Asylsuchende

06. September 2016 09:47; Akt: 06.09.2016 13:23 Print

«Ein Spielplatz ist keine Bar, um sich zu besaufen»

von B. Zanni - Asylbewerber, die sich auf einem Spielplatz betrinken, sorgen für Unmut. Politiker fordern Anti-Langeweile-Programme.

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Leserin P. K.* wollte kürzlich ihren vierjährigen Sohn auf einem Quartier-Spielplatz in Herisau herumtoben lassen. Doch dazu kam es nicht. Auf den Bänken sass eine Gruppe biertrinkender, dunkelhäutiger Männer. «Ihren immer lauteren Stimmen nach waren sie betrunken», sagt P. K. Den Spielplatz verliess sie darauf fluchtartig: «Ein Spielplatz ist keine Bar, um sich zu besaufen!» Da sich in der Nähe eine Asylunterkunft befindet, geht P. K. von Asylbewerbern aus.

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Das Staatssekretariat für Migration (SEM) hat vom konkreten Vorfall bislang keine Kenntnis und kann darum nicht bestätigen, dass es sich bei den angetroffenen Personen um Bewohner des Bundeszentrums in Herisau handelt. Man gehe den Hinweisen aber nach und werde allenfalls entsprechende Massnahmen ergreifen, sagt ein Sprecher. «Sobald man aber Kenntnis von einem Vorfall hat, wird die Polizei informiert.» Grundsätzlich würden solche Vorfälle sehr ernst genommen. Man sei darum bemüht, die Asylsuchenden zu beschäftigen. Bis am späteren Nachmittag können Asylsuchende die Bundeszentren verlassen. Es könne darum durchaus vorkommen, dass sich Asylsuchende tagsüber ausserhalb eines Zentrums aufhielten, um Alkohol zu trinken.

«Unwürdiges Nichtstun»

Linke Politiker haben Verständnis. «Viele Asylbewerber lungern wohl herum, weil sie keine Beschäftigung haben», sagt SP-Nationalrätin Silvia Schenker. Besonders der Sonntag, wenn ohnehin nicht viel los sei, lade dazu ein. Balthasar Glättli (Grüne) weiss: «Das Warten ohne Ablenkung lässt einige fast verzweifeln. Die Politiker fordern Freizeitprogramme. Laut Schenker sollen Gemeinden mit Asylunterkünften Sportangebote wie Fussball, Tischfussball oder Treffpunkte schaffen. Glättli: «Beim Sport könnten sie ihre Unruhen und Ängste abreagieren.»

Auch sollen Asylsuchende einen Job haben dürfen. Zurzeit unterstehen sie nämlich einem drei- bis sechsmonatigen Arbeitsverbot. Glättli: «Warum soll ein syrischer Arzt nicht wenigstens als Krankenpfleger arbeiten dürfen?»Schenker schlägt Praktikumsstellen im handwerklichen Bereich, der Gesundheit, Gastronomie und Landwirtschaft vor.

Ob es sich im vorliegenden Fall um Asylsuchende handle, könne die Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH) nicht beurteilen, sagt Sprecher Stefan Frey. «Wenn ja, ist es unwürdig, dass die Schweiz Menschen durch fragwürdige Arbeitsverbote zum Nichtstun verurteilt.» Schon lange fordere die SFH, dass Asylsuchende von Anfang an Deutschkurse erhielten und sich in den Gemeinden etwa als Hilfskräfte engagieren können.

«Selbstgewählter Zustand»

Bürgerliche Politiker winken ab. «Es ist eine Illusion, zu glauben, wir seien für eine lückenlose Unterhaltung verantwortlich», sagt Heinz Brand (SVP). Die Asylsuchenden hätten ihr Dasein selbst gewählt. «Mit Lesen, Sport, Handy und Fernseher können sie sich gut beschäftigen.» Programme hält er für wenig zielführend. Die Asylsuchenden träten oft in ethnischen Gruppen auf. «Kulturelle Konflikte zwischen den verschiedenen Ethnien und den Geschlechtern sind vorprogrammiert.»

Auch Arbeitsmöglichkeiten entschärften die Situation nicht grundlegend. «Viele sind gar nicht motiviert zum Arbeiten oder haben völlig unrealistische und praxisfremde Vorstellungen davon.»

«Zeit mit Spielen überbrücken»

Walter Müller (FDP) hat den Eindruck, dass die Schweizer die Asylsuchenden «verbibäbelen». «Es geht nicht, dass der Schweizer Bürger für ein Schlaraffenland der Asylbewerber aufkommt.» Asylsuchende in echter Not stünden Langeweile aus. «Dabei können sie die Zeit mit Lesen oder Gesellschaftsspielen überbrücken.»

Reto Lindegger, Direktor des Schweizerischen Gemeindeverbands, weist darauf hin, dass einige Gemeinden Flüchtlinge bei Wald- oder Entsorgungsarbeiten einspannen und Freizeittreffs anbieten. «Ein flächendeckendes Rundumangebot liegt aber weder personell noch finanziell drin.» Wie wollen die Gemeinden ihre Plätze vor Störenfrieden schützen? «Wichtig ist, dass in den Unterkünften über die hiesigen Gegebenheiten aufgeklärt wird.» Der Erfahrung nach erreiche man damit viel.

*Name der Redaktion bekannt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Domsch95 am 06.09.2016 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respektlos

    Sehe solche bilder leider täglich. Egal ob an bahnhöfen, öffentlichen plätze oder eben auf spielplätze. Das diese leute vieleicht keine beschäftigung haben ist das eine, aber diese respeklosigkei dem land gegenüber das diese leute aufgenommen hat ist einfach unfassbar.

  • Dänuz am 06.09.2016 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SP, Grüne und Konsorte

    .... ich lese nur immer Forderungen von den Linken, geht das nur mir so?

  • Bill the Blue Whale am 06.09.2016 10:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schild?

    Ein "Alkohol verboten"-Schild auf dem Spielplatz anbringen und bei Übertritten die Polizei rufen, fertig. Derweil stimme ich den bürgerlichen Politikern zu - wir sind nicht verantwortlich für ein umfassendes Unterhaltungsangebot.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Naana am 06.09.2016 13:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortung

    Die Angst macht blind, unklug und destruktiv» Ich denke es ist an der Zeit, dass wir umdenken (geht auch mich an) und Verantwortung für die jugendlichen Asylanten, fast selbst noch Kinder, übernehmen. Lasst uns unseren Reichtum teilen und geben wir den Jungen eine Chance für die Zukunft.

  • sasch am 06.09.2016 13:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    no problem

    wo ist das problem? sie machen nur das was sie schon vorher die ganze zeit gemacht haben.

  • night_devil am 06.09.2016 13:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bundeszentren

    vor ein paar Monaten hiess es in den Medien: Die Bundeszentren waren ein voller Erfolg. Aus diesem Grund wurde wohl auch das Asylgesetz nicht angenommen. Jetzt liesst man, dass die Polizei doppelt so oft ausrücken musste in genau diese Bundeszentren oder 90% tauchen unter. Wo genau waren die Bundeszentren ein voller Erfolg?

  • Andrey M Ulckh am 06.09.2016 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts Arbeiten aber doch immer Geld

    Es ist nicht eine Frage der langweile sondern eine frage wie man das verschenkte Geld ausgibt!

  • claudeperret am 06.09.2016 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bravo!

    was haben sie unternommen um diesen asylsuchende das verständlich zu machen? bravo!