Haustiere

11. Juli 2017 10:08; Akt: 11.07.2017 10:08 Print

Chamäleon statt Büsi – Exoten sind sehr beliebt

von Stefan Ehrbar - Hunde und Katzen reichen vielen nicht mehr. Vermehrt werden exotische Tiere als Haustiere gehalten – die nicht selten in Tierheimen landen.

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Der Leguan ersetzt den Labrador, der Königspython das Kaninchen: Schweizer mögen spezielle Haustiere. «Viele, die Reisen in exotische Länder machen, wollen sich ein Stück lebendige Erinnerung in die eigenen vier Wände holen», sagt Erika Wunderlin vom Veterinärdienst des Kanton Aargau. «Vom Wolf bis zum Krokodil steht alles auf der Wunschliste.» Besorgniserregend sei, dass im Internet mit wenigen Klicks eine Vielzahl von Tieren gekauft werden könne.

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Diese Entwicklung beobachtet auch die Tierschutzorganisation Vier Pfoten. «Leider ist die private Haltung von Wildtieren ein Trend», sagt Länderchefin Julie Stillhart. Tierheime meldeten mehr abgegebene Exoten. Auslöser seien oft Spontankäufe oder der Wunsch nach einem Statussymbol. Aus Tierschutzsicht seien viele Arten völlig ungeeignet. «Im Gegensatz zu domestizierten Arten haben sich Wildtiere nicht über Jahrtausende an die Haltung in menschlicher Obhut angepasst.»

Tiere werden ausgesetzt

Spürbar sei der Trend vor allem bei exotischen Reptilien wie Schildkröten, Bartagamen und Schlangen. Die Ansprüche dieser Tiere seien immens. «Es kommt leider immer wieder vor, dass Halter überfordert sind und die Tiere ins Tierheim bringen oder sogar aussetzen», sagt Stillhart.

Das Problem ist nicht die Rechtslage. «Die Schweiz kennt recht umfangreiche Vorschriften», sagt Martina Schybli vom Schweizer Tierschutz. Viele Wildtierarten benötigten eine Bewilligung der kantonalen Behörden und den Besuch eines Kurses oder eines Praktikums. Kurse müssen mindestens fünf Stunden Theorie beinhalten, die Praktika drei Wochen Mitarbeit bei der Tierbetreuung. Bei einem grossen Anbieter kostet ein Kurs 300 Franken. Sind die Voraussetzungen erfüllt, dürfen etwa Waschbären, viele Reptilien oder Frettchen gehalten werden – aber nicht «Wildtiere mit besonderen Ansprüchen» wie Grosskatzen, Meeresschildkröten oder Krokodile.

Pythons nicht bewilligungspflichtig

«Rechtliche Vorschriften bringen nur etwas, wenn sie bekannt sind und kontrolliert werden», sagt Schybli. Das sei insbesondere bei Reptilien und Kleinsäugern nicht einfach, da Haltungen oft nicht bemerkt würden. Längst nicht alle Arten sind zudem rechtlich geregelt: Kornnattern und Königspythons sind nicht bewilligungspflichtig.

Wie viele exotische Haustiere gehalten werden, ist unklar. Eine nationale Datenbank gibt es nicht. Die Zahlen der Kantone widerspiegeln nur die offiziellen Bewilligungen. Im Aargau sind 500 Wildtierhaltungen registriert. In St. Gallen wurden letztes Jahr 165 private Wildtierhaltungen bewilligt, wobei es sich meist um Erneuerungen handle und kein Trend auszumachen sei, sagt der Amtstierarzt. Im Kanton Zürich wurden letztes Jahr 180 Bewilligungen an Private erteilt oder überwacht.

«Keine Tiere aus Wildfang»

Eine EU-Studie von 2012 belegt, dass sich die Reptilienimporte seit 2000 verdreifacht haben – ein Trend, der auch in der Schweiz spürbar sei, sagt Rommy Los vom Zürcher Tierschutz. Bis zu 90 Prozent der Tiere aus Wildfängen überlebten das erste Jahr in Gefangenschaft nicht. Die Verfügbarkeit sei zu hoch. Wer ein exotisches Tier wolle, solle sich informieren, keine Tiere aus Wildfang kaufen und prüfen, ob man ein gutes Zuhause bieten könne.

