Netzkriminalität

27. Januar 2016 14:22; Akt: 27.01.2016 14:22 Print

«Betrüger im Internet haben es zu einfach»

Internetkriminalität wird eine immer grössere Bedrohung, warnen Forscher. Der Leiter des Zürcher Kompetenzzentrums für Cybercrime zeigt auf, wo die Gefahren lauern.

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Die Anzahl der Betrugsvorfälle im Internet steigt. Besonders Phishing ist derzeit ein grosses Problem. Das Kompetenzzentrum Cyberkriminalität bearbeitet immer mehr Fälle von Wirtschaftskriminalität. (Bild: Keystone/Daniel Naupold)

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Herr Walder, das Ponemon-Institut in den USA prognostiziert für 2016 einen deutlichen Anstieg der Cyberkriminalität. Können Sie dies bestätigen?
Wir vom kantonalen Kompetenzzentrum Cybercrime sehen natürlich nur die stark zunehmenden Anzeigen, was darauf schliessen lässt, dass auch die Anzahl der Taten steigt. Früher hatten wir viele Fälle von Kinderpornografie. Heute dreht sich die überwiegende Mehrheit der Fälle um Wirtschafts-, Betrugs- und Computerdelikte.

Haben die Kriminellen ein leichtes Spiel?
Es gibt sehr viele User, die mit den Angeboten im Internet sehr leichtfertig umgehen. Das hat wohl auch mit der Mentalität der älteren Generation zu tun. Sie sind sich Treu und Glauben im Geschäftsverkehr gewohnt, nämlich, dass man erhält, was versprochen wurde. Darum sind sie überrascht, wenn beispielsweise die Pfanne, die sie als qualitativ hochwertiges Schnäppchen im Internet bestellt haben, nie geliefert wird. Sie lassen sich aber auch von ungewöhnlich günstigen Angeboten verlocken und vernachlässigen die nötige Vorsicht. Immer mehr Täter versuchen, von diesem Umstand zu profitieren. Das Resultat sind immer immer mehr Geschädigte.

Was ist derzeit das grösste Problem, mit dem Sie konfrontiert sind?
Phishing ist wirklich ein grosses Problem. Trotz der vielen Warnungen klicken immer wieder Leute auf E-Mails, geben ihre Daten an oder machen sogar Zahlungen auf Plattformen, die nur fingieren, jene der Bank zu sein. Wir haben aber immer auch andere Betrugsphänomene, bei denen die einzelnen Deliktsbeträge nicht enorm hoch sind, aber sehr viele Geschädigte betroffen sind.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Letzten Sommer konnten zwei Täter verhaftet werden, die mit fingierten Wohnungsinseraten betrogen hatten. Potenzielle Mieter überwiesen die Miete im Voraus und hörten dann nie mehr etwas vom Vermieter. Die Täter gingen extrem raffiniert vor. Ähnliche Konzepte wenden auch andere Täter an und generieren Deliktsbeträge in Millionenhöhe. Unsere Aufgabe ist es, solche Fallkomplexe zu analysieren, ob es sich bei vielen kleinen Betrugsanzeigen um dieselbe Täterschaft handeln könnte.

Befinden sich diese in der Schweiz?
Es gibt natürlich auch Täter, die sich in der Schweiz aufhalten. Meistens ist dies aber nicht der Fall, dies erschwert die konventionelle Strafverfolgung bei der Internetkriminalität. Wir müssen mit ausländischen Stellen zusammenarbeiten und gut vernetzt sein. Das ist umso wichtiger, als es bei unseren Fällen auch immer darum geht, schnell zu handeln.

Ist Internetbetrug also ein internationales Business?
Es ist eine richtige Maschinerie und sehr ausgeklügelt. Und sie breitet sich schnell aus. Im Darknet wird fast alles verkauft, was Betrüger brauchen oder suchen könnten. Das geht von E-Mail-Listen potenzieller Opfer im richtigen Alter über Programme, mit denen betrogen oder erpresst werden kann, bis zu neuen Betrugskonzepten und Ideen. Es vergeht kein Tag, an dem ich im Internet nicht von einem neuen Deliktsphänomen lese.

