Kunstprojekt in Zürcher Club

01. November 2017 16:32; Akt: 01.11.2017 16:32 Print

Geschlachtetes Rind wird vor Live-Publikum zerlegt

In Zürich wird am Donnerstag ein Rind zerlegt und zubereitet. Die Kunstaktion soll zeigen, wie ein Tier würdevoll geschlachtet und verarbeitet wird. Tierschützerin Esther Geisser sieht das anders.

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Protestierende Tierschützer und ein Ex-Pfarrer, der sich selbst geisselt – die Säulimetzgete in Sissach BL hat heftige Diskussionen über das Schlachten ausgelöst. Während dem Metzger der Respekt vor dem Tier am Herzen lag, kritisierten die Tierschützer das Töten an sich.

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Immer wieder streiten sich die Akteure über Sinn und Nutzen von Tierschlachtungen. In Zürich wird das Fleischessen nun zum Kunstprojekt. Ein vorab geschlachtetes Rind wird am Donnerstagabend im Kaufleuten nach und nach zerlegt und zubereitet. Interessierte können dann direkt vor Ort das Fleisch essen. Ziel sei es, das ganze Rind komplett zu verarbeiten, sagt Lars Feldmann, CEO von Betty Bossi und verantwortlich für das Kunstprojekt «Boeuf Sous-Vide».

Künstlerin Sandra Knecht erklärt das Projekt:

«Moment der Tötung ist intim»

«Die Schweiz isst viel Fleisch. Wir wollen keine Sensationsgeschichte, sondern ehrlich und nachhaltig darüber reden», sagt Feldmann. «Als Wertschätzung gegenüber dem wertvollen Lebensmittel Fleisch zeigen wir am Anlass bewusst das gesamte Rind und verwerten es konsequent nach der Nose-to-tail-Philosophie.» Es gehe um Ehrlichkeit und Transparenz, das soll künstlerisch umgesetzt werden. «Damit der Eigengeschmack möglichst erhalten bleibt, wird ein Grossteil des Fleisches schonend mit sous-vide gegart.»

Die Künstlerin Sandra Knecht hat das Bild des geschlachteten Rindes kunstvoll arrangiert (siehe Bildstrecke). Den Prozess, den das Tier von der Weide bis zu seiner Verarbeitung im Kaufleuten durchgemacht hat, wurde auf Video festgehalten. Die Tötung selbst wurde jedoch nicht aufgezeichnet. «Das ist ein intimer Moment. Wir haben uns entschieden, diesen nicht zu zeigen», sagt Feldmann.

Für ein zubereitetes Stück des Rindes zahlen Interessierte fünf Franken, der Eintritt ist sonst frei. Auch Kinder dürfen am Anlass teilnehmen. Bis das Rind fertig zerlegt ist, hängt es gekühlt an einem Haken – dort, wo sonst die Diskokugel hängt.

«Im Schlachthaus ist es anders»

Für Esther Geisser, Präsidentin der Tierschutzorganisation Netap, hat das Projekt wenig mit der Würde des Tieres zu tun. «Dass es sich um ein Kunstprojekt handelt, finde ich eher entwürdigend. Es geht hier nicht um Kunst, sondern um das Töten. Man nimmt einem Lebewesen das Leben weg, alles nur für einen kurzen Moment des Genusses.»

Zwar begrüsst es Geisser, wenn überzeugte Fleischesser wissen, woher ihr Steak kommt. «Das sollte man aber nicht mit so einer theatralischen Veranstaltung vermitteln.» Für die Tierschützerin sind öffentliche Metzgeten Augenwischerei. «Die Veranstalter geben sich extra viel Mühe und weisen auf die Würde des Tieres hin. Ich habe selbst schon Schlachttransporter begleitet oder war in Schlachthäusern. Dort ist es ganz anders.» Die Tiere seien gestresst und Fehler beim Bolzenschuss kämen immer wieder vor. «Im Schlachthaus wird oft im Akkord gearbeitet. Die Tiere leiden sehr», sagt Geisser.

Schaufenster für Schlachthäuser

Öffentliche Schauschlachten scheinen für Geisser derzeit einen Boom zu erleben – auch im Ausland, wo etwa Zootiere vor Zuschauern zerlegt werden. Da dies jedoch nicht der Realität entspreche, wünscht sich Geisser andere Massnahmen: «Ich fände es besser, wenn Schlachthäuser Schaufenster bekämen, wo jeder hineinsehen könnte.» Das sei viel transparenter.

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Freddy am 01.11.2017 16:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kunst?!

    Eine Hausmetzgete finde ich eine gute und lehreiche Sache, aber ein zerlegen von Tieren im Namen der Kunst finde ich schon sehr bedenklich...

  • Bruce am 01.11.2017 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deckmantel Kunst

    Das Zerlegen diese Rind als Kunstprojekt laufen zu lassen ist pervers! Dies hat mit herkömmlicher Metzgete nichts zu tun. Dies ist nur eine abartige Selbstdarstellung.

  • Beat von Ins am 01.11.2017 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    völlig überflüssig

    Im Gegensatz zur Schlachtung in Sissach vom letzten Wochenende ist dies ein reiner "Profitanlass". Hier gehts darum, dass sich eine Künstlerin profilieren will, viele Leute "gesehen" werden wollen und schlussendlich wohl der grösste Teil des Fleisches im Abfall landet. Genau so wie man es eben nicht machen soll. Aber das ist hal Zürich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ich weiss nicht was soll es bedeuten, am 01.11.2017 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    dass ich so hin - und hergerissen bin...

    Ob Schwein oder Rind, am Schlachttag ging's weder um Kunst noch Kulinarik, noch spielten 'Schönheit und Mächtigkeit' des Tieres eine Rolle und was eine 'kulinarische Vernissage' sein sollte, hätte niemand verstanden. Der Schlachttag war pure Notwendigkeit, für Grossmutter ein schlimmer, tränenreicher. Sie 'entschuldigte' sich beim Tier, dass es geschlachtet werden müsse und begleitete es zum Störmetzger. Wann immer 1 Kilo Schweinsplätzli - per Aktion für Fr.11 .- und nicht importiert - angeboten und beworben wird, wird einem speiübel.

  • Zufriedene am 01.11.2017 19:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aha, Kunst?

    Was heute alles Kunst ist. Ich kapier diese einfach nicht. Ich glaub ich bin ein Kunstbanause. LOL

  • Anita B. am 01.11.2017 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    no meat

    warum wird denn die schlachtung nicht gezeigt?"intimer" moment?wohl kaum...eher angst das der 'geschnigelten' gesellschaft im kaufleuten der appetit vergehen könnte...

  • D. Iediemitdemherzensieht am 01.11.2017 19:16 Report Diesen Beitrag melden

    Extrem

    Heute geht nur noch extrem, egal in welchem Bereich. Traurig.

  • Cappuccino am 01.11.2017 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...Aufklärung das ist alles...

    Esse schon lange kein Fleisch mehr und die öffentliche Schlachtung dient zur Aufklärung! Jeder der Fleisch isst, soll einmal in seinem Leben ein Rind selber töten und essen. Das Essverhalten würde sich für einige Menschen verändern.

    • Metzger am 01.11.2017 19:11 Report Diesen Beitrag melden

      Schuld sind die andern...

      Haben Sie denn auch schon mal ein Rind getötet?

    • Der SeheR am 01.11.2017 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Metzger

      Warum, ist das erstrebenswert? Für mich sicher nicht.

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