Schwarzmeergrundel

27. Dezember 2016 19:18; Akt: 28.12.2016 14:06 Print

Gefährlicher Eindringling bedroht Schweizer Fische

Die Schweizer Fische sind in Gefahr: Die Laich fressende Schwarzmeergrundel breitet sich immer weiter aus. Nun warnt der Kanton Solothurn vor dem Räuber.

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Die Familie der Grundeln () ist mit über 200 Gattungen und mehr als 1500 Arten die artenreichste Gruppe der Meeresfische. Einige Arten haben auch das Brack- und Süsswasser als Lebensraum erobert. Bild: eine Kesslergrundel (). Nach der Eröffnung des Rhein-Main-Donau-Kanals vor rund 20 Jahren wanderten im Schwarzen Meer und im Donau-Mündungsgebiet heimische Grundel-Arten ins Einzugsgebiet des Rheins ein. Bild: Kesslergrundel im Hafen Kleinhüningen. 2011 wurden sie erstmals in Basel festgestellt. Bild: Kesslergrundel. Grundeln können eine Grösse von 18 bis 24 cm erreichen. Bild: Schwarzmaulgrundel. Die unter der Bezeichnung Schwarzmeergrundeln zusammengefassten vier Grundelarten - die Kessler-, die Schwarzmund-, die Fluss- (oder Nackthalsgrundel) sowie die Marmorgrundel - sind äusserst vermehrungsfreudig. Grundeln laichen bis zu viermal im Jahr und können in kurzer Zeit grosse Bestände bilden. Bild: Invasive Muscheln, Fische und Krebse - und ihre Beute. Der anspruchslose Fisch, dem verschmutztes Wasser, niedriger Sauerstoffgehalt und starke Trübung nichts ausmachen, liebt langsam fliessende und stehende Gewässer. Bild: Laichfallen in Basel. Velokörbe, angefüllt mit Steinen, halb verdeckten Blumentöpfen und PVC-Röhren, werden in den Hafen gesenkt. Grundeln sind schlechte Schwimmer. Dennoch überwinden sie in kurzer Zeit grosse Distanzen, da sie über eine Saugscheibe am Bauch verfügen, mit der sie sich an Schiffsrümpfe anheften können. Bereits breiten sich zwei Grundelarten aus dem Schwarzen Meer in beängstigender Zahl im Basler Hochrhein aus. Untersuchungen im Hafen Kleinhüningen ergaben, dass sich die Invasoren innerhalb nur eines Jahres stark vermehrt hatten. Bild: Grundel in Laichfalle Dies bedroht hier ansässige Arten wie die Groppen und heimische Grundelarten, deren Eier massenweise von den gefrässigen Schwarzmeergrundeln vertilgt werden. Bild: Reusen werden mit Hundefutter präpariert. Bild: Die Reusen werden ausgeworfen. Erfolgreiche Jagd - gefangene Grundeln. Gefrässige Grundel.

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Die Schwarzmeergrundel ist seit Jahren ein wachsendes Problem in Schweizer Gewässern. In Basel ist der Kampf gegen den sich rasant ausbreitenden exotischen Fisch bereits verloren. Dort macht er laut SRF mittlerweile über 80 Prozent des Fischbestandes im Rhein aus.

Und die Ausbreitung rheinaufwärts schreitet stetig voran. Im Kanton Aargau ist der Laichräuber ebenfalls angekommen. Weiter als bis zum Kraftwerk Rheinfelden hat es die Schwarzmeergrundel bisher aber noch nicht geschafft.

«Unter allen Umständen verhindern»

Nun verschickt der Kanton Solothurn Hunderte Merkblätter an Fischer und Bootsbesitzer mit dem Aufruf: «Helfen Sie mit, die Verbreitung zu stoppen. Diese könnte verheerende Folgen für die heimische Fischfauna haben und muss unter allen Umständen verhindert werden.»

Der gefährliche Fisch ist anspruchslos, er laicht bis zu viermal im Jahr und kann in kurzer Zeit grosse Bestände bilden. Die Schwarzmeergrundel, der verschmutztes Wasser, niedriger Sauerstoffgehalt und starke Trübung nichts ausmachen, liebt langsam fliessende und stehende Gewässer – und frisst den Laich von heimischen Fischen.

Eier kleben an Booten

Auch der Mensch verschleppt die Schwarzmeergrundel weiter. Ihre Eier kleben oftmals an Booten – wechseln diese ungereinigt das Gewässer, breitet sich der Fisch dort aus. «Grundeln werden zudem in einschlägigen Foren als gute Köderfische angepriesen», schreibt der Kanton Solothurn auf seiner Website. Das Risiko bestehe, dass nach dem Fischen überzählige Grundeln lebend im Gewässer entsorgt würden.

Bootsbesitzer sind angehalten, ihr Boot gründlich mit Hochdruckreiniger abzuspritzen, bevor sie vom Rhein auf ein anderes Gewässer wechseln. Ausserdem müsse man aufmerksam sein: Die Schwarzmeergrundel gleicht auf den ersten Blick der heimischen Groppe. Dieser fehlt aber der Saugnapf am Bauch.

Von Frachtschiffen eingeschleppt

Den Fischern wird geraten, die Schwarzmeergrundel nach dem Fang sofort zu töten, sie niemals lebendig zu hältern und nicht als Köderfisch zu verwenden. Es sei wichtig, dass diese Regeln eingehalten werden, sagt Gabriel van der Veer, Fischbiologe des Kantons Solothurn. «Wenn die Schwarzmeergrundel mal da ist, ist es vorbei.» Dieser Fisch lasse sich nicht bekämpfen.

Nicht nur an der Verschleppung, auch an seiner Ausbreitung ist wohl der Mensch schuld: Man geht davon aus, dass die Grundeln nach der Eröffnung des Rhein-Main-Donau-Kanals im Ballastwasser von Frachtschiffen in die Schweiz eingeschleppt wurden.

Grundeln in der Reuse: Im Mai 2013 berichtete 20 Minuten über die Felduntersuchung einer Forschungsgruppe der Uni Basel.

(tab)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Die Unbekannte am 27.12.2016 19:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Etwas tun

    Interessant! Ich habe och nie von diesem Problem gehört. Ich finde da muss etwas getan werden. Denn es wäre doch schade, wenn wir keine Fische mehr aus der Heimat hätten.

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  • huschmiw am 27.12.2016 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dürfen wir das?

    Hier dürfen wir uns noch schützen. ist aber nur eine Frage der Zeit bis auch das nicht mehr salonfähig ist.

  • Rolando am 27.12.2016 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gesucht, natürliche Feinde

    Hier entwickelt sich eine biologische Katastrophe, wie bei den Silberkarpfen in einigen grossen Flüssen der USA. Ohne natürliche Feinde ist da wohl nichts zu machen. Natürliche Feinde müssten doch dort zu finden sein, wo sie herkommen, denn dort breiten sie sich ja auch nicht unkontrolliert aus.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Schwarzmeernixe am 28.12.2016 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Kulinarische Freuden

    Guten Tag, ich bin eine Schwarzmeer Nixe aus Bulgarien. Dieser Fisch heisst in Bulgarien "Poptsche" und ist bei uns eine Delikatesse! Er schmeckt wunderbar! Besonders die Backen! Er wird nach Müllerinnen Art zubereitet. Es sollte nicht zu kleine Fische verwendet werden. Ich schlage nun vor, um diesen Fisch in den heimischen Gewässern durch bejagen zu dezimieren und ihn als Delikatesse auf dem Markt, in Restaurants und Lebensmitteln Geschäften anzupreisen. Dieser Fisch ist preiswert und könnte manches schmale Budget eine Familie entlasten.

  • Silver Surfer am 28.12.2016 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fischotter

    Ein Grund mehr, den Fischotter bei der Wiederansiedlung zu unterstützen. Der Fischotter würde der Grundel zumindest etwas Einhalt gebieten.

  • Dr.Kern am 28.12.2016 10:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mal so mal so

    Ach kommt schon. Dies ist doch eine Kulturbereicherung für uns alle. Grundeln are Welcome...

    • Marco100 am 28.12.2016 14:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dr.Kern

      Ein problem das MEI nicht löst :-)

    • Dr.Kern am 28.12.2016 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Marco100

      Löst die MEI den sonst eines?

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  • Owl am 28.12.2016 09:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unstoppable

    Sowas ist nicht aufzuhalten. Ausser die haben natürliche Feinde die wir einschleppen können.... aber wer weiss was die dann anrichten werden

    • Don Siluro am 28.12.2016 10:19 Report Diesen Beitrag melden

      Raubfische erledigen das

      Hecht, Zander und Wels werden das Problem beheben. Der Magen dieser Raubfische ist voll von Grundeln. Nur in Gewässern mit zu kleinem Raubfischbestand, wirds schwieriger. Dort müsste man Raubfische besetzen.

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  • peter bob am 28.12.2016 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    Ach was

    Was soll dieser Tierrassismus. Das sind Einzelfälle und man sollte nicht gleich so populistisch reagieren.