollande, der wenigstens etwas lustig war. In Frankreich ist Streik, so fährt eben kein Zug mehr. Ist aber schon etwas anspruchsvoller als Ihr Geschwafelt von Kommentar.

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  • Fritz Boxler am 01.06.2016 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Bleiben

    Er soll Lokführer bleiben und nicht bei der Güterbahn eine "Kaderfunktion" einnehmen!