Miettransparenz

15. Januar 2014 18:51; Akt: 16.01.2014 09:34 Print

«Formulare schaffen keine Wohnungen»

Der Bundesrat will mit einer nationalen Formularpflicht für transparente Mietpreise sorgen. Der Mieterverband freut sich – die Hauseigentümer sprechen von einem Papiertiger.

storybild

Der Bundesrat will mit einer Formularpflicht für mehr Transparenz im Wohnungsmarkt sorgen. Vermieter sollen bei einer Neuvermietung den bisherigen Mietzins offenlegen. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Bundesrat will für mehr Transparenz im Schweizer Mietermarkt sorgen. Dies mit einer nationalen Formularpflicht: Ein Vermieter soll beim Abschluss eines Mietvertrages den bisherigen Mietzins bekanntgeben und allfällige Erhöhungen begründen. Im Fokus stehen dabei die in den letzten zehn Jahren markant gestiegenen Mietpreise.

Umfrage
Wollen Sie wissen, was Ihr Vormieter für Ihre neue Wohnung bezahlt hat?
71 %
9 %
13 %
7 %
Insgesamt 2727 Teilnehmer

Der Mieterverband ist erfreut: «Damit wird eine langjährige Forderung von uns erfüllt», sagt Vorstandsmitglied Evi Allemann. Kenne der Mieter den bisherigen Mietzins, könne er die Verhältnismässigkeit einer Mietzinserhöhung besser beurteilen.
«Die Vermieter sollen daran gehindert werden, bei jedem Mieterwechsel unbegründet die Mietzinsen zu erhöhen.» Dadurch erhofft sich die SP-Nationalrätin eine Preisdämpfung. Auch ihre Partei begrüsst das Vorhaben des Bundesrats. Dies sei aber lediglich ein erster Schritt, heisst es in einer Mitteilung. Neuer Wohnraum werde damit nicht geschaffen.

Formularpflicht wirkungslos?

Einzig in diesem Punkt ist der Hauseigentümerverband (HEV) mit der Linken einig. «Formulare schaffen keine Wohnungen», sagt HEV-Präsident und SVP-Nationalrat Hans Egloff. Eine nationale Formularpflicht lehnt er aber ab. Der angespannte Wohnungsmarkt würde damit nicht entlastet – im Gegenteil. «Je komplizierter das Mietrecht für einen Vermieter ist, desto weniger ist er bereit, in Wohnraum zu investieren.» Auch gegen überrissene Mietzinserhöhungen sei die Massnahme wirkungslos. Dies zeige die Zahl der Schlichtungsverfahren im Kanton Zürich, wo die Formularpflicht zwischen 1994 und 1997 und von 2000 bis 2004 galt. «Die Anzahl der Anfechtungen ist im Promillebereich geblieben.» Anders begründet die FDP ihre Ablehnung: Sie befürchtet mehr teure Rechtsstreitigkeiten, wie sie in einer Mitteilung schreibt.

Ob eine Offenlegung bisheriger Mietzinsen die erhoffte Preisdämpfung zur Folge hat, ist zumindest fraglich. Eine wissenschaftliche Untersuchung der Universität Zürich zeigt zwar einen signifikaten Zusammenhang zwischen Formularpflicht und Mietpreisen. Dieser sei aber nur schwach, schreibt Autorin Miryam Bleiker.

(hvw)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Einfach so am 15.01.2014 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    Dürfte nicht viel bringen

    Es ist zwar interessant, den Mietzins des Vormieters zu kennen. Nützen dürfte es aber nichts: Der Vermieter wird mich fragen, ob ich die Wohnung zum neuen Preis will oder er sie jemand anderem geben soll. Da der Markt an Mietwohnungen begrenzt ist, wird man zusagen. Denn man hat sich im Normalfall auf ein Inserat mit dem neuen Preis beworben. Also nichts als Schaumschlägerei.

    einklappen einklappen
  • Zermatter am 15.01.2014 16:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jaja Freier Markt

    Hey sorry mein Haus gehört mir. Jedem steht frei ob er es mieten will oder nicht! In der Wirtschaft heisst es auch Angebot und Nachfrage. Wenn ich eine moderne Küche einbauen will für den Mieter muss ich das Geld auch zuerst sparen! Wenn mein Haus leer steht zahlt auch niemand.

