Klimastrategie

23. Februar 2015 12:01; Akt: 23.02.2015 12:04 Print

Ex-Spitzenbeamter warnt vor Atomausstieg

Eduard Kiener, Ex-Direktor des Bundesamts für Energie, kritisiert die Energiestrategie 2050 des Bundesrates. Er fordert, den Atomausstieg abzubrechen.

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Das Kernkraftwerk Mühleberg an der Aare. (Bild: Keystone)

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Eduard Kiener (76) war während 24 Jahren bis 2001 Chef des Bundesamts für Energie. Er kritisiert die Energiestrategie 2050 in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» scharf. Dabei ist Kiener nicht allein: Zusammen mit 600 Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Industrie fordert er die Politik auf, die Übung abzubrechen.

Kiener unterstützt zwar den Ausbau der erneuerbaren Energien, allerdings nicht mit dem Fördersystem der kostendeckenden Einspeisevergütung. Er sagt: «Die Politiker in der Schweiz nehmen die gravierenden negativen Erfahrungen in Deutschland nicht ernst.» Dort belaste die massive Förderung des Wind- und Fotovoltaikstroms die Stromkonsumenten mit über 20 Milliarden Euro jährlich und stelle zudem den ganzen Strommarkt auf den Kopf.

Vertretbares Risiko

Kiener spricht gar davon, dass die Schweiz eine weitere Nutzung der Kernenergie davor bewahren würde «ethisch bedenklich» zu handeln. Grund: Da in absehbarer Zeit keine Gaskraftwerke gebaut werden könnten, müsste sie den fehlenden Strom importieren, der aus nuklearer oder fossiler Erzeugung stammt. Kiener: «Die Schweiz konsumiert also Strom aus Anlagen, die sie selber nicht will. Und exportiert die Risiken sowie die Klima- und Umweltbelastung.»

Er halte bei der Kernkraft das Risiko auch nach Tschernobyl und Fukushima für vertretbar. Für die Zukunft entscheidend sei der Ersatz der fossilen Energien. Die Verbrennung von Öl, Gas und vor allem Kohle würden Klima und Umwelt schädigen.

Bürgerliche Parteien in der Pflicht

Sein Vorschlag: «Wir müssen die erneuerbaren Energien fördern, jedoch mit einer direkten Subventionierung der verschiedenen Technologien.» Erfolge die Förderung weiter ohne Rücksicht auf die Marktkräfte, scheitere die Energiewende, warnt der ehemalige Spitzenbeamte.

Er sehe laut dem «Tages-Anzeiger» die Wirtschaft sowie die bürgerlichen Parteien in der Pflicht, das Referendum gegen die Vorlage zu ergreifen. Die «politische Ehrlichkeit» verlange, das Abstimmungsrisiko in Kauf zu nehmen.

(num)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heck am 23.02.2015 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    endlich

    Wird langsam Zeit, dass sich Widerstand gegen diese unausgegorene Schnapsidee formiert!

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  • s.s am 23.02.2015 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aus und vorbei

    danke das es personen gibt wie die. jeder der 1+1 rechnen kann weiss das es nicht möglich ist. die grünen sollten lieber einmal den ball flach halten.

  • Haimax am 23.02.2015 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich, bin Froh.

    Ich bin auch Froh, sagt einer mal was Sache ist ! Dabei sieht man doch in D wie alles in eine Sackgasse läuft. Mir kommt es so vor, dass unser Bundesrat, wenn die D Regierung von einem Hochhaus springt, er es unbedingt auch will.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • F. Senn am 24.02.2015 23:34 Report Diesen Beitrag melden

    Die Macht der Stromkonzerne

    Youtube: Die Macht der Stromkonzerne. Besonders Minute 26:18 das sagt alles!

  • Kein Grüner, kein Linker am 24.02.2015 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist hier los?

    Also wenn ich die Kommentare so lese, frag ich mich schon, wie uns die Wirtschaftslobbys so einfach knechten kann. Stellt euch die Frage: Verdienen unsere Energiekonzerne noch so gut, wenn wir die Kraftwerke dezentralisieren und jeder auf seinem Dach die eigene Energie erzeugt? Nun verbindet das mit dem Wunsch der Lobby nach neuen Grosskraftwerken. Bingo!

