Prämienschock

28. September 2017 20:34; Akt: 28.09.2017 20:52 Print

«Die Schmerzgrenze ist überschritten»

Die Politik sucht ein Heilmittel gegen den Prämienschub. Während die CVP auf eine Kostenbremse setzt, will die SP Haushalte stärker entlasten.

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Kaum hatte Innenminister Alain Berset die Prämien fürs nächste Jahr verkündet, rührte die SP die Werbetrommel für ihre geplante Volksinitiative: Sie verlangt, dass kein Haushalt mehr als zehn Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens für die Prämien ausgeben muss – dank mehr Prämienverbilligungen.

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Wer ist schuld an den immer höheren Prämien?

«Die Prämienlast ist für viele Haushalte nicht mehr tragbar», so SP-Vize Barbara Gysi. Zudem will sie den Wettbewerb unter den Kassen eindämmen. «Wettbewerb und Profitstreben führen zu Mengenausweitung und damit zu höheren Kosten.» Auch strebten die Krankenkassen nach immer mehr Macht.

CVP fordert eine Kostenbremse

Für die CVP ist das der falsche Weg: Sie fordert eine Kostenbremse im Gesundheitssystem und arbeitet ebenfalls an einer Initiative. Die Idee: Steigen die Prämien in einem Jahr über ein gewisses Mass, wären Bund und Kantone gezwungen, sofort Massnahmen zur Begrenzung des Wachstums zu ergreifen. «Besonders für mittelständische Familien ist die Schmerzgrenze überschritten», schreibt die Partei.

Viele ihrer Forderungen seien bis heute nicht umgesetzt. Die CVP forderte unter anderem eine einheitliche Spitalfinanzierung sowie eine Lockerung des Territorialprinzips, sodass Krankenkassen auch in der Schweiz verschriebene Leistungen im Ausland vergüten können.

«Unnötige Behandlungen stoppen»

Auch SVP-Nationalrat und Santésuisse-Präsident Heinz Brand will bei den Kosten ansetzen. Eine Bremse bringe aber nichts. «Selbst der Bundesrat sagt, dass es noch Luft im System hat und viele Behandlungen unnötig sind.» So könne man gut und gern 20 Prozent der Kosten einsparen – ohne gross an Qualität zu verlieren.

Brand will auch die Eigenverantwortung stärken. Wahlfranchisen von mehreren tausend Franken würde er befürworten. «Wenn jemand ein grösseres Risiko tragen will, sollte das möglich sein.» Wie die CVP würde auch er eine einheitliche Spitalfinanzierung unterstützen. Diese sei aber immer wieder am Widerstand der Kantone gescheitert.

Verlagerung in den ambulanten Bereich

Das verlangt auch der Ärzteverband FMH: Nicht nur die Bevölkerungsentwicklung und der medizinische Fortschritt seien schuld an den steigenden Prämien, sondern auch das aus seiner Sicht fragwürdige Finanzierungssystem. Da ambulante Behandlungen kostengünstiger sind als stationäre, gelte für die Kantone und den Bund die Devise «ambulant vor stationär».

Doch während Spitalaufenthalte mehrheitlich durch Steuern getragen würden, gingen ambulante Behandlungen in Arztpraxen und Spitalambulatorien vollständig auf Kosten der Prämienzahlenden. Diese Verlagerungspolitik führe unweigerlich zu einem Prämienschub.

(daw)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Heute hat mann frau kind viel mehr artztbedingte wewehchen als früher warum eigentlich ? der mensch ist immer noch gleich ! Da kommt das wort Snowflakes zum zug in den USA und GB gebräuchlich gilt aber auch in Europa. Und nicht vergessen die nicht gerade Kleinen Löhne der Ärzte wenn das so weiter geht werden wir in 10 Jahren min prämien von 500.- und mehr haben – Luisa Mayer

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reff am 28.09.2017 21:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu viel verschleudertes Geld

    Ein allgemeines Werbeverbot + Verbot von Wechselprämien gegenüber sogenannter Vermittlerfirmen...

  • ENU am 28.09.2017 20:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einheitskasse

    Versucht es doch mit der Einheitskasse.....schlimmer kanns nicht werden.....eher besser. Wetten!!!

  • Gallens am 28.09.2017 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    teurer

    Wird immer teurer keiner wird etwas unternehmen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Moenu am 29.09.2017 07:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es muss eine Lösung her!

    Tja ich habe auch kein Rezept für das Chaos der KK! Ich stelle mir nur oft die Frage wie nötig gewisse Behandlungen sind? Z.B eine 75 jährige Frau muss alle 3-6 Monate zum Arzt um die Blutwerte zu kontrollieren und ihr Mann das selbe! Bei jeder 2 Untersuchung Urinabgabe! Bei jeder Untersuchung wird was neues gefunden! Jedes Mal ein neues Tablettchen. Ich bin nicht Arzt weis nicht wie wichtig das für die Vorsorge ist? Bei uns im Geschäft wird neu ein Artztzeugniss vom ersten Tag an verlangt! 60 Leute die in Zukunft wegen Magen-darm oder sonst einer Grippe oder Wehwehchen zum Arzt springt! Meiner Meinung nach arbeiten alle daran die Kosten noch zu steigern!

  • Tamara Gisler am 29.09.2017 07:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Helikopter,Snowflakes = hohe Prämien

    Solange die Helikopter Mentalität vorherrscht gibt es immer mehr Snowflakes Menschen und das kostet uns ein vermögen denn Mückenstich = Notfall usw usw also bezahlen oder was ????

  • Adriana Ritz am 29.09.2017 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur krank!

    Denkt mal an die Leute welche solche Prämin jetzt schon nicht bezahlen können! Diese Leute welche die Medizin unbedingt benötigen ! Es ist nicht normal dass, die Prämien stetig steigen. Besonders Familien mit Kleinkindern oder ältere Menschen brauchen öfters die Hilfe von Fachärtzten welche sehr teuer sein können,somit auch auf eine zahlbare Prämie angewiesen sind!! Es ist ja nicht Sinn und Zweck dass, man fast tot sein muss bis man ernst genommen wird vom Fachpersonal weil man die Prämie evtl. nicht bezahlen kann weil Sie so teuer wird.

  • Attalus2003 am 29.09.2017 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Taten

    Taten statt Worte!!!!

  • Denise am 29.09.2017 06:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unnötige Sponsorings

    Warum gibt es kein Verbot für Werbung für Krankenkassen/Versicherungen und vorallem sinnlose Sponsorings? Ich finde meine Prämie sollte mir bzw. anderen Patienten zu Gute kommen und nicht für ein Eishockeystadion (KKK) oder Veranstaltungen ausgegebeb werden!