Daten veröffentlicht

12. April 2016 15:22; Akt: 12.04.2016 15:22 Print

Anonymous hackt Schweizer Job-Portale

von G. Brönnimann - Hacker haben 44 Job-Portale attackiert und sollen persönliche Daten von Millionen Jobsuchenden veröffentlicht haben. Vier Schweizer Seiten sind betroffen.

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Was die italienischen Hacker, die sich zum Anonymous-Kollektiv und zu Lulzsec Italia rechnen, grossspurig im Internet verkünden, ist nichts weniger als ein Datensicherheits-Super-GAU. Mit ihrer #OpNessunDorma («Operation Keiner Schläft») wollen unbekannte Hacker eine ganze Reihe von Jobsuch-Portalen gehackt haben. Sie geben an, nicht nur die Websites verunstaltet zu haben: Anonymous Italia schreibt auf Blogs und Social Media, sie seien im Besitz sämtlicher Daten.

Das würde bedeuten: Alle Informationen von 37 italienischen und sieben internationalen Jobportalen – laut Anonymous Italia 6'000'000 Nutzerprofile, 15 Gigabyte an Nutzerdaten, eine halbe Million von internen Bewertungen von Arbeitnehmern durch Agenturen, Kunden und Unternehmen, «unzählige» interne Dokumente der Agenturen sowie Kontakte der wichtigsten Unternehmen – sind in der Hand unbekannter Aktivisten. Laut Tio.ch ist auch die Schweiz betroffen, konkret die Tessiner Job-Seiten E-lavoro.ch, Altiservizi.ch, E-impresa.ch und Alti.ch.

«Fremdenhasser und Schweizer Rassisten»

Die Hacker beliessen es nicht beim Datenklau, sie verunstalteten auch die gekaperten Seiten und hinterliessen Botschaften. Auf den Schweizer Seiten, die zur Medacta Group gehören, war unter anderem zu lesen: «Wir gehören zu der schlimmsten Sorte italienischer Parasiten», die auf den Wagen von «rechtsradikalen Fremdenhassern und Schweizer Rassisten aufspringen» würden. Schliesslich stehe in den aufgeschalteten Inseraten von Adecco.ch «explizit, das wir ‹nur Schweizer oder ortsansässiges Personal› suchen». Dabei hätte die Schweiz gleichzeitig «keine Skrupel, jeden auszunutzen, der daherkommt».

Laut Tio.ch wollen die betroffenen Portale rechtliche Schritte einleiten. Man prüfe derzeit noch, wie gross der angerichtete Schaden sei. Der dürfte beträchtlich sein: Laut Tech-Portalen wie Softpedia und TechWorm haben die Hacker einen Teil der erbeuteten Daten, insgesamt 300 Megabyte an Text- und Bilddateien, veröffentlicht – als Beweis, dass die gesamten Datenbanken der gehackten Seiten in ihrem Besitz sind. Gemäss Tio.ch bewiesen die veröffentlichten Schweizer Daten, dass die Hacker wohl Zugriff auf sämtliche persönlichen Informationen von Schweizer Jobsuchenden hatten, deren Profile bei den betroffenen Firmen gespeichert waren. Laut riskbasedsecurity.com sind alle 44 Jobbörsen bei der italienischen Web-Agentur Engitel – der Newsdienst vermutet, dass Anonymous über Engital auf einen Streich an alle Daten gelangte.

Hacker kündigen weitere Aktionen an

Der Hack der Arbeitsportale ist laut Anonymous Italia nur «der Abschluss des ersten Kapitels» ihrer «Operation NessunDorma». Der Hack der Job-Portale sei ein «halb-ernster Diskurs», der aufzeigen soll, worauf man «womöglich neugierig sei, aber niemand erzählt einem diese Geschichte auf diese Weise». Konkret habe Anonymous Italia die «üblichen Witze aus der Welt der Arbeit» satt – insbesondere diejenigen «von unserem lieben (Ministerpräsidenten Matteo) Renzi und (dem Arbeits- und Sozialminister Giuliano) Poletti».

Mit den Daten wollen die Aktivisten laut Softpedia auf die Arbeitsbedingungen in Italien aufmerksam machen – sowie auf geplante Reformen, die grosse Firmen auf Kosten von Arbeitnehmern bevorzugen würden. Ausserdem verlangten die Hacker einen Mindestlohn sowie eine bessere Gesundheitsversorgung. Ob die Daten, wie Anonymous behauptet, «in dieser Sache von Nutzen sein werden», sei dahingestellt. Was die Hacktivisten für das zweite Kapitel planen, erst recht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steeltide am 12.04.2016 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freiheitskämpfer im Netz

    Anonymous habe ich immer gut gefunden. Sie helfen im Kampf gegen den IS und Kämpfen gegen Gesetze welche die Freiheit des Internetnutzers einschrenken. Solle Aktionen finde ich jedoch völlig daneben! Der Geschäftsführer kann entscheiden wen er anstallen will und wen nicht! Genau wegen Aktionen dieser Art sind sie trotz all ihrer guten Taten nicht beliebt.

    einklappen einklappen
  • Herr und Frau Bünzli am 12.04.2016 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    Job Sharing

    vielleicht finden wir nun schneller einen Job.

  • antonzum am 12.04.2016 16:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin nicht betroffen!

    Bin schon pensioniert! Juhuii

Die neusten Leser-Kommentare

  • TrippleSeven am 13.04.2016 09:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super leistung lach

    Ja und? Haben sie halt den namen adresse und telefonnummer.. Findet man auch im telefonbuch! Und was man für einen job sucht muss auch kein geheimnis sein. Nicht die hellsten dieses anonymus sich auch ein jobportal zu hacken.. Besser die Isis webseiten lahmlegen

  • Mannedavid am 13.04.2016 08:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anonymous

    Jup es war wieder einmal "Anonymous" jeder kann sagen das er dazugehöre.. nachprüfen kann man es nicht.

  • thobias-maier.gif am 12.04.2016 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute mine zu bösen spiel

    Und jetzt? Was interessiert mich das wenn meine Infos offen liegen. Ist dich gut, viellwicht findet mich dan einer der mich anstellt.

  • Anno Nymous am 12.04.2016 16:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das ?

    Die Jungs von Anonymous machen sich je länger je mehr unbeliebt. Jetzt dreschen Sie schon auf die Arbeiterklasse ein. Die machen mittlerweile genau das, was Sie Ihren Gegner vorgeworfen haben...

  • Skepticus am 12.04.2016 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Am Ziel vorbei

    Ähem, und aus diesen Gründen werden Jobportale im italienischen In- sowie im Ausland gehackt? Wieso dann auch noch die Daten von Jobsuchenden veröffentlichen? Das verstehe wer will! Denke nicht, dass das den italienischen Arbeitnehmern auch nur einen Schritt weiterhilft. Auch nicht in der Schweiz. Das ist schon eher ein Eigentor!