Wenn wir vorsichtiger werden, haben dann die Täter weniger Chancen?
Das Bewusstsein in der Bevölkerung für betrügerisches Vorgehen muss unbedingt steigen. Hier ist noch viel Potenzial für Aufklärungsarbeit. Meiner Meinung nach haben es Betrüger immer noch zu einfach. Da aber auch die Privatindustrie ein Interesse daran hat, dass wir uns im Internet sicherer bewegen können, entwickelt sie immer ausgeklügeltere Konzepte, um den Marktplatz Internet sicher zu gestalten.

Kann auch die Strafverfolgung einen Beitrag leisten?
Ja. Unser Auftrag ist es, die Täterschaften strafrechtlich zu verfolgen. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, weshalb wir zusammen mit der Polizei bemüht sind, dass auch dort Regeln einhalten werden. Leider sind wir immer noch ein relativ kleines Team und momentan das einzige Kompetenzzentrum für Cybercrime in der Schweiz. Ein Ausbau ist nötig. Wir können die Fälle kaum bewältigen.

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Im Angesicht des Hodens am 27.01.2016 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Damals und Heute

    Früher sagte Mami ich soll nicht alles vom Boden Aufheben. Heute Sag ich Mami Sie soll nicht überall draufklicken was so ins Emailfach kommt.

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  • marko 31 am 27.01.2016 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kriminalität

    Man muss immer aufpassen was man in Internet eingibt!

  • Pompeo am 27.01.2016 14:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufgepasst

    Es ist wichtig, dass sich jeder Internetnutzer der Gefahren bewusst und stets skeptisch und misstrauisch gegenüber Angeboten Anfragen etc. ist. Leichtsinn kommt vor dem Falle im Internet.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Felix am 28.01.2016 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Braucht mehr Polizei und Technik , der Stadt sagt;

    Wenn die Politiker, nach Gerechtigkeit schreien um gewählt zu werden, und inter den Rücken der Wähler die Polizei reduzieren weil es zu teuer ist, die Geräte verhaltet und nicht der neueste Technik entsprechen, Grund dafür ist die ewige Budget Kürzungen . Was erwartet Sie , das es möglich ist auf solches moderne Betrügereien entgegen zu halten? Kein Geld =keine Justice Fragen Sie mal Freunde oder Bekannte die bei der Polizei arbeiten, die werden die Sparmassnahmen zugeben, wenn sie ehrlich mit sich selbst sind. Die Gesetze müssen längst angepasst werden, gleichgültige Gesetze =Chaos

  • B. Trüger Geschäftführer der Lug&Trug AG am 28.01.2016 06:23 Report Diesen Beitrag melden

    Sie haben alle in der Lotter gewonnen

    An alle Kommentatoren: Sie haben unerhörtes Glück Sie alle haben in der kiribatischen Landeslotterei umgerechnet eine Million CHF gewonnen. Sie müssen vorerst nichts tun Ihre IP- Adressen wurden bei diesen Kommentaren automatisch ausgelesen und mittels Schadsoftware Ihre E- Mailadressen auskundschaftet. Sie erhalten demnächst eine E- Mail in der Sie Ihre Bankkontodaten für die Überweisung des Lotteriebetrages eintragen können. Herzliche Gratulation zu Ihrem Lottogewinn ! Mit freundlichen Grüssen B. Trüger

  • Art am 27.01.2016 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeitgemäss

    Die Gesetzeslage hat sich leider, nicht (genug) mitverändert, mit der Technik.

  • markus am 27.01.2016 19:39 Report Diesen Beitrag melden

    Statt Behörde E-Mail Kurs

    Damit wäre 90% erledigt.

  • Roland am 27.01.2016 17:55 Report Diesen Beitrag melden

    Untätigkeit der Behörden ist die Gefahr

    Wie lange geht es eigentlich noch bis endlich ein Identitätsnachweis für sämtliche Aktivitäten im Internet vorausgesetzt wird. Dann kann endlich die Haftbarkeit für alle Aktivitäten gewährleistet werden. Nichts einfacher als dies. Aber leider, leider schlafen unsere Behörden und sind durch ihre Untätigkeit für immer mehr Schaden direkt verantwortlich.

    • Cleetus am 27.01.2016 18:24 Report Diesen Beitrag melden

      Weil...

      Weil die Behörden auch zu den Betrügern gehören. Siehe z.B. Staatstrojaner.

    • Fabian möchte lieber privat bleiben. am 27.01.2016 18:56 Report Diesen Beitrag melden

      Herr Roland?

      Guten Tag Herr Roland, und wieso haben Sie Ihren Namen nicht ganz angegeben? Damit widersprechen Sie sich leider ;)

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