Sorgenbarometer

03. Dezember 2015 05:47; Akt: 03.12.2015 05:47 Print

Schweizer sind so stolz auf ihr Land wie nie zuvor

von B. Zanni - Der Nationalstolz in der Schweiz ist laut dem Sorgenbarometer der Credit Suisse stark gewachsen. Experten sehen darin eine Folge europäischer Krisen.

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Satte 94 Prozent der Stimmbürger bezeichnen sich als stolz oder sogar sehr stolz darauf, Schweizer zu sein. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

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Der Patriotismus erlebt bei den Schweizern einen starken Aufschwung. Satte 94 Prozent der Stimmbürger bezeichnen sich als stolz oder sogar sehr stolz darauf, Schweizer zu sein. Das sind fast 20 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Aus der neuen Sorgenbarometer-Umfrage der Credit Suisse geht sogar hervor, dass insbesondere bei politisch links eingestellten Personen der Nationalstolz deutlich angestiegen ist.

Umfrage
Was macht Sie zum stolzen Schweizer?
3 %
17 %
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7 %
4 %
9 %
42 %
17 %
Insgesamt 1161 Teilnehmer

Dazu passt, dass 96 Prozent der Befragten die Neutralität loben. Auch die Bundesverfassung, die Volksrechte, die Unabhängigkeit und der Föderalismus erfüllen sie mit Stolz. Dasselbe gilt für die Uhrenindustrie oder den internationalen Qualitäts-Ruf.

«Das Image der EU hat gelitten»

Experten deuten den patriotischen Aufschwung als Folge der Krisen. «Das Image der EU hat in den letzten Jahren gelitten», sagt Lukas Golder, Politologe beim Meinungsforschungsinstitut GFS Bern. Die Euro-Krise, die Probleme mit dem Schengen-Dublin-System und die Flüchtlingskrise hätten den Schweizern gezeigt, dass vieles ausserhalb ihres Landes schief laufe. «Um sich sicher zu fühlen, zählen sie deshalb umso mehr auf ihre politischen Institutionen.»

Soziologin Katja Rost sieht ebenfalls die Flüchtlingskatastrophe als wichtigen Grund für den gesteigerten Nationalstolz. «Die Schweizer sehen, wie gut es ihnen geht.» Ähnliches sagt Golder: «Die Leute fühlen sich durch die Migration in dem, was die Schweiz einmalig macht, gefährdet.»

Schweiz trotze allen Krisen

Laut den Experten haben ausserdem Terror und Umweltkatastrophen den Nationalstolz beeinflusst. Rost weist darauf hin, dass die Schweizer wegen der Globalisierung direkt mit Negativmeldungen aus dem Ausland konfrontiert werden. «Das führt zu Ängsten und zu einer stärkeren Orientierung nach innen.» Golder stellt fest, dass die Terroranschläge etwa in England oder Frankreich die Schweizer Neutralität als beste Lösung bestätigt.

Im Patriotismus sieht Golder zudem eine Reaktion auf die prophezeiten Krisen. Lange sei man davon ausgegangen, dass die Eurokrise und die Frankenstärke die Schweiz eines Tages brutal treffen werde. «Dem Land ist es aber gelungen, allen Krisen zu trotzen. Das ist für die Bürger vertrauensstiftend.»

Laut Rost ist den Schweizern bewusst, dass sie von vielen Problemen verschont geblieben sind. «Alles, was in Europa schief gelaufen ist, gibt den Schweizern quasi das Recht, sich auf die Schulter zu klopfen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kimberli am 03.12.2015 08:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unsere Eltern und Grosseltern

    Ich bin stolz auf meine Eltern, Grosseltern die hart gearbeitet und viel für unser Land getan haben

  • Fabian am 03.12.2015 08:01 Report Diesen Beitrag melden

    Zufriedenheit

    Ich habe eine Freundin aus Russland und dies hat definitiv meinen Nationalstolz geweckt. Die Schweiz ist ein schöner Flecken, die Standards sind hoch und auch jeder 0815 Lehrabgänger wie ich kann mit 4000Fr Lohn einsteigen. Der Stolz kommt bei mir von der Zufriedenheit.