    einklappen einklappen
  • Bus 303 am 15.01.2014 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    voll Zufrieden

    Ich bin seit 12 Jahren in einer Mietwohnung, in unsere Wohnung wurde ein Neuer Keramikherd installiert, ein Modernen Kühlschrank, Neue Sparsame Abwaschmaschine, und die Linoleum Beläge wurden durch Parket ersetzt. Und dies ohne Zins Aufschlag. Unsere Wohnung steht in einer Stadt nähe Zürich im Limmattal. Dem Vermieter sei Dank

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Frank Raible am 16.01.2014 19:59 Report Diesen Beitrag melden

    Formulare schaffen keine Wohnungen

    Ist richtig, aber sie verhindern Missbräuche bei einem Mieterwechel, und darum fürchten die Vermieter entsprechende Gesetze.

  • TOCA am 16.01.2014 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zwei Seiten

    Es gibt immer 2 Seiten. Unsere Wohnung sind Top Saniert, die Mieten sind Markt gerecht. In den letzten 10 Jahren hatten wir 2 Mieter die ihre Mieten nicht mehr bezahlten. Bis wir diese wegweisen konnten (Mietrecht) waren nebst der Mietschulden auch noch die Schäden die wir selbst tragen mussten weit über Fr. 15'000 Die Medaille hat 2 Seiten. Aber der Staat hat mir nicht vorzuschreiben wie ich Vermiete. Gezwungen wurde noch niemand, weder eine teure noch billige Wohnung zu Mieten.

  • Rene Schudel am 16.01.2014 09:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überteuert

    Meine whg in zürich kostete 2450.- und das 5 jahre lang. Nachdem wir ausgezogen sind kostet sie nun 3400.-! Nur zur info!

    • Klardenkender Vermieter am 16.01.2014 12:58 Report Diesen Beitrag melden

      Angemessene Miete

      Die Nachfrage bestimmt den Preis und nicht der Vormieter. Wer die Wohnung nicht will, der soll weitersuchen.

    einklappen einklappen
  • Markus / am 16.01.2014 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nachgedacht

    Hat mal jemand genau nachgedacht? Wenn der Vermieter Betrag X eingibt als vorherige Miete, aber diese war Y, wie will man, dass erst beweisen. Es müsste jeder also vor Gericht/Schlichtung damit er genau sehen kann was ging. Es sei den er kannte den Vormieter, am besten noch eine Kontrollbehörde einrichten zu Mietzinsüberprüfung. Kostet zwar Steuern, aber den wäre das auch gesichert. "Das meinte ich Ironisch mit der Kontrollbehörde" aber soll zeigen das es nie eine 100%ige Sicherheit gibt, es sei den der Vormieter sagt es. Noch was wenn alle deswegen Streiten vor der Schlichtung, wer zahlt das?

    • frank raible am 16.01.2014 20:03 Report Diesen Beitrag melden

      Ein X für ein U

      Wenn der Vermieter X statt Y eingibt, dann hat der Staat die Möglichkeit, seine Steuererklärung einzusehen oder den Vormieter zu befragen.

    einklappen einklappen
  • Hr. M. am 16.01.2014 07:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit.

    Wir bezahlen 1490.-- im Monat inkl. NK und unsere Vormieter 400.-- weniger. Die Erhöhung wurde mit dem "Allgemeinen steigen der Mietzinse" begründet. Man solle sich gegen sowas wehren, aber als wir erwähnten, dass es sich um die Previs handelt, verstummte mein Gesprächspartner. Es wird Zeit für einen Umzug.

    • Hr. Ma am 16.01.2014 13:21 Report Diesen Beitrag melden

      Teure Miete?

      Ja, wenn die Wohnung zu teuer ist, dann suchen Sie eine andere. Früher war die Miete rund 1/3 des Einkommens. Heute wollen alle immer mehr Geld für die Freizeit, und das Wohnen soll einfach nur billig sein. Dass der Eigentümer ebenfalls Kosten hat, wird vergessen.

    einklappen einklappen