«Bei vielen zerschlagen sich die Pläne schnell, weil klar wird, dass man keine artgerechte Haltung bieten kann», sagt Erika Wunderlin vom Veterinäramt des Kantons Aargau. Es gebe aber auch Profis. Sie verstünden viel von ihren Tieren – und widmeten ihrer artgerechten Pflege einen grossen Teil ihrer Freizeit.

Haben Sie ein exotisches Haustier zuhause? Schicken Sie uns Ihre Geschichte!

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ruedi am 11.07.2017 10:14 Report Diesen Beitrag melden

    Anscheinend....

    reicht es nicht mehr, mit coolen Reisefotos auf Facebook zu posen. Denn da kann man sich nicht mehr von der Masse absetzen. Jetzt müssen exotische Haustiere her. Ginge es nach mir, wären die komplett verboten. Die gehören in den Regenwald und nicht in Haushalte....kranke Gesellschaft....

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  • Marlis S. am 11.07.2017 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verbrechen gegen die Tierwelt und egoistische Mens

    Heimische Haustiere ist das, was höchstens in Frage kommt. Alles Andere gehört nicht hierher und ist Raubbau und ein Verbrechen an unserer Tierwelt.

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  • Reptilien und Amphibien etc. am 11.07.2017 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Für tierliebende Allergiker

    manchmal die einzige Möglichkeit, ein Tier zu halten - vor allem zu bedenken in Anbetracht dessen, dass Katzenhaar- (eigentlich Katzenspeichel-)Allergie die häufigste Allergie im Zusammenhang mit Tieren ist. Ungeachtet des gehaltenen Haustiers sollte es aber selbstverständlich sein, das Tier für seine gesamte Lebensdauer zu behalten, und die Haltung artgerecht zu gestalten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Max Meier am 12.07.2017 19:04 Report Diesen Beitrag melden

    Haltung ist wichtig

    Es kommt ganz auf die Haltung dieser Tiere an. Meinen drei bildhübschen Hundertfüsser geht es super.

  • Leser am 12.07.2017 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    "Wachstumsmarkt"

    Die entsprechenden Händler haben in den letzten Jahren riesige Zuchtanlagen gebaut. Denen gehts nur um Profit und genug manipulierbare Konsumenten finden sich dank 24/7 Gehirnwäsche ja mittlerweile überall

  • Roni am 11.07.2017 21:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heuchlerisch.

    Wen ich sehe,wie viele Hunde und Katzen den ganzen Tag eingesperrt sind während die Halter arbeiten erübrigt siech diese Diskussion.

  • Aegidius Snuggles am 11.07.2017 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Einerseits

    gibt es bildungsresistente Halter die alle vorbildlichen Halter in ein schlechtes Licht stellen, andererseits die ewigen Verbieter, denen gesagt sein muss: Kokain, Mord und Telefonieren am Steuer ist auch verboten; hats was gebracht?

  • Marco Wipfli am 11.07.2017 15:54 Report Diesen Beitrag melden

    Gefahr

    Eine Gefahr der Öffentlichkeit geht durch exotische Tiere nicht aus. Alle gefährlichen Tiere für Leib und Leben bedürfen so oder so einer Bewilligung durch das Veterinäramt mit den entsprechenden Kontrollen und Auflagen durch das Amt. Ein Verbot würde die Haltung nur in die illegalität zwingen, was der Sicherheit keinen gefallen tut. Besser kontrolliert, als unkontrolliert. Es ist meines Wissens in der Schweiz auch noch nie eine Drittperson durch ein Exot zu schaden gekommen. Im Gegensatz zu den gesellschaftlich akzeptierten Hundehaltung.

    • Lexie am 11.07.2017 16:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Marco Wipfli

      Wie "akzeptiert" die Hundehaltung heutzutage noch ist, weiss leider jeder Hundehalter..

    • Elfe am 11.07.2017 16:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Marco Wipfli

      Sie sagen, keine Person ist wegen Exoten zu Schaden gekommen. Aber wieviele Exoten sind es wegen Menschen???

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