Blindgänger

17. März 2017 15:11; Akt: 17.03.2017 15:11 Print

Ist Rätsel um Explosion in Zermatt gelöst?

Kurz vor Weihnachten kam es in der Gandegghütte in Zermatt zu einer Explosion. Eine Angestellte verlor drei Finger. Grund war offenbar ein nicht erkennbarer Blindgänger.

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Die Explosion ereignete sich in der Gandegghütte in Zermatt. (Bild: Google Street View)

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Eine 30-jährige deutsche Angestellte habe am Morgen des 19. Dezember den Kaminofen in der Gaststube der Gandegghütte in Zermatt befeuert. Später sei die Frau erneut zum Holzofen gegangen, um nach dem Feuer zu sehen. Dabei habe sie ein angelehntes Holzstück am Sichtfenster der Kamintür bemerkt.

Dieses brennende Holzstück habe sie mit einem Metallstück weiter in den Ofen schieben wollen. Kurz nach dem Kontakt mit dem glühenden Holzstück detonierte der Metallzylinder in der rechten Hand der Frau, wie die Polizei Zermatt gestern mitteilte. Sie wurde schwer verletzt mit einem Helikopter der Air Zermatt ins Universitätsspital nach Lausanne geflogen. Sie verlor drei Finger der rechten Hand.

Explosion eines brisanten Sprengstoffs

Bei der Spurensicherung durch Spezialisten des Forensischen Instituts Zürich und der Kantonspolizei Wallis seien unter anderem Schmauchspuren und Metallsplitter sichergestellt worden. In den Schmauchspuren sei Nitroglycerin und Spuren von Pikrinsäure nachgewiesen worden. Zusätzlich sei eine ungewöhnliche Bleikonzentration festgestellt worden. Die Form der Splitter deutet laut der Polizei auf eine «Explosion eines brisanten Sprengstoffes» hin.

Beim detonierten Objekt handle es sich um einen rostigen Metallzylinder. Das Stück Metall sei einige Tage vorher von der Betriebsangestellten im Erdgeschoss der Gandegghütte gefunden worden. Es seien weder Beschriftungen noch Gravuren an den sichergestellten Überresten des Zylinders ersichtlich gewesen. Das Metallstück habe an einem Ende eine Kerbung aufgewiesen.

Alter militärischer Munitionsbestandteil?

«Das Stück hat überhaupt nicht ausgesehen wie ein gewöhnlicher Blindgänger. Niemand hat darin eine Gefahr erkannt», sagte der Chef der Gandegghütte Richard Lehner zum «Walliser Boten». Offen bleibt die Frage, wie dieser explosive Gegenstand einerseits in die Hütte und andererseits in das Gebiet des Theodulgletschers gekommen ist. «Noch nie habe ich bisher etwas von Blindgängern in diesem Gebiet mitbekommen», sagt Lehner.

Dazu schreibt die Zermatter Polizei, dass bis zum Ersten Weltkrieg im Ausland unter anderem Granaten mit Pikrinsäure als Explosivstoff gefüllt wurden. Beim detonierten Objekt könnte es sich um einen alten militärischen Munitionsbestandteil gehandelt haben.

(jen)