Hürde genommen

26. Juli 2013 20:51; Akt: 26.07.2013 21:23 Print

130'000 Schweizer wollen das Grundeinkommen

von S. Marty - Die Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen hat die nötigen Unterschriften beisammen. Kritiker warnen: Die Idee dahinter macht die Gesellschaft dumm und faul.

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2500 Franken monatlich und dies egal ob mit Job oder ohne – dies will die Initiative «für ein bedingungsloses Grundeinkommen». Im April 2012 haben die Initianten mit der Unterschriftensammlung begonnen, nun haben sie die benötigten 100'000 Unterschriften zusammen – und sogar noch mehr: Aktuellster Stand sind rund 130'000 Unterschriften. Initiant und Ökonom Daniel Straub freut sich über diesen Erfolg: «Am Anfang hat man über uns gelacht und uns für verrückt erklärt, doch wir haben immer an unsere starke Idee geglaubt.» Nun habe man ein Etappenziel erreicht: «Das freut mich sehr», so Straub.

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Das Grundeinkommen soll «der ganzen Bevölkerung ein menschenwürdiges Dasein und die Teilnahme am öffentlichen Leben ermöglichen», heisst es im Initiativtext. Es würde aus rund 2500 Franken pro erwachsener Person im Monat bestehen – für Kinder einen Viertel davon. Verdient also heute jemand 5000 Franken, würde er nach der Initiative 2500 Franken Grundeinkommen und 2500 Franken Lohn bekommen.

«Mit unserer Initiative wollen wir ein Umdenken in der viel zu profitorientierten Arbeitswelt bewirken», erklärt Straub sein Engagement. So könnten Personen künftig eher nach ihren Vorstellungen eine Arbeit suchen – egal wie hoch die Bezahlung ausfallen würde. Wie die Idee allerdings genau finanziert werden soll, ist noch offen – die Kosten werden auf etwa 200 Milliarden Franken jährlich geschätzt. Ein Teil davon soll via Konsumsteuer finanziert, ein anderer Teil bei den Sozialwerken gespart werden.

«Grosser Vorteil für Junge»

Unterstützung erhält die Idee von Syna-Vizepräsident Arno Kerst. «Die Rolle der Arbeitnehmer wird gestärkt, da sie mit weniger ökonomischem Druck eine Arbeitsstelle auswählen könnten», so der Gewerkschafter. Ausserdem wären Arbeitgeber gezwungen, schlecht bezahlte Arbeiten besser zu entlöhnen.

Den grössten Vorteil sieht Kerst allerdings für die Jungen: «Die Initiative ermöglicht beispielsweise einem Studienabgänger viel eher sich mit einer Idee selbstständig zu machen.» Mit dem Grundeinkommen hätten sie laut Kerst eine gewisse Absicherung, eine Art Kredit auf sicher.

Angst vor Hartz-Vier-Gesellschaft

Ganz anders sieht dies FDP-Nationalrat Ruedi Noser. Genau bei den Jungen berge ein Grundeinkommen grosse Gefahren: «Wie soll ich einem 15-Jährigen klar machen, dass eine Ausbildung wichtig ist, wenn er auch ohne Job schon 2500 Franken im Monat bekommt?» fragt sich der Vizepräsident der Wirtschaftskommission im Nationalrat. Für ihn ist die Idee deshalb völlig realitätsfremd: «Sie führt zu einer Verdummung und Verfaulung unserer Gesellschaft», so Noser weiter.

Auch Hansruedi Wandflluh, SVP-Nationalrat und Kommissionskamarad von Noser, befürchtet, dass die Initiative falsche Anreize vermittelt: «Sie verleitet dazu, dass die Leute gar nicht mehr arbeiten wollen.» Besonders Personen mit niedrigem Lohn würden dann einfach zu Hause bleiben: «Jemand der zuvor 3000 Franken verdient hat wird danach nicht für einen Lohn von 500 Franken im Monat schuften», ist Wandfluh überzeugt. So würden wir in eine «Hartz-Vier-Gesellschaft» schlittern, was massive Auswirkungen auf unserer Volkswirtschaft hätte.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Manuela Durand am 28.07.2013 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Illusion

    Anstatt sich die Frage zu stellen, ob die "ANDEREN" noch arbeiten würden, sollte jeder sich fragen, ob er/sie noch arbeiten würde. Und falls wir merken, dass wir trotz eines bedingungslosen Grundeinkommens noch arbeiten wollen würden, dann können wir davon ausgehen, dass der Großteil unserer Gesellschaft so denkt wie wir. Die Vorstellung, dass wir anständig sind und die anderen faul ist eine Illusion von der nur unser Ego profitiert. Wir alle haben das Bedürfnis uns zu verwirklichen und einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen.

