Kampagne

26. April 2016 13:12; Akt: 26.04.2016 13:59 Print

Wer Rassistisches sucht, muss Asyl-Clips schauen

Die Schweizer Agentur FCB Zürich geht mit einer Kampagne gegen Vorurteile, Online-Hetze und Fremdenhass vor. Die Hilfsmittel dazu: Youtube und Google.

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Zusammen mit der deutschen Organisation «Flüchtlinge Willkommen» hat die Schweizer Agentur FCB Zürich die Kampagne «Search racism. Find truth.» lanciert. Mittels Videos wird gegen Vorurteile, Online-Hetze und Fremdenhass vorgegangen. Die Idee ist simpel: Wer sich fremdenfeindliche Videos auf Youtube ansehen will, muss zuerst an einem Menschen vorbei, den die Hetze betrifft. Insgesamt wurden Spots mit neun Flüchtlingen produziert. Jeder Clip widmet sich einem ganz bestimmten Vorurteil oder Thema, wie Persoenlich.com schreibt.

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Wie würden Sie reagieren, wenn Sie solche Clips auf Youtube vorgesetzt bekämen?
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Insgesamt 2801 Teilnehmer

In dem Hauptclip zur Kampagne heisst es, dass die Flüchtlinge die Vorurteile auf eigene Art und Weise entkräften: Mit Fakten, persönlichen Geschichten, überraschenden Enthüllungen oder sogar mit Humor. «Die Aktion regt zum Nachdenken an, indem sie zeigt, gegen wen sich die Hetze in Wirklichkeit richtet», sagt Dennis Lück von der Werbeagentur FCB Zürich zu 20 Minuten.

«Die Hetze in Deutschland ist ausser Kontrolle»

Vor rund sechs Monaten hatte die Agentur die Idee zu dieser Kampagne. «Wir wollten eine Lösung für ein gesellschaftliches Problem finden und die Möglichkeiten nutzen, die sich uns als Agentur bieten», sagt Lück. Über eine Mitarbeiterin sei dann der Kontakt zur deutschen Organisation «Flüchtlinge Willkommen» entstanden, die direkt dabei gewesen sei.

Laut Lück hat die Agentur bewusst die Umstände in Deutschland für das Video gewählt: «Die Situation dort ist massiver als in der Schweiz. Es verschlägt einem die Sprache, die Hetze ist dort ausser Kontrolle», sagt Lück.

Zwar sei die Kampagne so eine nationale Idee, doch sie habe eine internationale Reaktionsflut ausgelöst. Lück: «Die Idee ist einmal um den ganzen Globus gegangen, verschiedene ausländische Medien haben über uns berichtet.»

«Wir mussten schreckliche Wörter buchen»

Die Rechtsradikalen müssen sich die Flüchtlings-Clips anschauen, weil eine Kombination aus Channel- und Keyword-Targeting sowie Buchungen von «Unskippable Ads» vor selektierten Hetz-Videos das Wegklicken der Clips nicht erlaubt. «Hierfür mussten wir mit Google zusammenarbeiten», sagt Lück. «Für das Keyword-Targeting mussten wir wirklich unappetitliche Dinge heraussuchen und buchen. Alles Wörter, die keine Marke der Welt buchen würde, wie beispielsweise Pegida, AfD oder Flüchtlinge.» Dies seien sogar noch die harmloseren Begriffe auf der Liste.

Für die «Unskippable Ads» mussten alle Clips für Youtube auf 20 Sekunden gekürzt werden. Auch auf Google gelangt man auf die Flüchtlingsclips, sobald man nach ausländerfeindlichen Begriffen sucht.

Hacker versuchten Kampagne zu stoppen

Die Flüchtlingsclips kommen nicht bei allen gut an: «Wir haben bemerkt, dass mehrmals versucht wurde, die Kampagnen-Seite zu hacken», sagt Lück. Auch hätten sich Rechtsradikale in den Kommentaren zu Wort gemeldet.

Da das Echo der Kampagne so gross ist, würden ihm die wenigen Hasskommentare nichts ausmachen: «Ganz im Gegenteil. Ich bin stolz auf unsere Kampagne.» Es sei aber ein anderer Stolz als einer Firma dabei zu helfen, ihr Produkt zu verkaufen. Lück: «Beides ist schön, aber diese Kampagne hat eine andere Relevanz.» Denn zum regulären Tagesgeschäft sei diese Kampagne eine Abwechslung: «Hier verkaufen wir kein Produkt, hier nehmen wir Einfluss auf ein sozialpolitisches Thema, das im Moment Tausende bewegt.»

(qll)