  • Cellius am 24.02.2015 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    Atomaustieg ja aber bitte vernüfntig!

    Das Problem ist wenn unsere Grünen und Linken einen Atomaustieg schnuppern, werden sie blind für alles andere und man missachtet jegliche Probleme welche das mit sich führen kann. Bsp. man will dass alle nur noch mit Elektroautos fahren, woher soll bitte dieser sicherlich nicht zu unterschätzende Mehrstrom denn herkommen? Auf der anderen Seite werden immer wieder Projekte wie bei uns im Dorf (Windanlage getestet) von Grünen boikotiert, sei es wegen Landschaftsbild oder weil Vögel gestört werden könnten. Beim BR sieht man gleich gar keine Aktionen für Alternativestromgewinnung.

    • Kein Grüner, kein Linker am 24.02.2015 14:20 Report Diesen Beitrag melden

      Danke Cellius

      Endlich mal eine vernünftige Ansicht, danke.

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  • Doum am 24.02.2015 13:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Atomstroym ahoi!

    Wir haben jetzt ja alle unsere jodtabletten und wenns dann doch mal ein fallout gibt, gehe ich ein paar Tage in die südtürkei, bis ihr hier aufgeräumt habt.

  • Energiewende JA am 24.02.2015 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    War schon einen Tag noch Fukushima klar

    Ich habe schon am Tag nach Fukushima vorhergesagt, wie es laufen wird: Alle schreien nach abschalten der AKWs, der Bund macht eine unrealistische Energiestrategie 2050 (Einsparungenen ein Drittel!?), aber niemand investiert in die erneuerbaren Energien. Nun heisst es: Strategie gescheitert, wir brauchen ein neues AKW. Die Energiewende wäre durchaus realistisch. Aber dazu muss in erneuerbare Energien investiert werden. Ihr werded beim Abwracken der AKWs schon noch sehen, wie teuer der Atomstrom in Wirklichkeit ist. Die Politik wollte nie eine Abschaltung der AKWs, nur Fahnen im Wind.

    • Phil am 24.02.2015 13:22 Report Diesen Beitrag melden

      Wohin...

      wollen Sie die Energie den wenden? Jeder Beitrag auf dieser Seite benötigt Strom. Jede Suchanfrage bei Google benötigt 0.3 Wattstunden, bei durchschnittlicher Nutzung pro Nutzer und Monat soviel wie eine 60Watt Glühbirne in 3 Stunden benötigt. Sehen Sie sich viele Videos bei Youtube an? Pro Gigabyte Daten liegt der Verbrauch bei 0.2 Kilowattstunden. Elektrofahrzeuge (E-Velos und Autos) und Elektroheizungen (Wärmepumpen) liegen im Trend, letztere sind im Neubaubereich schon Pflicht. Was glauben Sie wo der Strom für diese Technologien herkommen soll? Von einigen Windrädchen und Solarzellen?

    • Energiewende JA am 24.02.2015 13:40 Report Diesen Beitrag melden

      @Phil

      Natürlich möchte ich die Energie NACHHALTIG in die Zukunft wenden. Es ist in Zukunft ein Mix aus verschiedenen erneuerbaren Energien nötig. Wie sollen wir denn Youtubevideos schauen, wenn wir alles Uran verheizt haben? Vielleicht ist Ihnen bekannt, dass alle unsere Energie von der Sonne kommt: Wasser, Wind, Biomasse, ja sogar das Öl und Gas. Einzig wirklich endliche Energie ist und bleibt das Uran. Und was denken Ihre Ururenkel, wenn sie unsere Abfälle in Jahrtausenden noch überwachen müssen (mit Solarstrom oder was es dann noch gibt)?

    • Energiewende JA am 24.02.2015 13:43 Report Diesen Beitrag melden

      @Phil

      Und by the way, Elektroheizungen sind mittlerweile verboten. Und Wärmepumpen mit einem hohen COP machen absolut Sinn. Besser Anergie als Exergie verheizen.

