Opfer erzählt

07. August 2013 09:24; Akt: 08.08.2013 03:08 Print

«Die Sex-Mafia erpresste mich mit einem Video»

von Nina Jecker - Marco (25) wurde Opfer der fiesen Sextortion-Masche: Nachdem er sich einer hübschen Unbekannten im Internet nackt gezeigt hatte, erpressten ihn Kriminelle mit dem Video.

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Der Bund warnte kürzlich vor der Sextortion-Masche: Dabei werden Männer dazu gebracht, sich online nackt zu zeigen und dann mit den Videos erpresst. Wie schnell das gehen kann, zeigt der Fall von Marco (25):

Sie nennt sich Christelle, Sylvie oder Loupi und ist je nach Internet-Profil 20 bis 28 Jahre alt. Marco (Name geändert), ein Student aus Zürich, bekam vergangenen Dienstag im sozialen Netzwerk Badoo Post von der hübschen, jungen Frau. «Sie schrieb, dass sie aus Genf stamme und in einem Austauschsemester an der ETH studiere. Weil sie neu hier sei, wolle sie auf diesem Weg Leute kennen lernen.» Die Kontaktaufnahme machte das spätere Opfer nicht misstrauisch: «Ich sehe nicht schlecht aus und bekomme ab und zu eine Anfrage. Ausserdem wirkten ihre Profile auf Badoo und Facebook völlig glaubwürdig.»

Sehr schnell sei die Konversation intimer geworden. «Wir wechselten auf Skype, wo es immer versauter zuging», erzählt Marco. Auf einmal begann sein Gegenüber zu strippen. «Da war sie plötzlich nackt und auch noch live. Eine echt superattraktive Frau. In dem Moment dachte ich noch, ich hätte einfach nur Riesenglück.» Dann wollte die schöne Unbekannte, dass an den Computern die Aufnahmefunktion eingeschaltet wird. «Ich war misstrauisch, aber da sie es auch getan hatte, dachte ich, es gebe nichts zu verlieren.» Er zeigte sich «Christelle» mit seinem Gesicht und seinem entblössten, erigierten Penis.

«Du tust, was wir von dir verlangen»

Wenige Minuten später erhielt Marco eine Nachricht. «Wir haben das Video von dir. Du tust jetzt alles, was wir verlangen», stand da in gebrochenem Englisch. Beigefügt war ein noch gesperrter Videolink von Youtube, der zum kompromittierenden Clip führte. «Ich hatte einen wahnsinnigen Schock.» 500 Euro wollten die Erpresser, damit sie das Material nicht freischalten. Besonders perfid: Die Täter stellten zum Video persönliche Daten von Marco und schrieben, er zeige sich in sexueller Manier vor einem Kind – obwohl es sich beim Gegenüber offensichtlich um eine erwachsene Frau handelt.

Dass er nicht zahlen würde, war Marco nach der ersten Panik klar. «Sonst verlangen die doch immer mehr.» Er beschloss, die Täter hinzuhalten. «Ich stellte mich dumm. Sagte, ich wisse nicht, wie man eine solche Geldtransaktion macht.» Währenddessen liess Marco das Video bei Youtube sperren. Auch sein Facebook-Profil blockierte er. Während rund zwei Stunden mailten die Kriminellen weiter, drohten damit, den Link an Facebook-Freunde von Marco zu schicken. «Wir zerstören dein Leben», schrieben sie immer wieder.

Marco verfolgte derweil zusammen mit Kollegen die Spuren der Täter im Internet. Wie auch der Account von Western Union befindet sich die IP-Adresse in der Elfenbeinküste. Dass Sex-Erpresser oft von dort aus agieren, ist den Behörden bekannt. Viel Hoffnung, an die Täter zu kommen, habe man aber in solchen Fällen nicht, sagt Danièle Bersier vom Bundesamt für Polizei (Fedpol). Unklar ist derzeit, ob die Frau auf den Bildern Teil der Bande ist oder ob die Täter die Bilder im Internet zusammengeklaut haben. «Ich könnte nicht beschwören, dass die strippende Frau auf Skype dieselbe war wie die auf den Facebook-Fotos», sagt Marco.

Gesammelte Daten dem Fedpol übergeben

Laut eigenen Angaben hat er nun die gesammelten Daten – diese umfassen nebst der IP-Adresse eine französische Handynummer sowie weitere Profile derselben Frau – dem Fedpol übergeben. «Ich hoffe sehr, dass da gehandelt wird.» Bei der Koordinationsstelle zur Bekämpfung von Internetkriminalität bestätigte man den Eingang nicht. «Das machen wir generell nicht», so Bersier. Man prüfe jede Meldung und informiere die zuständige Polizei.

Marco hofft, dass durch seine Geschichte potentielle Opfer gewarnt werden. Ihm werde so etwas nie wieder passieren. «Dass ich im Eifer des Gefechts darauf hereingefallen bin, ärgert mich unsäglich. Eigentlich bin ich ein vorsichtiger Mensch.» Von seinen Erpressern hat er seit Dienstagabend nichts mehr gehört. «Ich denke, ich bin aus dem Schneider.»