  • JohnCena am 03.12.2015 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja, aber!

    Stolz auf das schöne Land und Schweizer zu sein, ja! Aber nicht stolz auf unsere möchtegern Politiker!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stolzi am 04.12.2015 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stolz ???

    Stolz auf unser Land ?! Das war ich vielleicht vor 40 Jahren noch. Ich fasse diesen Artikel einfach als Witz des Tages auf.

  • Jan Stucki am 04.12.2015 08:15 Report Diesen Beitrag melden

    keine Zukunft

    Wenn ich mir die jungen Menschen in der Schweiz ansehe, dann ist da nix worauf man stolz sein kann. Kiffen, Handy, Kopfhörer, Alkohol, Kommunikationsprobleme, keine anständige Kleidung, Desinteresse, kein Respekt ! Dank dieser Generation ist die Schweiz bald weg und dann braucht es auch keinen Stolz mehr.

    • Manu am 04.12.2015 08:36 Report Diesen Beitrag melden

      Wo finden Sie die?

      Ich weiss nicht wo Sie sich rumtreiben, aber die Jugendliche die ich kenne sind anständige, junge Menschen.

    • Primrose am 04.12.2015 09:04 Report Diesen Beitrag melden

      Die Jungen sind nicht Schuld

      Schauen Sie sich doch mal die Perspektiven an, die diese jungen Menschen haben! Es wird immer schwieriger, einen Job zu finden, der Arbeitsmarkt ist total übersättigt. Ich an deren Stelle wäre auch frustriert, da habe ich vollstes Verständnis, und was die Kleidung angeht, das ist Geschmackssache. Es ist normal, als Junger gegen den Mainstream zu rebellieren. Kenne keinen Jungen, der in Bluse, Kostüm, Anzug und Blazer rumläuft. Seien Sie ehrlich, Jan. Wir waren doch auch nicht besser und früher hiess es auch über uns: Ohje die heutige Jugend. Trotzdem sind wir was geworden, oder?

    • Jan Stucki am 04.12.2015 10:40 Report Diesen Beitrag melden

      @Primrose : Leider Alltag

      Ja, vielleicht haben sie Recht, vielleicht bin ich ja heute morgen mit dem falschen Bein aufgestanden, als ich dann jedoch den Vorplatz unseres Hauses gesehen habe, war ich schnell in der Realität zurück. Gestern Abend eine handvoll Jugendliche mit Musikgeräten, heute morgen leere Bierdosen, Wodkaflaschen, Graskippen und eine halbe Pizza. Der eine kann besser damit umgehen als der andere, aber Toleranz hat bei mir Grenzen und das gerade dann, wenn der gute Anstand gar nicht im Ansatz zu finden ist.

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  • Werni Argast am 04.12.2015 00:56 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wurde als Schweizer

    geboren und dazu habe nichts beigetragen. Nein, ich bin nicht stolz Schweizer zu sein, aber doch ganz froh darüber...

  • Jangdebang am 03.12.2015 22:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stolz = Missverständnis

    Die Aussage dieser Umfrage kann unmöglich repräsentativ sein. Allein aus umfassenden und gross angelegten Meinungsumfragen sowie entsprechenden Statistiken ergibt sich ein komplett konträres Bild. Nun was mich angeht, ändere ich den früheren Kinohit und später auch in die privaten Wohnstuben mit grossem Erfolg ausgestralten Dialektfilm aus persönlich bedenklich gemachten Erfahrungen "Schweizermacher" um in "SCHWEIZERHASSER"

  • alexa am 03.12.2015 21:50 Report Diesen Beitrag melden

    Auf geht's, mit neuer Regierung .

    So muss es sein. Wir werden uns wieder vermehrt unseren Werten zu wenden.