Arme Hipster

10. Januar 2016 09:58; Akt: 10.01.2016 10:14 Print

Das Dilemma der Bartträger

von R. Landolt - Hipsterbart bedeutet «Mainstream», ihn abzuschneiden birgt die Gefahr, «charakterlos» zu wirken. In den nächsten Monaten soll sich die Spreu vom Weizen trennen.

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Erst gerade noch war er ein Muss für jeden Hipster, der ernst genommen werden wollte. Einschlägige Blogger und Fashion-Experten haben ihn nun aber dem Tod geweiht: den Hipster-Bart. Vorreiter der Bärte-Bewegung hätten ihn bereits vor Monaten abrasiert, mittlerweile kämen auch «Zürcher Bürschchen mit freien Knöcheln und Turnrucksäckchen» ins Stutzen, wie Stilexperte Jeroen van Rooijen sagt. Er ist sich sicher: «Der Hipster-Bart hat seinen Zenit erreicht».

Dem «Barbershop Zürich» rennen die Bärtigen nichtsdestotrotz noch immer die Türen ein. Geschäftsführer Eddine Belaid weiss: «Es sind nicht weniger, es sind immer mehr.» Für dieses Jahr plant er den dritten Shop, er muss von vier auf sieben Barbiere aufstocken. «Der Bart ist nicht out. Im Gegenteil, er hat sich erst jetzt festgesetzt. Er ist im Mainstream angekommen. Nicht umsonst waren die Glitzer-Bärte in der Weihnachtszeit auf jedem Instagram-Account zu sehen.»

Angst vor 08/15

Genau weil der Bart aber «Mainstream-Qualität» erreicht hat, wie van Rooijen sagt, befinden sich viele Bartträger jetzt aber offenbar in einem ernsten Dilemma: «So kann man sich mit ihm nicht mehr von der Masse abheben.» In Martina Russis Shop The Barber Paradox in Zürich ist es «bei solchen, die schon lange einen Voll-Rauschebart tragen» tatsächlich «ein Thema, dass nun alle Bart tragen». Die meisten entschlössen sich dann einfach für eine etwas kürzere Variante: «Um ihn ganz wegzumachen, ist es wohl noch etwas zu früh.»

Warum dieser Kompromiss? Die Antwort dürfte van Rooijen haben: «Bartträger müssen sich im Moment die Frage stellen, ob man nicht erst recht daneben liegt, wenn man den Bart gerade jetzt abhaut, wo er wieder out sein soll.» In und out, das sei nämlich generell ein etwas veraltetes Konzept. «Trends sind quasi nicht mehr in. Sie kommen nicht mehr aus der Mode.» Das Repertoire werde einfach erweitert. So sei auch der Bart schlicht eine Möglichkeit, die nun hinzugekommen sei.

Vieles spricht noch immer für den Bart

Auch Russi ist überzeugt, dass der Bart nicht dem Untergang geweiht ist: «Im Arbeitsumfeld von Bankern und Beratern wurde ein gepflegter Bart noch vor einem Jahr kaum akzeptiert». Ausserdem stehe er fast jedem, mache männlich und sei viel praktischer als die tägliche Glattrasur. Sie vergleiche den Bart jeweils mit den Röhrlijeans: «Auch diese wurden immer mal wieder totgesagt. Aber sie haben sich gehalten, weil sie leicht zu kombinieren sind und fast allen Frauen stehen.»

Obwohl der Bart den Zenit erreicht haben soll, glaubt auch van Rooijen nicht, dass er verschwindet: «Viele haben nun gemerkt, dass sie besser, männlicher aussehen.» In nächster Zeit werde sich deshalb zeigen, «bei wem der Bart nur ein Accessoire und bei wem er Teil der Persönlichkeit ist». Allerdings mache ein Bart auch älter. «Das kann den Hipster-Bürschchen momentan noch nicht schaden.» Wenn die vielen jungen Bartträger eines Tages die 30 erreichten, sei Bart-Abhauen aber «wie die erste Massnahme, um wieder jünger zu wirken». Mit ein Grund, warum uns der Bart laut van Rooijen «grosso modo noch fünf Jahre» vergönnt sein wird.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ugly am 09.01.2016 22:28 Report Diesen Beitrag melden

    Lemminge

    Dackelt doch nicht jedem Hype hinterher als wärt ihr Lemminge.

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  • DäCapo am 09.01.2016 22:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beim Barte des Zeus

    Wer den Bart um des Bartes Willen trägt, wird auch weiterhin Bart tragen.

  • Patrick Wyss am 09.01.2016 22:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bart

    Ich trage den Bart weil es mir gefällt. ;-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Leutegibts am 10.01.2016 23:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist mein Popcorn?

    Die Kommentare und Diskussionen hier, sind echt unterhaltsam :-)

    • Volldabei am 10.01.2016 23:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Leutegibts

      Ja stimmt! Besser als der Artikel selber;)

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  • Misses Z. am 10.01.2016 22:24 Report Diesen Beitrag melden

    No go

    Keine Lust auf Filzläuse; nur mal angenommen der Herr verwöhnt eine Frau ihr wisst schon wie, dann hängen da auch ihre Filzläuse und Fäkalbakterien drin. Und damit gibt er dann Begrüssungsküsschen hier und Küsschen da. neeeeeeeee, nicht appetitlich.

  • Stefan am 10.01.2016 21:50 Report Diesen Beitrag melden

    Meister der Trivialität

    Wer in Zeiten des IS einen Bart als modisches Statement trägt, hat auf jeden Fall den Gipfel der Oberflächlichkeit erreicht. Ich gratuliere herzlich zu diesem Erfolg!

  • Brandroid am 10.01.2016 21:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..

    Ok, wir rasieren uns und dafür werdet ihr eure Cellulite los.. Deal?

  • Heidi am 10.01.2016 19:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bart

    Total out und leider ein Symbol für nicht erwünschte Gesinnung. Boys, wenn ihr wer sein wollt, weg damit. Löst schlechte Gefühle aus.

    • young lady am 10.01.2016 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heidi

      Bart ist super und sehr sexy..mein ist bartträger und er sieht SCHARF aus

    • YoungLady2 am 10.01.2016 20:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @young lady

      Bart ist sowas von out, nur Opfer tragen Bart! Unsauber, unhygienisch und abstossend!

    • Zürcher am 10.01.2016 20:47 Report Diesen Beitrag melden

      jedem das seine

      nur weils dir nicht gefällt heisst das nicht das Bärte out sind. Und Bartträger als "Opfer" zu bezeichnen spricht schon sehr für deine Person ;)

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