Datenbank

26. Oktober 2011 11:54; Akt: 26.10.2011 14:01 Print

1200 Schweizer Hooligans sind registriert1200 Schweizer Hooligans sind registriert

Die Schweizer Hooligan-Datenbank umfasst bereits knapp 1200 Personen, 70 Prozent davon sind Fussball-Anhänger. Erstaunlich viele Registrierte sind noch minderjährig.

Bildstrecke im Grossformat »
Am Anfang der öffentlichen Debatte um Hooliganismus in der Schweiz stand die sogenannte Fans stürmten nach der Niederlage des FC Basel gegen den FC Zürich in der Finalissima das Spielfeld. Es kam zu einem Im Hinblick auf die Euro 2008 in Österreich und in der Schweiz berief der Bund einen Runden Tisch ein. Im Bild ein in Genf für allfällige Hooligans. führte den Runden Tisch, an dem alle Beteiligten vertreten waren, weiter. Im Bild empfängt Maurer 2010 Captain Alex Frei und die Nationalmannschaft im Bundeshaus. Kritiker werfen Maurer vor, und zu wenig Wille für eine politische Lösung aufzubringen. Das Bild zeigt Maurer im Juni 2011 in Dänemark zusammen mit Peter Gillieron (M) vom Fussballverband und Uefa-Präsident Michel Platini (l.). Doch das Hauptproblem des Runden Tisches sind seine fehlenden Kompetenzen. Entscheide waren nur möglich mit Einwilligung aller Beteiligten - was längst nicht mehr der Fall ist. Am 1. September 2011 gab Maurer bekannt, . Da die meisten Kompetenzen im Bereich Hooliganismus bei den Kantonen liegen, kam mit dem Ende des Runden Tisches der (KKJPD) eine Schlüsselrolle zu. Im April 2010 präsentiert die damalige KKJPD-Präsidentin Karin Keller-Sutter in Bern ein Massnahmenpaket gegen Gewalt an Sportanlässen. Die FDP-Politikerin Keller-Sutter ist ein gegen gewalttätige Fussballfans. Auf Seiten der Fans hat sie sich zu einer Hassfigur entwickelt. Keller-Sutter stand seit November 2010 als Präsidentin der KKJPD und St. Galler Justizdirektorin im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Mit dem Niederlegen der Ämter 2012 nach ihrer Wahl zur Ständerätin dürfte dies ändern. Konkret mit den Fussball-Hooligans beschäftigen müssen sich die Ihr Verband unterstützt schärfere Massnahmen. Gleichzeitig funktionieren auf lokaler Ebene die Beziehungen zu Clubs und Fanarbeiter oft gut. Auf dem Bild sind FCZ-Fans auf dem Weg zum Bahnhof Wankdorf. Stark betroffen vom Hooliganismus sind auch die die mit Extrazügen Fans befördern müssen. Die Bundesbahnen wollen, dass die Clubs für die Schäden ihrer Fans aufkommen und die Extrazüge chartern müssen. Mit YB haben sie seit August 2011 eine freiwillige Vereinbarung, die dem Club die Verantwortung für die Ordnung in den Extrazügen übergibt. Im Bild SBB-CEO Andreas Meyer im Februar 2010. Unterstützung erhalten die SBB vom Dessen Direktor Peter Füglistaler lässt eine Gesetzesänderung ausarbeiten, damit die Clubs für Schäden in die Pflicht genommen werden können. Laut dem heute gültigen Transportgesetz müssen die SBB alle Personen transportieren, die einen gültigen Fahrausweis besitzen. Lange zurückhaltend gaben sich der So argumentierte SFL-Präsident Thomas Grimm Ende noch Ende 2010, man können einen Club auch nicht für einen Überfall verantwortlich machen, nur weil der Räuber ein Shirt des Clubs getragen habe. Inzwischen arbeitet der Verband aber an einem bei dem Gästefans von Fanarbeitern und nicht von maskierten Polizisten mit Schlagstöcken empfangen werden. Grimm (l.) mit SFV-Präsident Peter Gillieron an der Nacht des Fussballs im August 2009 in Bern. Sehr unterschiedlich ist das Engagement der Während einige insbesondere in der Prävention aktiv sind, sind andere dem Vernehmen nach nicht an einer Lösung interessiert. FCZ-Präsident Ancilo Canepa (l.) und GC-CEO Marcel Meier im Juli 2011 in Zürich. Eine eigentliche Funktion zwischen den Fronten nehmen die ein. So ist manchmal von einer anwaltschaftlichen Beziehung zu den Fans die Rede. Während sie das Vertrauen der Fans brauchen und oft finanziell vom Club abhängig sind, brauchen sie einen guten Draht zu den Sicherheitskräften und den SBB. Urs Frieden (vorne links), Vorstandsmitglied der Fanarbeit Bern, am FCB-Umzug durch die Berner Innenstadt im Juli 2011. Der wohl wichtigste Akteur beim Thema Hooligans sind schliesslich die die meist in Gruppierungen organisiert sind. Obwohl nur eine Minderheit gewaltbereit ist, findet eine Solidarisierung statt. Feuerwehrleute vor YB-Fans in Collombey-Muraz, Oktober 2010. Insbesondere beispielsweise auch die Hooligan-Datenbank des Bundes, sind die Fangruppen geschlossen. Ebenso lehnen sie das Pyro-Verbot in den Stadien ab. Fans des FC Luzern im Mai 2010 in Bern.

