Riskanter Trend

10. Juni 2015 07:59; Akt: 22.07.2015 13:50 Print

Schweizer lassen sich Narben-Tattoos ritzen

von B. Zanni - Narben als Körperschmuck: Mehrere Tattoo-Studios bieten Cutting an – und finden trotz schmerzhafter Prozedur willige Kunden. Ärzte warnen vor den Risiken.

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Beim sogenannten Body Cutting werden mit dem Skalpell Sujets in die beiden obersten Hautschichten geritzt – etwa geometrische Figuren, Geburtsdaten und Namen. Nach dem Eingriff reizt man die Wunde einige Tage mit einer Zahnbürste und Zitronensäure. Ziel ist eine Wunde, die Narben hinterlässt. Der Körperschmuck wird auch in der Schweiz immer beliebter. In den Tattoo-Studios haben sich in den letzten Jahren Dutzende Kunden ein Motiv in die Haut schnitzen lassen.

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«Pro Jahr machen wir rund 30 Cuttings», sagt Christian Schmalholz, Geschäftsführer von Stechwerk Tattoo und Piercing, das in Zürich und Winterthur ein Studio führt. Tony Fenu, Geschäftsführer eines 2ndSkin Tattoo & Piercing Studios, erhält in der Woche bis zu 15 Anfragen. «Vor allem kleine Dinge wie Röschen und Diamanten an Wade oder Unterarm sind beliebt», sagt Fenu. Danny, Geschäftsführer von Rock the Body in Baden, stellt fest: «2004 war das Cutting in der Tattoo-Szene noch ein Tabu. Jetzt ist es schon fast Mainstream.» Die Nachfrage habe sich in den letzten Jahren verdoppelt.

Heilungsprozess schreckt ab

Beim Berner Piercing- und Tattoostudio El Mundo heisst es, dass die Angestellten noch häufiger zum Skalpell greifen könnten, wären die Kunden «mutiger». «Wenn wir erklären, dass der Heilungsprozess langsamer und schmerzhafter ist als bei einem Tattoo, überlegen es sich einige Kunden anders», sagt Inhaber Mathias Schranz. Oliver Ané vom Basler Ableger fällt auf, dass sich mehr Männer als Frauen cutten lassen. «Das liegt wohl daran, dass Narben bei einem Mann als cooler gelten als bei einer Frau», vermutet er.

Für die Studiobetreiber ist klar, warum sich die Kunden freiwillig unters Messer legen. «Sie wollen sich von anderen abheben», sagt Schranz. Auch die geschockten Reaktionen der Betrachter könnten eine Motivation sein. Andere wiederum fühlten sich durch den Schmerz «lebendiger» und «vom Stress befreit». Oliver Ané glaubt, dass der Reiz in der Unvergänglichkeit liegt. «Heute kann man alles Materielle verlieren und selbst Tattoos entfernen. Eine Ziernarbe kann mir aber niemand mehr wegnehmen», sagt er.

So sieht ein ausgeheiltes Narben-Tattoo aus

(Facebook/Skarifikation Cutting Branding)

Parlamentarier trägt Cutting

Den Körperschmuck tragen vor allem 20- bis 50-Jährige. «Unsere Kunden reichen vom Strassenwischer über den Banker bis hin zum Millionär», sagt Ané. Auch ein Parlamentarier soll ein Cutting tragen. «Die Ziernarben sind vor allem bei Leuten beliebt, die nach aussen einen seriösen Eindruck machen wollen», sagt Schranz. Deshalb würden sie ein Cutting auf der Brust oder dem Rücken knalligen Tattoos an den Armen vorziehen.

Laurence Imhof, Fachärztin Dermatologie an der Dermatologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich, bezeichnet das Cutting als risikoreich. «Wird nicht unter absolut hygienischen Bedingungen gearbeitet, besteht eine grosse Infektionsgefahr», sagt Imhof.

Ausserdem warnt sie vor wulstiger, überschiessender Narbenbildung, die Juckreiz und chronische Schmerzen verursachen kann. Gemäss Imhof kann sich in seltenen Fällen gar ein weisser Hautkrebs entwickeln, wenn eine Narbe ständig irritiert wird. Auch sei möglich, dass durch die Skarifizierung bestimmte Hauterkrankungen wie eine Schuppenflechte ausgelöst werden können.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Elena am 10.06.2015 08:09 Report Diesen Beitrag melden

    Mir fehlen die Worte..

    Wie kann man seinen eigenen Körper absichtlich so zerstören? Dabei weiss man noch nicht einmal, ob die Wunde wie gewünscht verheilt!

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  • Tinimaus am 10.06.2015 08:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt?

    Mir reichen meine eigene Narben, von denen ich nach einem Unfall mit der Hand, leider genügend habe!!!

  • Tramchauffeur am 10.06.2015 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    letzter Schrei

    Ja super. Und der neuste Gäg ist dann ein Trämming ! Fuss vom Tram überfahren lassen. Die formtypische Modellierung ist ein Trämming, der neuste Schrei !

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ursus am 12.06.2015 00:09 Report Diesen Beitrag melden

    Schwangerschaftsstreifen

    Leute, wisst ihr eigentlich, wie super hip Schwangerschaftsstreifen sind? Die sind noch cooler als geritzte Narben! Speziell bei Männern, die sich regelmässig überfressen (wie ich). So geil, jetzt kaufe ich ein bauchfrei-Shirt!

  • Peter P. am 12.06.2015 00:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jedem das seine

    Wie bei den Tatoos, welche ich meistens sehr schön finde. Aber es gibt leider viel zu viele langweilige, belanglose Menschen die glauben durch eine Tätowierung werden sie plötzlich interessant und bewundernswert, wird bei diesem Trend wohl das selbe sein.

  • Der Zweifler am 11.06.2015 21:48 Report Diesen Beitrag melden

    Jedem das Seine...

    Wenn jemand es will, warum soll er es nicht machen aber wer will das haben, wenn es eine Mode geworden ist? Nichts Besonderes mehr, denn "Mode ist die Uniform der Zivilisten", sprich die Uniform der Normalos, der Langweiler, der Mitläufer ohne eigene Meinung!

    • B. Müller am 12.06.2015 00:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Jawohl

      Tragen Sie Jeans, Hemden, T-Shirts, Anzug? Alles ist Mode oder ist es mal gewesen... Sie müssen ihre Kleider selbst machen, nach eigener Phantasie um der Mode zu entkommen.

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  • unicorn am 11.06.2015 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohjee

    Auaa.. Jeden das seine würde ich sagen. Infektionsgefahr besteht ja auch bei Pircings und Co.

  • greedoch am 11.06.2015 18:25 Report Diesen Beitrag melden

    einfach mal tolerant sein...

    ich versteh nicht, wie man sich über etwas aufregen kann, was schätzungweise nicht mal 1% der gesellschaft macht. ich sag nur soviel: das geht euch einfach nichts an! übrigens: dieser satz lässt sich so ziemlich auf alles anwenden, was andere tun!