  • Tüechlidrugger am 28.07.2013 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    a proposito KMU

    Ich arbeitete (bis vor ca. 6 Jahren) in einer Massivholzschreinerei als Helfer für SFr 3000.- brutto, ernährte damit eine 4-köpfige Familie, soviel zu den Möglichkeiten (wir assen nicht bloss Joghurt, hatten aber kein Automobil was eine menge Geld spart. Auto IST Luxus!). Ich glaube nicht dass ich meine Stelle aufgegeben hätte für 2500.- Grundlohn, da spielen noch andere Faktoren mit als bloss Geld (Schon vergessen? es gibt noch anderes als $). Die Arbeit gefiel mir, ich konnte mich mit der Arbeit identifizieren, ich hatte ein gutes Gefühl Holz aus der Region zu verarbeiten.

  • Kim Jong Un am 28.07.2013 00:30 Report Diesen Beitrag melden

    Rechnen Leute

    Also: im Moment gibts: IV, AHV, Arbeitslosenkassen, Sozialamt.... Und überall geht viel Geld in der Bürokratie verloren. Schon in den 70er hat ein Nat-Oek der HSG ausgerechnet, dass ein BGE den Staat billiger zu stehen käme als das aktuelle System. Wärend einer Hochkonjunktur. Heute käme es wohl viel billiger und die Mindestlohndebatte müsste nicht mehr geführt werden, unterbezahlte Jobs müssten automatisch besser entlöhnt werden, da das Kapital sonst keinen mehr findet der sie macht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kimbrus am 28.07.2013 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Hunderte Sozial Arbeiter am Abgrund !!!

    Mit BGE werden X-Hunderte IV, AHV, Arbeitslosenkassen, und Sozialamt Angestellte Arbeitslos werden. Einsparungen vermutlich einiger Millionen Franken, die man eben für das BGE verwenden könnte,- natürlich auch für die ehemaligen Angestellten. Die Frage ist: "Wie viel kostet unser Sozialsystem jetzt?"

  • Tüechlidrugger am 28.07.2013 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    "Dene wo's guet geit"

    Mani Matter - "Dene wo's guet geit". Mehr braucht eigentlich nicht gesagt zu werden. Ehrlich, würded wir unseren Poeten des 20sten Jhd ernster nehmen, wäre schon viel, sehr viel erreicht. Um einen anderen unserer "Verslibrünzler" zu zitieren: "Nienä isch es so Foifliebrig...". --- Gefallen hat mir "Mittlekaderhobby", schönes Wort ;). Sich wie Trittbrettfahrer überall dranhängen, das ist's was die Wirtschaft nicht nur schwächt sondern tötet, nicht der Sozialstaat. Leider drängen die meisten in solche Positionen (totes Holz) und zu allem übel wird dieses Previleg bis aufs Blut verteidigt.

  • Kimbrus am 28.07.2013 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Für Fr. 500.- schuften?

    H.Wandflluh:"Jemand der zuvor 3000 Franken verdient hat wird danach nicht für einen Lohn von 500 Franken im Monat schuften." Ja würde ich auch nicht mehr! Was für ein Vergleich.

  • Tüechlidrugger am 28.07.2013 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    a proposito KMU

    Ich arbeitete (bis vor ca. 6 Jahren) in einer Massivholzschreinerei als Helfer für SFr 3000.- brutto, ernährte damit eine 4-köpfige Familie, soviel zu den Möglichkeiten (wir assen nicht bloss Joghurt, hatten aber kein Automobil was eine menge Geld spart. Auto IST Luxus!). Ich glaube nicht dass ich meine Stelle aufgegeben hätte für 2500.- Grundlohn, da spielen noch andere Faktoren mit als bloss Geld (Schon vergessen? es gibt noch anderes als $). Die Arbeit gefiel mir, ich konnte mich mit der Arbeit identifizieren, ich hatte ein gutes Gefühl Holz aus der Region zu verarbeiten.

  • Manuela Durand am 28.07.2013 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Illusion

    Anstatt sich die Frage zu stellen, ob die "ANDEREN" noch arbeiten würden, sollte jeder sich fragen, ob er/sie noch arbeiten würde. Und falls wir merken, dass wir trotz eines bedingungslosen Grundeinkommens noch arbeiten wollen würden, dann können wir davon ausgehen, dass der Großteil unserer Gesellschaft so denkt wie wir. Die Vorstellung, dass wir anständig sind und die anderen faul ist eine Illusion von der nur unser Ego profitiert. Wir alle haben das Bedürfnis uns zu verwirklichen und einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen.