«Gleichschaltung»

13. September 2013 22:20; Akt: 14.09.2013 17:44 Print

Maurer kritisiert Schweizer Medien scharf

In einer Rede reitet der Bundespräsident einen Angriff gegen die Schweizer Medienlandschaft. Die Medien seien gleichgeschaltet und verhinderten den Wettbewerb unter den Ideen.

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Bundespräsident Ueli Maurer kritisiert am «Kongress des Verbands Schweizer Medien» in Interlaken die Medien scharf. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

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Die Medien in der Schweiz seien inhaltlich gleichgeschaltet und hätten sich zu stark von ihrer wichtigen staatspolitischen Rolle entfernt: Dies sagte Bundespräsident Ueli Maurer am Freitagabend am Kongress des Verbands Schweizer Medien.

Der SVP-Bundesrat war als Gastredner zur Schweizer Mediennacht in Interlaken BE geladen und sparte vor den versammelten Verlegern nicht mit Kritik. Anstatt einen Wettbewerb von Ideen stattfinden zu lassen, herrsche in der Schweizer Medienlandschaft ein «Meinungskartell» und eine «selbstverfügte Gleichschaltung», sagte Maurer.

Es gebe zwar noch eine Vielfalt an Titeln, aber die Meinungsvielfalt fehle, so Maurer. Die Medien verbreiteten vielmehr Glaubensbekenntnisse und legten politisch korrekte Tabuzonen fest, in denen nicht recherchiert werde: «Gute Diskussionen werden nicht gefördert, sondern verhindert.»

Aus Sicht des Bundespräsidenten leisten die Schweizer Medien damit nicht mehr das, was für einen freiheitlichen Staat nötig wäre: einen Marktplatz der Ideen zu bieten, Missstände aufzudecken und der Politik klarzumachen, was die Bürgerinnen und Bürger beschäftige.

Er sei «in echter Sorge», sagte Maurer den Verlegern. Der bundespräsidialen Standpauke war eine Ansprache des Verlegerpräsidenten Hanspeter Lebrument vorangegangen, der ein wesentlich positiveres Bild der Medienleistung gezeichnet hatte.

Verlegerpräsident widerspricht

Politik und Medienwissenschaft redeten die Schweizer Medien zu Unrecht schlecht und schadeten ihnen damit, sagte Lebrument als Präsident des Verbands Schweizer Medien. Die These eines angeblichen Niveauverlusts und eines Demokratiedefizits sei «rundweg falsch».

Im Gegenteil: In den vergangenen Jahrzehnten hätten sich die Medien stark professionalisiert, sagte der Verlegerpräsident. Die Journalistinnen und Journalisten seien heute besser ausgebildet als früher.

Und trotz der grossen Herausforderungen, denen sich die Branche gegenübersehe, hätten es die Verleger geschafft, die Medienvielfalt zu erhalten, lobte Lebrument.

Zum Schlagabtausch zwischen Verlegerpräsident und Bundespräsident kam es im Rahmen des Jahreskongresses des Verbands Schweizer Medien, der am Freitagabend mit einem geselligen Anlass endete.

Unter dem Titel «Umbruch und Aufbruch» hatte die Branche zuvor zwei Tage lang mit Referaten und Inputs über tragfähige Geschäftsmodelle für die Zukunft diskutiert.

(sda)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Und einmal mehr spricht uns Ueli Maurer aus dem Herzen! Bewundernswert, wenn ein Bundespräsident sich in die Höhle des Löwen wagt und dort auch noch das Maul aufreisst um laut zu brüllen - Danke Ueli Maurer! Die Frage ist nur, ob die Medien so selbstkritisch sind, um aus diesen wahren Worten das nötige herauszunehmen und die Lehren daraus ziehen, damit wir wieder eine ehrliche Medienlandschaft erhalten! – Markus Meier

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roland Kämpe am 14.09.2013 01:16 Report Diesen Beitrag melden

    Volltreffer

    Er hat doch recht, der Maurer. Die Journalisten können noch so gut ausgebildet sein, wenn sie alle ins gleiche Horn blasen nützt das der Meinungsvielfalt nichts. Und nehmen wir bspw. die Kommentarfunktion hier auf 20min. Man kann seinen Senf zu Themen geben, WENN das Thema überhaupt zur Debatte freigegeben wurde und WENN der Kommentar von der 20min-Zensurabteilung gebilligt wird. So oder ähnlich ist es auch auf den meisten anderen Medien-Plattformen. Diskussionen? Ideenaustausch? Von wegen, man könnte ja einen von der Meinung der Redaktion abweichenden Standpunkt vertreten.

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  • Raouni am 14.09.2013 00:31 Report Diesen Beitrag melden

    Genau

    Herr Maurer hat zu 100% recht, sämtliche Medien in der Schweiz sind Politisch gesehen Mitte Links.

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  • Kommunikatiönler am 14.09.2013 09:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abschreiberitis

    ...Qualitätsmedien, wo? Wir haben in der ganzen CH mit Journis zu tun, vielleicht 2% davon recherchieren noch selbst und bringen vertiefte Artikel, der Rest schreibt unsere Medienmitteilung ab und schickt die uns dann auch noch stolz zum Gegenlesen... Geschichten aufbauschen und teilweise unzuverlässige Quellen zitieren, das kann jeder! Kenne einige studierte Journalisten, die keinen geraden Satz rausbringen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans Hurni am 15.09.2013 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    neutrale Redaktion/Berichterstattung

    Viele Zeitungen versuchen den Leserschwund allein mit den digitalen Medien zu entschuldigen. Für mich ist eine gute Zeitung in der Berichterstattung, neutral, objektiv, voll auf die Sache fixiert und versucht alle Hintergründe für den Leser offen zu legen. So kann sich dann der LeserIn , ein genaues Bild machen und eine Meinung bilden. Ich habe mein Abo beim St.Galler Tagblatt gekündet, weil vor Abstimmung,die Redaktion eine eigene Abstimmungsempfehlung an ihre Leser herausgibt! Damit ist für mich der neutrale Gedanken weg und die Redaktion voreingenommen!

  • Stefan W. am 15.09.2013 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Abgehobene und selbstherrliche Elite

    Herr Maurer, vielen Dank für Ihre Worte! Ich dachte bereits, wir müssen solche Reden der klaren Worte in diesem Wohlfühlbundesrat bereits an die Wand schreiben. Die Buhrufe und Pfiffe anlässlich Ihrer Rede dokumentieren, dass Ihre Gegnerschaft keine Argumente fand und Sie mit Ihrer Einschätzung völlig richtig lagen.

  • Urs Loretz am 15.09.2013 06:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Medienvielfahlt

    Wo er recht hat, hat er recht. Die Medienrudel haben wir, aber die echte Meinungsvielfahlt fehlt seit langem. That's it !

  • Diana Karisma am 15.09.2013 01:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Bravo Herr Bundespräsident! Selbstkritik gehört nicht zu den Stärken der Medien. Die Vielfalt kommt zu kurz, unbequeme Wahrheiten verkannt und die eigene Politikinteressen gehen vor, anstatt neutral zu berichten. Breite Meinungen des Volkes wird als unintelligent disqualifiziert.

  • Hugo Niemer am 14.09.2013 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Coninx-Clan!

    Bravo! Endlich jemand, der dem Coninx-Clan Paroli bieten kann. Diese Sippe vom Züriberg hat die Schweiz schon viel zu lange unter ihrer Fuchtel. Wir Schweizer sollten eh nur noch tun und lassen was uns diese linksgerichtete Familie zulässt... Wollen wir das wirklich??