«Grob fahrlässig»

14. November 2017 18:55; Akt: 14.11.2017 18:55 Print

Postauto-Chauffeur spielt während Fahrt mit Handy

Anstatt sich voll auf die Strasse zu konzentrieren, griff ein Postauto-Chauffeur während der Fahrt zum Smartphone. Postauto Schweiz leitet ein disziplinarisches Verfahren ein.

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Nicht immer ist der Blick von Buschauffeuren auf die Strasse gerichtet. So auch bei diesem Postauto-Fahrer. (Bild: Leser-Reporter)

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Leserin Larissa Meier rieb sich die Augen, als sie vor einigen Tagen im Postauto sass: Während der Fahrt auf der Linie Bremgarten–Mellingen–Baden bediente der Chauffeur sein Smartphone – und das frühmorgens zur Stosszeit. Immer wieder sei sein Blick dabei von der Strasse abgekommen und auf den Bildschirm gewandert. «Das ist grob fahrlässiges Verhalten und darf bei einem Berufsfahrer keinesfalls toleriert werden», sagt Meier.

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Die Leserin beschwerte sich nach dem Vorfall schriftlich bei der Postauto Schweiz AG – und erhielt nach zehn Tagen eine Antwort. Man habe die Beanstandung umgehend an die entsprechende Betriebsstelle gesendet, schreibt das Unternehmen. Und: «Mit dem betroffenen Fahrer wurde ein Gespräch geführt.» Weitere Angaben dürfe man «aus Gründen des Datenschutzes» nicht machen.

Kündigung im Wiederholungsfall

Gegenüber 20 Minuten wird Postauto deutlicher. Ein Verhalten wie dasjenige des betroffenen Fahrers werde nicht akzeptiert. «Wir überprüfen dies und leiten ein disziplinarisches Verfahren ein», kündigt Sprecher Urs Bloch an. Sicherheit im Fahrdienst habe bei Postauto höchste Priorität.

In der Vergangenheit sei es bei Postauto vereinzelt vorgekommen, dass Chauffeure während des Fahrens telefoniert oder Nachrichten gelesen hätten, sagt Bloch. Bei einem Verdacht müsse das Verschulden des Fahrers aber zweifelsfrei nachgewiesen werden. «Jeder Fahrer und jede Fahrerin hat ein Recht auf ein faires Verfahren. Hat sich der Verdacht erhärtet, kommt es mindestens zu einer Mahnung», so Bloch.

Im Wiederholungsfall bleibt es nicht dabei. «Bei nachweislich fahrlässigem Verhalten oder erneutem Verstoss gegen unsere Vorgaben erfolgt die Kündigung», stellt Bloch klar. In einzelnen Fällen seien solche bereits ausgesprochen worden, weil Chauffeure während der Fahrt das Handy benutzten.

Null Toleranz bei VBZ

Insgesamt komme dies aber «äusserst selten» vor, wie Bloch betont. «Unsere rund 700 Fahrerinnen und Fahrer in der Region Nordschweiz sind bezüglich Sicherheit sensibilisiert und werden regelmässig geschult.»

Dennoch: Ein Einzelfall ist der Postauto-Chauffeur nicht. In den letzten zwölf Monaten haben etwa die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) drei ihrer Chauffeure entlassen, die während der Fahrt ein Smartphone oder Tablet bedient hatten.

Ein Chauffeur der Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland hantierte während der Fahrt mit einem Tablet.

In Basel wurden ebenfalls schon Verfahren gegen Tramchauffeure eingeleitet. Wer mit dem Handy am Steuer erwischt werde, erhalte eine Kündigungsandrohung, heisst es bei den Basler Verkehrsbetrieben.

Ähnlich tönt es auch in Bern. Auch dort hat das Benutzen von Handys oder Tablets während der Fahrt Konsequenzen, aber erst im Wiederholungsfall. Eine Ausnahme bilden besonders schwerwiegende Fälle.


(sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kunis am 14.11.2017 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Zweischneidig . Privatspitzel?

    Ich finde es ja auch nicht gut, aber hätte sie ihn nicht mündlich auf sein Fehlverhalten hinweisen können? So entwickeln wir uns ja zu einem Spitzelvolk!

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  • Jose Gomez am 14.11.2017 19:02 Report Diesen Beitrag melden

    mache kein Foto

    Leider kein Einzelfall. Ich bin aber der Meinung mann muss den Chauffeur direkt ansprechen. So mache ich es ebenfalls. So hat er eine letzte Chance. Hat er es denoch nicht begriffen oder antwortet unfreundlich melde ich es der Leitstelle.

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  • xxlbmw am 14.11.2017 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gugus

    Bei allem respekt, das muss/darf nicht sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Café Racer am 15.11.2017 17:46 Report Diesen Beitrag melden

    Niedrigste Beweggründe

    Ein Volk von Denunzianten, Neidern und Missgünstige, wie beim grossen Nachbarn vor 75 Jahren.

  • Beni am 15.11.2017 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Carchauffeur

    Aus erhöhter Sicht, kann ich durch das Seitenfenster erkennen, wie viele Autofahrer während der Fahrt das Smartphone bedienen. Klar, ein Beruf's Chauffeur muss ein Vorbild sein.

  • Martin am 15.11.2017 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Was für eine Heldin diese Frau Meier doch ist. Anstatt den Fahrer auf sein Verhalten anzusprechen geht sie zuden Chefs und, was gar nicht nachvollziehbar ist, zu den Medien

  • Regan118 am 15.11.2017 16:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt???

    Echt jetzt? Muss jetzt über jeder kleine Fehlleistung im Fahrdienst berichtet werden? Ist das nicht Sache der Arbeitgeber? Sind Leserreporter jetzt Minipolizisten?

    • Yannick am 15.11.2017 16:49 Report Diesen Beitrag melden

      Katastrofe verhindern helfen!!

      Aber halloooo?!! Hey, das sind nicht kleine Felleistungen, gehts eigentlich no? Solche Typen ohne Verantwotungssinn haben bei der Schweizer=Postauto nichts veerlohre, bei solchen ist es gut das mutige Fahrgäste aufmerksam sind und die überführen weil sonst bald eine Katastrofe passiert! Ich habe fertig.

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  • Makatitom am 15.11.2017 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    Und wann

    leitet Postauto CH ein disziplinarisches verfahren ein gegen den "Kader"-Typen, der, kaum hat er angefangen, für sich einen Tesla für 115'000 Chf bestellt? Nicht, dass ich das Verhalten des Chauffeurs gut finde, bei mir als Chef wäre er gleich geflogen