Schweizer Arbeitsmarkt

08. November 2017 21:05; Akt: 08.11.2017 21:31 Print

Digitalisierung schafft laut Bundesrat mehr Jobs

Subventionen und Weiterbildungen: Der Bund will Betriebe dabei unterstützen, Mitarbeiter für die neuen Anforderungen am Arbeitsplatz fit zu machen.

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Strukturwandel und Bevölkerungswachstum: Passanten an der Bahnhofstrasse in Zürich. (Symbolbild)

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Der Bundesrat geht davon aus, dass die Digitalisierung in der Schweiz zu höherer Beschäftigung führt. Die Jobs werden aber nicht mehr die gleichen sein. Daher sollen die Bildung stärker auf die digitale Wirtschaft ausgerichtet und der Arbeitsmarkt flexibilisiert werden.

Dazu hat der Bundesrat am Mittwoch mehrere konkrete Massnahmen beschlossen: Künftig wird der Bund Betriebe dabei unterstützen, die Mitarbeitenden für neuen Anforderungen am Arbeitsplatz fit zu halten. Die Unternehmen können ab nächstem Jahr Subventionen beantragen für Weiterbildungen zu Grundkompetenzen, zum Beispiel zur Bedienung von Computern.

Die Digitalisierung macht die Arbeit örtlich, zeitlich und organisatorisch unabhängiger. Mit Crowdsourcing und Crowdworking verschwinden klassische Anstellungsverhältnisse, was sozialversicherungsrechtliche Fragen aufwirft. Die Frage der AHV-Pflicht von Uber-Fahrern zum Beispiel ist derzeit bei den Gerichten hängig.

Mehr Selbständige

Der Bundesrat hat Sozialminister Alain Berset daher beauftragt, zusammen mit dem Wirtschafts-, dem Justiz- und dem Finanzdepartement den Handlungsbedarf zu klären. In einem Bericht zur Auswirkung der Digitalisierung auf Beschäftigung und Arbeitsbedingungen skizziert er zwei Stossrichtungen: Erwerbstätige könnten unter Umständen zwischen Selbständigkeit und Unselbständigkeit wählen. Alternativ könnte eine gemeinsame Erklärung von Unternehmen und Erwerbstätigen den Ausschlag geben.

Im Zusammenhang mit dem Gesundheitsschutz und den Arbeitszeitregeln hat der Bundesrat keine konkreten Schritte beschlossen. Hingegen sollen Datenlücken zu den neuen Arbeitsformen mit einem Zusatzmodul zur Arbeitskräfteerhebung geschlossen werden. Das Staatssekretariat für Wirtschaft und das Bundesamt für Sozialversicherungen haben zudem den Auftrag, die Auswirkungen des digitalen Wandels auf den Arbeitsmarkt zu überwachen.

Der Bundesrat wagt in dem Bericht einen optimistischen Ausblick auf die Entwicklung des Arbeitsmarkts. Als Grundlage dient ihm in erster Linie ein Rückblick: Bisher habe sich der technologische Fortschritt in der Schweiz stets positiv auf den Wohlstand ausgewirkt, schreibt er.

Viele neue Jobs

In den letzten 20 Jahren seien in der Schweiz wegen des Strukturwandels etwa 350'000 Stellen verloren gegangen. Im gleichen Zeitraum wurden aber über 1,2 Millionen neue Stellen geschaffen. In diesem Rhythmus soll es nach Ansicht des Bundesrats in den nächsten Jahrzehnten weitergehen.

Trotz Digitalisierung und Automatisierung rechnet er «eher mit einem normalen strukturellen Wandel als mit einer gesamtwirtschaftlich disruptiven Entwicklung», wie es im Bericht heisst. Kurzfristige negative Auswirkungen schliesst der Bundesrat zwar nicht aus. Längerfristig erwartet er von der Digitalisierung aber einen positiven Beschäftigungseffekt.

Neue Aufgaben

Verändern werden sich die Job-Profile. Das war schon in der Vergangenheit so. Für Führungskräfte, Akademiker, Techniker und Dienstleister gab es besonders viele neue Stellen, während für Bürokräfte und Handwerker weniger Jobs zur Verfügung standen. Verloren gingen vor allem Routineaufgaben, die durch automatisierte Prozesse abgelöst wurden.

Die Digitalisierung hat die Kompetenzanforderungen bereits stark verändert. So gehören Computer oder computergestützte Anwendungen inzwischen zu den meisten Arbeitsplätzen. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Der Bundesrat sieht denn auch bei der Bildung die grösste Herausforderung. Nur wer die vom Arbeitsmarkt nachgefragten Kompetenzen vorweise, werde auch in Zukunft über gute Erwerbschancen verfügen, schreibt er.

