Schule

15. Mai 2017 10:17; Akt: 15.05.2017 10:17 Print

Wer den Lehrer nicht mag, beginnt zu trinken

von Stefan Ehrbar - Schweizer Jugendliche hadern mit ihren Lehrern. Das bleibt nicht folgenlos – und begünstigt das Trinken, Kiffen und Rauchen.

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Fast die Hälfte der Mädchen im Alter von 14 Jahren hat nicht viel Vertrauen in ihre Lehrer. Vier von zehn glauben nicht, dass sich ihre Lehrer für sie als Person interessieren. Das sind die Ergebnisse einer neuen Studie von Sucht Schweiz. Das kann fatale Folgen haben, denn je schlechter die Beziehung zu den Lehrern ist, desto früher und häufiger konsumieren die Schüler Alkohol oder Cannabis.

Bei den Buben sind die Werte besser. Statistisch relevant sind die Unterschiede allerdings nicht, wie Studienautorin Yvonne Eichenberger von Sucht Schweiz sagt. Ein schlechtes Verhältnis zu den Lehrern ist problematisch.

Wer den Lehrer mag, kifft weniger

So schreiben die Forscher, dass Schüler mit einer guten Beziehung zu den Lehrern weniger rauchen, Alkohol trinken oder kiffen. Zudem hängt die wahrgenommene Unterstützung durch die Lehrer damit zusammen, wie häufig und wie früh die Jugendlichen mit dem Konsum beginnen.

Diese Zusammenhänge seien nicht einseitig, sagt Eichenberger. Auch könnten weitere, in der Studie nicht untersuchte Faktoren den Zusammenhang beeinflussen. Der Gedanke liege aber nahe, dass eine Verbesserung des Verhältnisses zu den Lehrern auch einen Einfluss auf den Konsum von Alkohol, Tabak oder Cannabis hat.

«Beziehung steht an erster Stelle»

Die Studie belege, was aus früherer Forschung bekannt sei, sagt Andrea Lanfranchi, Leiter Forschung der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik. «Die Beziehung zwischen Lehrperson und Schüler steht nicht nur beim Lernen, sondern auch beim Wohlbefinden an erster Stelle.» Das sei sehr wichtig.

In der politischen Diskussion werde dieser Aspekt zwar oft herablassend diskutiert. «Spätestens jetzt sollte es aber auch Hardlinern unter den Lehrern klar geworden sein, wie ungeheuer wichtig ein von Wertschätzung geprägtes Klima ist.»

Verdrossenheit bei den Schülern

Lehrer müssten mit Klarheit, aber auch fürsorglich und engagiert unterrichten. Zwar sei die Fachkompetenz wichtig. Für den Lernerfolg und das Befinden sei aber die Beziehung zu den Schülern bedeutsamer, sagt Psychologe Lanfranchi.

Ähnlich sieht das der Schweizer Lehrerverband. Mögliche Erklärungen für die tiefen Werte könnten das unterschiedliche kollegiale und familiäre Umfeld sein, sagt Geschäftsleitungsmitglied und Schulleiter Bruno Rupp. «Bei einigen Schülern zeigt sich gegen Ende der Schulzeit eine gewisse Schulmüdigkeit und vielleicht sogar Verdrossenheit.»

«Vertrauen ergibt sich nicht von selbst»

Wichtig sei eine gemeinsame Haltung der Lehrer, der Familie und der Schüler. «Vertrauen ergibt sich nicht von selbst, es muss aufgebaut und gepflegt werden», sagt Rupp.

Die Studienautoren gehen davon aus, dass eine gute Beziehung zu den Lehrern die persönlichen Einstellungen und Überzeugungen von Jugendlichen beeinflusst. So können sie dem Druck anderer, Alkohol oder Cannabis zu konsumieren, besser widerstehen.

Die Studie basiert auf Daten der internationalen Jugendbefragung HBSC, für die in der Schweiz knapp 10'000 Schüler zwischen 10 und 15 Jahren befragt wurden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hofer Hilde am 15.05.2017 10:34 Report Diesen Beitrag melden

    Machart gefällt

    Für was alles müssen die Lehrer noch hinhalten ? Geht's noch, Eltern sind für Kinder verantwortlich. Wenn Sie klein herzig und juhee sind und wenn sie älter werden und anstrengende Teenies sind.... Aber dann sind die Eltern mit Selbstverwirklichung beschäftigt und sich am finden.. und die Lehrer, Lehrmeister sind an allem Schuld.......

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  • kiki am 15.05.2017 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    kein Grund

    Ach, ich hatte auch Lehrer die waren echt nicht brauchbar. Einer hatte sogar uns Schüler geschlagen oder sonst mit überdimensionalen Strafen, Stafaufgaben verknurrt. Das war aber noch lange kein Grund um mit Trinken anzufange. Was läuft da überhaupt falsch? Ich denke die Kinder sind allgemein in der heutigen Gesellschaft total überfordert. Ich hatte zum Glück zu Hause meine Eltern, die haben mich unterstützt. Das heisst, sie hatten auch Zeit für meine Problemchen in der Schule. Ich denke heute ist das in vielen Familien nicht mehr der Fall. Eltern wie Kinder sind überfordert.

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  • Reto Houdini am 15.05.2017 10:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glaube ich nicht

    Fast alle Jugendlichen haben ihreLehrer nicht gern und auch fast alle trinken. Ich denke aber nicht dass dies eine Kausalität hat.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Leser am 15.05.2017 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    Man stelle sich

    vor man müsste sagen, dass man selbst für seine Taten verantwortlich ist. Dann wäre man ja erwachsen. Oder versucht da ein Vater/eine Mutter den Vollsuff des perfekten Kindes zu entschuldigen? Hauptsache man kann die Verantwortung abschieben. Früh übt sich, wer ein Meister werden will.

  • Minnie Mouse am 15.05.2017 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Antipathie kann auch ein Anreiz sein!

    Also mein Mathelehrer und ich konnten uns gegenseitig nicht ausstehen, aber zur Säuferin bin ich wegen ihm nicht mutiert! Er meinte, ich wäre in seinem Kurs wohl die schlechteste Schülerin - nachdem er mich auf diese Art vor der gesamten Klasse blamiert hatte, schwor ich mir, es ihm zu zeigen! Hat geklappt, habe eine Super-Matur in Mathe hingelegt!

  • manu am 15.05.2017 18:12 Report Diesen Beitrag melden

    dann war damals

    also unser lehrer schuld, dass beruhigt mich jetzt aber...

  • Marina Moreni am 15.05.2017 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sündenböcke

    Juhui, ich kann den lehrern für alles, was schlecht läuft die schuld geben ;-) Ich brauche keine selbstverantwortung. Viele eltern haben keine zeit mehr für ihre kids, aber ich kann doch den lehrern für alles schlechte die schuld geben - ziemlich praktisch ich muss nie was ändern, denn ich bin nie schuld, sondern immer die lehrer GENIAL! Nun endlich haben wir die sündenböcke, DIE LEHRER!!!

  • Pezer am 15.05.2017 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Kausalzsmnhang

    Ich glaube eher, dass kids welche eine veranlagung zu trinken und kiffen haben, auch eher dazu veranlagt sind stress mit dem lehrer haben.