    • Phil am 24.02.2015 15:02 Report Diesen Beitrag melden

      @ Energiewende Ja

      Eine Wärmepumpe ist nichts anderes als eine Elektroheizung und bezieht einen Anteil der Heizenergie entweder aus der Umgebungswärme (Luft) oder der Erdwärme (Erdsonden). Bei einer Luftwärmepumpe ist der Wirkungsgrad entsprechend schlecht, da man ja nicht unbedingt zu Zeiten heizt wo es draussen warm ist, bei den Erdsonden hat man noch keine Anhaltspunkte welche Auswirkungen eine breite Nutzung bzw. Auskühlung des Bodens auf die Vegetation haben könnte. Erdsonden bewirken eine Auskühlung des Bodens und verlieren kontinuierlich an Effektivität.

    • Energiewende JA am 24.02.2015 15:18 Report Diesen Beitrag melden

      @Phil

      Klar braucht die WP auch Strom, aber eine reine Elektroheizung nutzt 100% Exergie, ne gute WP mit COP 5 nur 20%. Wegen dem Auskühlen wird bei neuen Systemen im Sommer wieder Wärme ins Loch runter gespeist. Die erneuerbaren Systeme haben schon eine Zukunft und werden immer innovativer, aber dazu müssen wir ihnen eine Chance geben und nicht einfach neue AKWs hinstellen. Das Uran ist in den nächsten Jahrzehnten, vielleicht Jahrhunderten alle. Die Sonne scheint noch ein paar Milliarden Jahre. Von der Kernkraft haben unsere Nachfahren nur Probleme & Dreck übrig. Nach mir die Sintflut mag ich nicht

    • Phil am 24.02.2015 15:28 Report Diesen Beitrag melden

      @ Energiewende Ja

      Ich möchte noch gerne von Ihnen wissen wer die "Energiewende" bezahlen sollte und wie teuer diese Sache wird. Wenn es wie in Deutschland eine Kostensteigerung beim Strom von über 100% innerhalb von 10 Jahren sind, dürfen Sie die Energiewende gerne mit Ihren Gesinnungsgenossen bezahlen. Bei der "Energiewende" sind die Gebäude der Dreh und Angelpunkt, wollen Sie und Ihre Öko-Fundies der Bevölkerung vorschreiben wie sie Ihre Häuser kaputt zu sanieren haben?

    • Energiewende JA am 24.02.2015 16:37 Report Diesen Beitrag melden

      @Phil

      Vorab ich bin absolut kein Ökofundi und schon gar kein Sozigenosse. Also die Situation in Deutschland ist schwierig, aber mal ganz opportunistisch: den Deutschen haben wir den Preiszerfall bei den Solarzellen zu verdanken. Die Deutschen leiden vor allem an den hohen Einspeisevergütungen pro KWh aus den Anfängen. Auch bei uns ist die KEV mittlerweile nicht mehr so hoch pro KWh. Nun können wir vom Vorreiter Deutschland und den niedrigen Solarpanelpreisen profitieren. Auch die neuen Baustandards machen durchaus Sinn, wieso 200 KWh Wärme pro m2 verheizen, wenn es auch mit 40 schön warm ist?

    • Energiewende JA am 24.02.2015 16:42 Report Diesen Beitrag melden

      @Phil Teil 2

      Aber zu Ihrer Frage: Es ist nicht mehr weit bis zur Netzparität der erneuerbaren Energien. Am Anfang von Technologien war es schon immer so, dass der Staat hineinbuttern musste, denken Sie an all die Forschungskosten für die Kernkraft, was in Lucens verlocht wurde oder was mit dem Rückbau und der Endlagerung noch auf uns zukommt. Wurde das in den billigen Atomstrom eingerechnet und besteht hier eine Kostenwahrheit?

    • T. Jobs am 24.02.2015 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ Energiewende JA

      Elektroheizungen sind eben leider nicht verboten, denn der Bundesrat hatte Angst dies zu tun!

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