Expo Milano 2015

01. Mai 2015 05:34; Akt: 01.05.2015 12:55 Print

Aebischer hätte lieber Rüebli gepflanzt

Apfelringli, Salz, Wasser und Nescafé: Mit diesen Produkten präsentiert sich die Schweiz an der Expo in Mailand. Politiker hätten bessere Ideen gehabt.

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Der Inhalt dieser Türme gefällt nicht allen: Schweizer Pavillon an der Weltausstellung in Mailand. (Bild: Keystone/Samuel Golay)

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Heute öffnet die Weltausstellung in Mailand ihre Tore. Auch die Schweiz präsentiert sich an der Expo mit einem Pavillon: Vier fünfzehn Meter hohe Türme gefüllt mit Salzpäckchen à 5 Gramm, in Plastiksäckli eingeschweisste Apfelringe, Nescafé-Sticks und Leitungswasser bilden das Herzstück. Die Besucher können so viel von den Produkten nehmen, wie sie wollen – bis die Türme leer sind. Damit soll auf die Vergänglichkeit der Ressourcen hingewiesen werden.

Die Produktauswahl kommt nicht bei allen gut an. «Mit Ausnahme der Apfelringli sind das doch keine Produkte, die für die Schweiz stehen», kritisiert Nationalrätin Aline Trede (Grüne). Zudem sei es problematisch, dass der Konzern Nestlé als Sponsor auftrete und so ein multinationales Unternehmen die Schweiz an einer Weltausstellung repräsentiere – «was aber immerhin ehrlicher ist, als mit Käse, Kühen und Schokolade aufzuwarten», so Trede.

Mailänder Hahnenwasser statt PET-Flaschen

Zu Beginn war geplant, dass Nestlé gleich zwei der vier Türme beanspruchen würde: einen für Mineralwasser und einen für die Nescafé-Sticks. Auf Kritik der zuständigen Kommission des Nationalrats schwenkte der Veranstalter «Präsenz Schweiz» ein und hat nun einen Turm mit Mailänder Hahnenwasser statt mit Nestlé-Pet-Flaschen gefüllt. Trotzdem bleibt der Kompromiss für Trede eine «Alibi-Übung», «weil die grossen Themen wie Foodwaste oder die Welternährung nicht angetastet werden.» Dass sich ein Land an der Weltausstellung im besten Licht präsentieren wolle, verstehe sie zwar, «die Schweiz hätte hier aber beispielsweise ihre fortschrittliche Recycling-Kultur oder das grosse Angebot an Bioprodukten thematisieren können.»

Auch SP-Nationalrat Matthias Aebischer war ein Kritiker des Nestlé-Sponsorings. Nachdem jetzt aber Nestlé nachgegeben hat und sich auf Néscafe beschränkt, ist er mit dem Schweizer Pavillon zufrieden: «Dass die Organisatoren unsere Kritik ernst genommen haben und nun statt Nestlé-Wasser Mailänder Hahnenwasser ausschenken, finde ich sehr gut reagiert. » Auch beim Kaffee sieht Aebischer kein Problem, weil die Schweiz ja mit Abstand der grösste Kaffeehändler der Welt sei.

Aebischer hätte lieber Rüebli gepflanzt

Eines hätte Nationalrat Aebischer aber anders gemacht: Um nicht nur auf die Verschwendung, sondern auch auf den nachhaltigen Anbau hinzuweisen, hatte er in der Kommission vorgeschlagen, dass die Besucher selber Gemüse anpflanzen müssen. «So hätte man etwa für ein Rüebli, das man konsumiert, ein Neues pflanzen können, das dann über die Dauer der Expo gewachsen und für die weiteren Gäste zur Verfügung gestanden wäre.»

Weiterhin skeptisch ist Parteikollegin Martina Munz: «Ich glaube nicht, dass durch das aktuelle Konzept die Botschaft der Nachhaltigkeit bei den Besuchern ankommt.» Denn jene, die die Türme am Anfang der Ausstellung leerräumten, sähen sich kaum mit den Folgen ihres Tuns konfrontiert. «Das führt dazu, dass sich jene, die dann nichts mehr von den Waren abbekommen, frustriert sind.»