Weiter will er die Faktoren erhalten, die seiner Meinung nach bisher für die erfolgreiche Bewältigung des Strukturwandels verantwortlich waren. Dazu gehören stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die Geldpolitik, ein flexibler Arbeitsmarkt, die Sozialpartnerschaft, die Innovationskraft der Unternehmen und das Bildungssystem.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Adriano am 08.11.2017 21:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Witz komm heraus du bist umzingelt

    Das ist wohl ein Witz, nur weil Viel ausgesteuert sind heisst das noch lange nicht das mehr Jobs geschaffen wurden. Die Weiterbildung der Mitarbeitern ist Aufgabe der Firma und nicht der Steuerzahler! Der Bundesrat hat ja keine Ahnung was Digitalisierung überhaupt bedeutet, da wird einfach Sachen nach geschwatzt was andere sagen. BR JSA würde gut daran tun endlich in die Gänge zukommen, er wird von uns bezahlt um seine Arbeit zu machen, doch es scheint als hätte er keine Lust oder ist schlichtweg unfähig. Ich persönlich gehe vom zweiten aus. Doch es ist schöner um die Welt zu reisen in tollen Hotels zu übernachten und das Geld der Steuerzahler zu verschwenden. Es wird Zeit das dass Problem 50+ angegangen wird!

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  • Giovanni Batista am 08.11.2017 21:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Prioritäten

    Der Bund sollte sich lieber Gedanken machen, Betriebe zu unterstützen, welche ü50 einstellen. Oder die Pensionskassenbeiträge zu subventionieren.

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  • Mike Zac am 08.11.2017 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    für wen?

    für EU Bürger und Inder die unsere Informatik Jobs übernehmen? Danke für Statistik aber ich kann sie wenigstens richtig interpretieren nicht wie ihr Baumschüler.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Realist am 12.11.2017 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    DIGITALISIEERUNG-WAHNSINNS-DIKTATUR

    ist das Ende vom Anfang. Digitaler-Daten-Geld-Klau ist das Volk überhaupt nicht geschützt - die Verantwortung wird von den Banken usw. einfach den Karten-Inhaber-Benutzer abgeschoben.

  • Walter Portmann am 10.11.2017 11:08 Report Diesen Beitrag melden

    Für alle etwas machen

    Dir Firmen und der Staat machen viel zu wenig. Jeder Bürger sollte jährlich einen Ausbildungsgutschein erhalten, damit jeder auch Weiterbildung betreiben kann, denn die Firmen bezahlen nicht alles. Wäre besser investiert als Vaterurlaub bei Geburten !!

    • roger am 10.11.2017 14:31 Report Diesen Beitrag melden

      Weiterbildung

      ist eine Investition in DEINE Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt. Die musst DU leisten und wenn Du die richtige wählst, dann profitierst DU davon, dass Du ein attraktiverer Arbeitnehmer ist als dein Mitkonkurrent.

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  • Peter am 10.11.2017 08:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bürokratie

    Digitalisierung bringt mehr Jobs sagt unser Bundesrat im Gegenteil mehr Digitalisierung weniger Mitarbeiter ausser wen man Job beim Bud bekommt die wissen nicht mal wenn sie zu Arbeit kommen was sie machen müssen zuerst wird Zeitung gelesen dann mal ein Kaffee und einen Schwatz und schon Mittagessen nach Mittag kommt der Leiter Abteilung und spricht die Arbeit aus, darum ist der Bund so ein aufgeblähte Bürokratie der eine weis nicht was der ander macht und wenn der Bundesrat sagt es mache uns fiter dann soll er mal fiter sprechen den wenn man ihn anhören muss da schlafen ja alle ein.

  • dono am 10.11.2017 08:23 Report Diesen Beitrag melden

    EDV-Ausbildung

    Stimmt häufig, das die ausländischen EDV-Leute besser gebildet sind als unsere ABER kann es sein, das unsere Ausbildungen, vorallem, wie heisst es so schön - Erwachsenenbildung - enorm teuer sind. Selber erfahren, normaler 0815 Verdiener - habe kein Geld für ein jahrelanges Nachstudium oder nach der Arbeit - es ist extrem teuer und dazu musst du alles zuhause selber lernen. Ja ja - wenn man will dann geht's! - leider geht's nicht immer....... Erwachsenenbildung ist zu teuer hier in der Schweiz!

  • Thomas K am 09.11.2017 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    Grundeinkommen verpasst

    Naja, das sehe ich anders. Wir sind erst am übergang zur Automatisierung, wenn die richtig anrollt verschwinden 30-50% der Jobs. Aber ja, hab wenig mitleid, wir hatten die Chance auf ein Grundeinkommen, aber unsere Bürger haben auf den Bundesrat gehört und es abgelehnt ;) Selber schuld, schade hald.