Pro Juventute unzufrieden

02. September 2012 20:22; Akt: 03.09.2012 07:40 Print

Cybermobbing-Prävention in der Schule gefordert

von Lukas Mäder - Das Mobbing von Kindern im Internet nimmt zu. Pro Juventute erhält deswegen pro Woche zwei bis drei Anfragen. Die Organisation fordert, an den Schulen Medienkompetenz zu lehren.

storybild

Häufig sind Kinder und Jugendliche Opfer von Mobbing über das Internet - Prävention in der Schule könnte helfen. (Bild: Thinkstockphotos)

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Immer wieder erregen spektakuläre Einzelfälle von Cybermobbing international Aufsehen. In den Niederlanden wird derzeit der Auftragsmord an einer 15-Jährigen verhandelt. Grund für die Tat: Das Opfer hatte auf Facebook verbreitet, ihre Freundin habe mit mehreren Jungs Sex gehabt. Für dieses Cybermobbing wollte sich die Freundin rächen.

Dass Cybermobbing ein grosses Problem ist, warnen Fachleute schon länger. Bereits im März sagte der Leiter der Stadtzürcher Fachstelle für Gewaltprävention, Roland Zurkirchen, dass in ihrer Statistik Cybermobbing «der eindeutige Spitzenreiter bei Konflikten zwischen Jugendlichen» sei. Die «Zentralschweiz am Sonntag» hat nun Zahlen von Pro Juventute veröffentlicht, welche die Notrufnummer 147 betreibt. Demnach wendeten sich im ersten Halbjahr 2012 pro Woche zwei bis drei Kinder und Jugendliche wegen Mobbing über das Internet an die Organisation. Auf Anfrage von 20 Minuten Online sagt Kommunikationsleiterin Marianne Affolter, dass bereits Kinder ab 10 Jahren betroffen sein können. Die meisten Anfragen kommen von zwischen 13- und 16-Jährigen.

Suizid sei Frage der Zeit

Bei Pro Juventute nehmen nicht nur die Cybermobbing-Beratungen allgemein zu, sondern auch die Zahl der schweren Fälle, wie Affolter sagt. Die Organisation hat mehrmals im Jahr Anrufe von Kindern und Jugendlichen, die sagen kurz davorzustehen, sich das Leben zu nehmen. «In so einem Fall informieren wir die Polizei oder den Notruf», sagt Affolter. Der Selbstmord eines Kindes wegen Cybermobbing in der Schweiz sei nur eine Frage der Zeit, sagt Pro-Juventute-Direktor Stephan Oetiker in der «Zentralschweiz am Sonntag». Im Ausland kam es bereits zu Suiziden aufgrund von Internet-Mobbing - in der Schweiz ist bislang kein solcher Fall bekannt.

Üblicherweise hilft es bereits, wenn Betroffene mit jemandem sprechen können. Sich über das Mobbing mit Freunden oder Familie auszutauschen, getrauen sich laut Affolter viele nicht. Die Berater von Pro Juventute vermitteln auch lokale Ansprechpersonen und gehen das Gespräch vorgängig intensiv durch. Für einen späteren Zeitpunkt wird eine Nachbesprechung vereinbart, um zu schauen, wie es gelaufen ist. Die Mobbing-Opfer müssen jedoch selbst Kontakt aufnehmen zu den Fachpersonen. «Wir geben die Nummer der Kinder und Jugendlichen nicht weiter», sagt Affolter. Pro Juventute würde den Betroffenen auch helfen, Beweismittel in Form von Printscreens zu sichern oder präventiv beispielsweise den Zugang zum Facebook-Profil für Dritte sperren.

Auch Eltern sensibilisieren

Bei der Bekämpfung von Cybermobbing sieht Pro Juventute hauptsächlich die Schulen in der Pflicht. Dort soll Medienkompetenz in den Lehrplan aufgenommen werden - und zwar nicht nur als Empfehlung, sondern möglichst verbindlich. Die Lehrer brauchen dabei laut Affolter Unterstützung, zum Beispiel mit externen Workshops, wie sie auch Pro Juventute anbieten. Doch nicht nur Kinder und Jugendliche müssen sensibilisiert werden, wie Affolter betont, auch die Eltern: «Sie sind nicht mit solchen Problemen aufgewachsen.»

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Ausgewählte Leser-Kommentare

Die meisten Eltern verstehen wenig von den "Internet-Welten", in denen sich ihre Kinder aufhalten. Es erstaunt also nicht, dass die Kinder sich allein gelassen fühlen oder ihre Probleme nicht ernst genommen werden. "Das bisschen Computer" kann man doch nicht als "Mobbing" bezeichnet werden, ist immer noch die landläufige Meinung. So lange also die Erwachsenenwelt die neuen Medien weiterhin ignoriert und runterspielt, werden sich die Betroffenen auch nicht melden können und die Probleme mit den Eltern besprechen wollen. – Horst B.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tick, Trick, Track am 05.09.2012 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Mobbing Findet auch am Mittagstisch in..

    sehr vielen Familien statt, wenn Eltern andere Eltern nicht mögen lästern sie doch auch am Tisch vor Ihren Kindern, da solten sich viele Eltern auch mal darüber gedanken machen was erzähle Ich vor meinem Kind über andere Eltern, oder deren Kinder, am besten auch mal vor die eigenen Füsse schauen! Und mit seinen Kinder Ehrlich sein Hilft gegen so manches Problem, denn das schafft auch Vertrauen, und Selbstvertrauen, so solten es Kinder nicht nötig haben andere zu Mobben.

  • Dominik Dachs am 05.09.2012 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Bei uns in der Schule wurden Bilder...

    vom Lehrer unserer Kinder im Internet hochgeladen ohne Erlaubnis der Eltern, die Persönlichen Daten werden von Kindern genuzt um Sie bei Lehrnprogramen Anzumelden! Aber die Eltern und Kinder sollen eine Internetweissung Unterschreiben das die Kinder von Lehrer Und Mittschüler keine Persönlichen Daten Verraten dürfen, dabei ist die Schule der grösste Verräter, Sie hält sich selber nich an die Internetweissung! Dabei müsste man denn Kindern Lehren keine Persönlichen Daten Preis zu geben, und gemeinsam Lehrnen wie man mit dem Internet Umgeht, und sich korrekt Verhält! ABER NICHT SO!!!

  • Janus am 04.09.2012 20:03 Report Diesen Beitrag melden

    Soso. Wieder mal die Schule

    Jetzt muss also wieder mal die Schule die Erziehungsfaulheit der Eltern ausbügeln. Aber wehe, wenn dann mal ein Lehrer etwas energischer wird...

  • Steph am 04.09.2012 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    problemlos

    kein Facebook,keine Chatrooms,kein whatsapp und schon ist das Mobbingproblem wenigstens im Netz verschwunden.

  • Realist am 03.09.2012 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder brauchen keinen Computer !

    Für was brauchen Kinder überhaupt einen Computer? Wenn der Computer nur fürs Internet, Facebook und zum Spielen gebraucht wird, reichen ja die minimsten Computer-Kenntnisse. Für das spätere Berufsleben reicht das aber bei weiten nicht. Wenn ein Kind aber an der Programmierung und Technik interessiert ist, dann ist das natürlich ein grosser Vorteil, wenn es möglichst früh damit anfängt.

Immobilien

powered by

Immobilien finden

PLZ
Preis bis
Zimmer bis

Nachmieter finden? Jetzt bei homegate.ch inserieren