Nationalrat Christian Wasserfallen findet den Schweizer Expo-Auftritt «sehr gelungen»: «Im Pavillon wird die Schweiz nicht nur als Tourismusland präsentiert, sondern auch als Hort der Innovation, wie etwa die schweizerische Kaffeeverarbeitung.» Er hofft, dass bei seinem Expo-Besuch im Schweizer Pavillon die Türme nicht schon leer sind und er noch einen Kaffee trinken kann.

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike am 01.05.2015 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte nicht Aebischer

    Gerade Aebischer sollte sich zurückhalten mit Kritik an Unternehmen. Dieser Herr hat in seinem Leben noch nie in der Privatwirtschat gearbeitet. Seinen bezog er jeweils vom Gebühren- oder Steuerzahler.

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  • Laden zu am 01.05.2015 06:11 Report Diesen Beitrag melden

    Zeit- und Geldverschwendung

    Sind wir doch ehrlich die ganzen Expos bringen nichts und kosten einen Haufen Geld. Ein Land präsentiert sich in der Welt durch positive Medienmeldungen (Gesellschaft, Forschung etc.) und Eindrücke die die Touristen nach Hause nehmen. Garantiert nicht durch Pavillions und irgendwelche was weiss ich Ausstellungen

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  • Beobachter am 01.05.2015 05:52 Report Diesen Beitrag melden

    Na ja...

    ... klar erkennbar, dass sich da der weltumspannende Nestlé Konzern eine eigene Werbeplattform erkauft hat. Da muss man sich schon fragen, ob das gerecht sei. Es ist doch keine Warenmesse, sondern eine Weltausstellung. Nestlé ist nicht die Schweiz. Schlimm. Und um so etwas Banales zu sehen, sollen Menschen aus der ganzen Welt nach Mailand fahren? Da fehlt jegliche Innovation - und Motivation dazu. Echt penibel.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Michel am 02.05.2015 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Stärke zeigen

    Propaganda für unsere Form der Politik wäre mir Lieber. Menschen müssen Regional Verantwortung übernehmen, Mitendscheiden am geschehen der Politik haben, den nur so wird die nähe zur Politik geschaffen wie auch das Verständnis. Wird auch Kantönligeist genannt. Die EU in der heutigen Form wird es bald nicht mehr geben, die Frage ist nur wie der Wandel passiert.

  • mariannen broennimann am 02.05.2015 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    Spinat & Pflücksalat wären schneller

    Rüebli sind gut, brauchen aber länger! Mehrjährige Stauden sind auch idealer, sie wachsen jetzt rassig und blühen sehr schön!

  • Haimax am 02.05.2015 07:40 Report Diesen Beitrag melden

    Geldverblödung

    Das es nur eine Geldverschwendung ist, ist ganz klar. Wenn schon hätte man doch Mailänderli backen können, hätte nach Mailand gepasst und erst noch günstiger.

  • Kosmopolit am 01.05.2015 23:15 Report Diesen Beitrag melden

    Innovative Schweiz

    Gut, dass Nestlé das Projekt mit dem Wasser zurückgezogen hat. Nestlé als internationale Firma und deren Kaffee werden im Ausland sehr wohl als Schweizerisch ("wer hät's erfunde?) wahrgenommen. Mich persönlich stört eher, dass die Apfelringli in Plastic verpackt sind. Soll das Nachhaltigkeit sein? Die Plasitkproblematik ist ja hinlänglich bekannt.

  • Steuerzahler am 01.05.2015 21:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sie nerrrrrven

    Diese ewigen 'im Nachhinein-Besserwisser' Trede, Aebischer,Munz. Sie hätten sich vorher einmischen müssen und dem Steuerzahler das Geld aus der Tasche holen, für das jetzt zB Nestlé aufkommt.