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

In der Schweizer Hooligan-Datenbank sind zurzeit 1198 Personen erfasst. Seit Mitte Juli sind 67 Personen neu dazugekommen, 63 wurden gelöscht, wie das Bundesamt für Polizei (Fedpol) am Mittwoch mitteilte. Negativ fallen vor allem Fussball-Anhänger auf.

70 Prozent der Eingetragenen haben einen Bezug zum Fussball, 30 Prozent stammen aus dem Eishockey-Umfeld. Nur gerade neun Frauen sind in der Datenbank Hoogan erfasst. Acht Prozent aller Erfassten sind noch minderjährig; über die Hälfte der Eingetragenen sind zwischen 19 und 24 Jahre alt.

Das Fedpol trägt seit dem Jahr 2007 Personen in das elektronische Informationssystem ein, die sich rund um Sportveranstaltungen im In- und Ausland gewalttätig verhalten haben. Nach fünf Jahren werden die Einträge definitiv gelöscht. Die Anzahl der vermerkten Personen nimmt stetig zu. Im Mai 2010 waren 860 Personen eingetragen gewesen, im Mai 2009 waren es erst 576.

303 Mal Landfriedensbruch

Die beiden häufigsten Tatbestände sind Landfriedensbruch und Verstösse gegen das Sprengstoffgesetz: Wegen Landfriedensbruchs sind derzeit 303 aktive Massnahmen in Hoogan verzeichnet. Verstösse gegen das Sprengstoffgesetz haben zu 236 aktiven Massnahmen geführt.

Ebenfalls oft geahndet wurden Sachbeschädigung (174 aktive Massnahmen) und Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (139 aktive Massnahmen). Wird beispielsweise ein Rayonverbot nach zwei Jahren wieder aufgehoben, bleibt die betroffene Person weitere drei Jahre passiv in der Datenbank vermerkt.

Während der Fussballsaison 2010/2011 wurden 5 Meldeauflagen, 211 Rayonverbote und 153 Stadionverbote in Hoogan erfasst. Die Eishockeysaison 2010/2011 schlug mit 9 Meldeauflagen, 49 Rayonverboten und 30 Stadionverboten zu Buche.

Welche Spiele besonders viele Einträge in die Hooligan-Datenbank zur Folge hatten, wollte das Fedpol nicht sagen. Ebenfalls keine Angaben mehr sind zur Herkunft der Eingetragenen erhältlich. Das Fedpol will künftig alle sechs Monate über die Entwicklung von Hoogan informieren.

(sda)