Secondos in der Armee

13. Juli 2015 08:16; Akt: 13.07.2015 18:32 Print

«Shaq schiesst auch keine Tore gegen die Schweiz»

Bundesrat Ueli Maurer stellt die Frage nach der Loyalität von Secondos in der Armee. Für letztere ist das ein Affront.

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Eckt an: SVP-Verteidigungsminister Ueli Maurer. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

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Eine Aussage, die Ueli Maurer vor einer Woche an der SVP-Delegiertenversammlung machte, sorgt für Wirbel: Der Verteidigungsminister sprach über die Bedrohungslage und lobte die Secondos in der Armee, warf aber die Frage auf, ob sich diese im Ernstfall gegen ihr Herkunftsland wenden würden.

«Wir haben […] auch in der Armee etwa einen Drittel Secondos. Möglicherweise stellt es auch für diese Leute ein Konfliktpotenzial dar, wenn sie in den Einsatz gehen müssten. Auch wenn sie sich jetzt integrieren und gut ausgebildet sind», zitiert ihn die «Schweiz am Sonntag».

Secondos empört

Beim Verein Secondos Plus ist man empört: «Die Soldaten sind Schweizer Staatsbürger. Für Armeeangehöriger steht ausser Frage, dass sie hinter dem Land stehen würden», sagt Co-Präsident Halua Pinto. Überhaupt müsse sich Ueli Maurer damit abfinden, dass immer mehr Armeeangehörige Migrationshintergrund hätten. «Das widerspiegelt die gesellschaftliche Entwicklung.»

Auch Rupan Sivaganesan, SP-Politiker und Vorstandsmitglied des Vereins, findet die Aussagen deplatziert: «Shaqiri schiesst auch keine Tore gegen die Schweiz.» Mit seinen Aussagen treibe Maurer einen Keil zwischen die Bevölkerungsgruppen, indem «er zwischen Eidgenossen und Eingebürgerten unterscheidet». Auch sei die Diskussion völlig unnötig, da die Schweiz nie Krieg mit dem Kosovo, der Türkei oder Sri Lanka führen werde.

Wurzeln könnten aktiviert werden

Bürgerliche Sicherheitspolitiker stärken dagegen Maurer den Rücken. So findet CVP-Nationalrat Jakob Büchler die Frage legitim, auch wenn er davon ausgehe, dass sich alle Schweizer Armeeangehörigen loyal verhielten. Aber: «Im Kriegsfall ist es nicht ausgeschlossen, dass Wurzeln wieder aktiviert werden.» Darum müsse schon in der Ausbildung thematisiert werden, welche Pflichten der Dienst in der Schweizer Armee mit sich bringe.

Auch SVP-Sicherheitspolitiker Erich von Siebenthal findet, dass sich ein Verteidigungsminister Gedanken über alle erdenklichen Szenarien machen müsse. Es sei darum richtig, die Thematik nicht einfach auszublenden. «Es ist ganz menschlich, dass ein solcher Fall für Secondos nicht einfach wäre.»

Doppelbürger im Ausstand?

SVP-Nationalrätin Yvette Estermann, die slowakische Wurzeln hat, könnte sich darum vorstellen, dass «Doppelbürger in der Armee in dem unrealistischen Szenario eines Konflikts mit dem Heimatland in den Ausstand treten». Allerdings sei das Pflichtbewusstsein eines Soldaten nicht abhängig von seiner Herkunft, sondern vom Charakter eines Menschen. «Ob man zum Verräter wird, hat nichts mit der Nationalität zu tun, sondern mit dem Charakter.»

Bei der Armee stösst die Idee Estermanns auf Ablehnung: Laut Armeesprecher Walter Frik spielt die Herkunft der Soldaten keine Rolle. Entsprechend stelle sich die Frage nicht, ob Doppelbürger im Ernstfall in den Ausstand treten müssten. «Dies ist für uns undenkbar.»

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin am 12.07.2015 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Kosovofahne in der Rekrutenschule

    Vor einigen Wochen sah ich in der Zeitung ein Foto, wo Schweizer Rekruten eine Kosovofahne hissten. Da kommen schon gewisse Bedenken auf.

  • Mario Stübi am 12.07.2015 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Sie werden ja gezwungen mitzumachen

    Dann musst du diesen Leuten auch keinen Marschbefehl schicken, Ueli.

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  • Hans_zweidrei am 12.07.2015 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Misstrauen im Militär

    Ein weiter Schritt wird da eingeläutet. Wenn man nicht mehr stolzer Schweizerbürger sein darf, wenn man nicht mehr voll Überzeugun sein Land zu verteidigen darf ohne Gefahr zu laufen als Nationalist abgestempelt zu werden, wie soll man dann noch die Gesinnung von Menschen zur eignenen Arme beurteiln können?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans Ruedi am 13.07.2015 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Sana

    Die Frage kann berechtigt sein, aber wie kann man die Loyalität messen? Ich denke trotzdem das die frage eher einen keil treibt, sollen sich nun die eingebürgerten schweizer oder nicht eidgenossem ständig beweisen müssen, was sowiso schon immer in der schule und im berufsleben zu genüge stattfindet, man muss härter und mehr arbeiten um die gleich chancen zu bekommen. Diese frage könnte zu eine selbsterfüllenden prophezeiung führen, wenn man schon in der armee beginnt zu separieren...

  • Bürger am 12.07.2015 14:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Tiefsinn

    Jeder gesunde Mensch der Charakter und Moral hat, wird das richtige tun und für seine Gemeine einsehen und auch kämpfen. Die Frage sollte umformulieren werden, werden die Obrigkeiten für das Volk einstehen und die Verantwortung übernehmen, oder wenn es brenzlich wird, sich ins Ausland absätzen und das Volk dem Schicksal überlassen?

  • Jule Vom Berc am 12.07.2015 13:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo soll ich unterschreiben?

    Ja, bin auch der Meinung! Dann muss mein Sohn den ganzen RS-chapis auch nicht mitmachen und kann in der Zeit was sinnvolles machen! Den ganzen Verein abschaffen.... Das wäre das einzig richtige!

    • Seppi-NW am 13.07.2015 19:36 Report Diesen Beitrag melden

      Er hat die Wahl..

      ..er kann auch Zivildienst leisten. Wichtig ist, dass er etwas an die Gesellschaft zurückgibt, die ihm Rechtssicherheit, Ausbildung und soziale Sicherheit garantiert. Wer glaubt, er kann vom System nur profitieren und mit ein paar Steuerfranken hat er seinen Beitrag geleistet, ist schlicht weg nur ein Schmarotzer.

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  • PzGrenBat am 12.07.2015 13:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Secondo 

    Bin secondo, habe den Dienst gemacht und würde im Ernstfall meinen Beitrag leisten. Wie alle! Wieder eine Massnahme um eine Zweiklassen-Gesellschaft zu schAffen

  • Andi Knettle am 12.07.2015 13:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich

    Tu ich auch. Und ich finde der ueli macht das auch zu recht