Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
30 Jahre GsoA
15. September 2012 21:02; Akt: 15.09.2012 21:02 Print
Von Kühen, Kampfjets und Kompromissen
Die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee feiert ihren 30. Geburtstag. Doch gibt es für die Armeegegner Grund zum Feiern? Eine Standortbestimmung mit GsoA-Mitgründer Jo Lang.

Der ehemalige grüne Nationalrat Jo Lang macht sich schon seit drei Jahrzehnten für die Abschaffung der Armee stark. (Bild: Keystone/Peter Schneider)
Die heilige Kuh, die geschlachtet werden muss – sie dient der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee GsoA seit rund drei Jahrzehnten als Metapher für die Schweizerische Armee. Nun, wie steht es denn heute, am Tag der Geburtstagssause, um das Rindsvieh?
Meilensteine in der GsoA-GeschichteAm 12. September 1982 wurde die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee in Olten von gut 100 Personen aus der Taufe gehoben.
Am 26. November 1989 rückte die GsoA mit einem Paukenschlag ins öffentliche Bewusstsein: Über ein Drittel der Stimmenden stimmte für die Abschaffung der Armee, in den Kantonen Genf und Jura gab es sogar Ja-Mehrheiten.
1990 rief sie zur gemeinsamen Dienstverweigerung auf und ergriff das Referendum gegen das Militärgesetz, das einen Arbeitsdienst mit Gewissensprüfung für Verweigerer vorsah. Sie verlangte einen Verfassungsartikel für einen Zivildienst, der seit 1992 auch besteht.
1992 sammelte die Gruppe innerhalb eines guten Monats genug Unterschriften für ein Referendum gegen den Kauf der neuen Kampfflugzeuge F/A-18. In der Abstimmung vom 6. Juni 1992 schlossen sich dieser Ansicht fast 43 Prozent der Stimmenden an.
Auch das Referendum gegen den erweiterten Auslandeinsatz der Armee scheiterte 2001 mit 49 Prozent Stimmenanteil nur knapp. Dagegen wurde eine erneute Abschaffungsinitiative im Dezember 2001 mit über 80 Prozent Nein-Stimmen deutlich verworfen.
«Die heilige Kuh ist noch nicht geschlachtet, aber wir haben ihr zumindest den Heiligenschein geraubt», bilanziert GsoA-Mitgründer Jo Lang. Grund zum Feiern gebe es deshalb allemal.
Die GsoA denke in kleinen Schritten, erklärt Lang. Sie sei nicht auf das alleinige Ziel fixiert, den Militärapparat anzugreifen. Vielmehr gelte es, «die Köpfe der Menschen vom Militär zu befreien.» Und dies sei ihnen gelungen.
GsoA plötzlich salonfähig
Die heutige Position der GsoA ist gemäss Lang nicht zu vergleichen mit jener in den Anfangsjahren. Jo Lang, der zur Gründergeneration der GsoA gehört, erinnert sich: «In der Gruppe herrschte eine Pionierstimmung und das Bewusstsein ‹Wir brechen ein Tabu›. Kriegsveteranen bedrohten uns, die Behörden verweigerten uns teilweise die Standplätze».
Heute sei die GsoA akzeptierter, vielleicht auch angepasster – an ihren Zielen und Überzeugungen habe sich aber nichts geändert. Der ständige Kampf der Gruppe gilt unter anderem den Kriegsmaterialexporten, denn: «Wenn wir es nicht tun, tut es niemand», ist der ehemalige grüne Nationalrat überzeugt.
Der nächste «grosse, aber machbare» Schritt sei nun die Abschaffung der Wehrpflicht, die die GsoA mit ihrer jüngsten Initiative anstrebt. Erst am Freitag lehnte der Bundesrat das Begehren ab – ohne Gegenvorschlag. Für die Volksabstimmung, die Ende 2013 stattfinden könnte, ist Lang aber dennoch zuversichtlich.
Eines wird im Gespräch mit dem Armeegegner klar: Auch wenn es dieses Mal nicht klappen sollte, lässt die GsoA nicht locker. «Wir machen weiter, auch wenn es noch einmal 30 Jahre dauert, bis die Armee abgeschafft ist.»
(jbu/sda)

Die Printausgabe von 20 Minuten gibts jetzt auch als ePaper.
Die 20 Minuten App Familie
Thank god it's Friday!
DIE Nightlife-Website für Partyverrückte aus aller Welt
















