Saufverbot

17. September 2012 16:18; Akt: 18.09.2012 08:54 Print

Alkohol in Zügen ist für SBB «kein Riesenproblem»

von Lukas Mäder - Von einem nächtlichen Alkoholverbot erhoffen sich die SBB wenig. Die problematischen Fahrgäste kämen bereits betrunken in den Zug. Der ÖV-Verband will die Idee trotzdem prüfen.

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Problematische Fahrgäste kommen meist bereits betrunken auf den Zug: Jugendliche in einer Archivaufnahme von 2003. (Bild: Keystone)

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Ein neues Verbot soll die Sauberkeit und das Sicherheitsgefühl im öffentlichen Verkehr steigern. Der CSP-Nationalrat Karl VoglerKarl
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aus Obwalden will in einer Motion verlangen, den Alkoholkonsum in Bussen und Zügen zwischen 21 Uhr abends und 8 Uhr morgens zu verbieten. Wie die «Zentralschweiz am Sonntag» schreibt, sieht Vogler das Verbot analog zum Rauchverbot als einfach durchsetzbar an. Es soll auch für Bahnhöfe und Haltestellen gelten; ausgenommen wären einzig die Speisewagen.

Doch bei den SBB als wichtigste Betreiberin des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz gibt man sich gegenüber dieser Idee zurückhaltend. «Der Alkoholkonsum auf den Zügen ist kein Riesenproblem», sagt SBB-Sprecher Reto Kormann. Zwar gebe es schon länger ein Problem mit betrunkenen Fahrgästen, insbesondere am Samstag und Sonntag in der Früh. «Doch diese Personen betrinken sich nicht bei uns.»

Laut Kormann handelt es sich um Personen, die betrunken vom Ausgang kommen und mit den ersten Zügen um 6 bis 8 Uhr nach Hause fahren. Dabei seien Aggression, Schwarzfahren sowie Verunreinigungen ein Problem, welches die SBB mit mehr Transportpolizei zu bekämpfen versuchen. Auf den betroffenen Linien wie Zürich - Chur, Zürich - Luzern oder Bern - Thun kämen deshalb verstärkt Bahnpolizisten zum Einsatz.

ÖV-Verband wird Idee prüfen

Mehr abgewinnen kann dem Vorschlag der Verband öffentlicher Verkehr (VöV), in dem die Schweizer Transportunternehmen zusammengeschlossen sind. «Ich finde die Idee prüfenswert», sagt Direktor Ueli Stückelberger. Der VöV werde den Vorschlag vertieft prüfen und verbandsintern diskutieren. Es gebe einige Unternehmen, die grosse Probleme mit dem Alkohol hätten. «Mit einem Verbot könnte das Sicherheitsgefühl steigen», erhofft sich Stückelberger. Gleichzeitig würden durch das Verbot die Persönlichkeitsrechte nicht übermässig eingeschränkt.

Tatsächlich haben die SBB positive Erfahrungen mit einem Verkaufsverbot für Alkohol gemacht, das seit April 2008 in den Bahnhofsgeschäften gilt. Es kommt laut Sprecher Kormann zu weniger Gelagen und weniger Aggressionen. Zudem hätten die Verunreinigungen spätabends abgenommen. Gleichzeitig seien die Umsatzrückgänge der betroffenen Läden geringer als erwartet, sagt Kormann. «Und die Kunden haben mehrheitlich positiv reagiert.»

Frage der Durchsetzung

Dass die SBB trotz dieser positiven Entwicklung bei einem Konsumationsverbot skeptisch sind, liegt an der offenen Frage der Durchsetzung. Wie Kormann sagt, darf die Verantwortung dafür nicht bei den Zugbegleitern liegen: «Sie können im Zug nicht Sheriff spielen.» Es stelle sich die Frage, ob die Transportpolizei das Verbot durchsetzen würde - die dafür aufgestockt werden müsste. Keine Sorgen um die Durchsetzung macht sich Stückelberger vom VöV: «Klar gibt es immer ein paar, die sich nicht daran halten.» Aber wenn der Grossteil das Verbot beachte, sei schon einiges erreicht.


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Ausgewählte Leser-Kommentare

sondern das Benehmen der Alktrinkenden. Wenn jemand im Zug sein Feierabendbier geniessen will, soll er. Tut ja niemandem weh. Aber wenn eine Horde Betrunkener rumgröhlt und im Besten Fall dann auch noch einen Berg Abfall hinterlässt, bin ich für ein Alkverbot. Aber Anstand hat halt nicht jeder. – Nala L.

Immer häufiger muss die Masse unter Verboten für eine Minderheit leiden! Wo ist eure Selbstverantwortung geblieben? Ich werde weiterhin mein Bier geniessen wenn mir danach ist. Sollte es jemand stören kann er mich darauf hinweisen.. genau wie bei einem Thunfisch-Sandwich ;) – Verantwortung Selbst

Jetzt kann man dann nichts mehr machen im ÖV. Mir reichts jetzt langsam. Man wird nur noch überall eingeschränkt!! Und dann fragt sich warum die Zahl der Fahrgäste zurück geht!! Ist klar dass alle nur noch das Auto nehmen! – Matthias Reist

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Quer Denker am 17.09.2012 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Querdenken

    ein Bekannter von mir ist mit Alkohol hochgradig gressiv. Ohne Alkohol ist es kein Problem. Aber auch ihm würde das Verbot nichts bringen. A) Wäre es ihm egal und B) Betrinkt er sich halt vorher. Die Jugend würde sich daran gewöhnen und halt früher trinken. Oder früher anreisen und dort trinken. Das würde viellech der sbb helfen, wenn ach nur geringfügig.. Aber dafür haben dann das Problem die anderen Gebiete. Anstatt sich über eine weite Strecke zu betrinken, fixiert man ein Punkt. Der Abfallberg oder die Lärmbelästigung wären zu gross, und es ginge mit neuen Verboten, an neuen Orten weiter.

  • P. Baumann am 18.09.2012 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    Das kann nach hinten losgehen.

    1. Brauchts Personal das dies durchsetzt. Einem Besoffenen den Stoff wegnehmen schafft Blizzagressionen. 2. Werden viele rasch was vor der Abfahrt kippen... die Gefahr der Überdosis steigt: Es könnte mehr Zwischenfälle wegen Alkoholvergiftung im Zug geben.

  • Mike Egger am 17.09.2012 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    Was bringt's?

    Was nutzt es, wenn in den Zügen kein Alkohol mehr getrunken werden darf? Die meisten kommen um diese Zeit vom Ausgang oder gehen dort hin. Diejenigen die auf dem Nachhauseweg sind, haben meist schon einen beschwingenden Alkoholpegel und die kleine Menge die während der Zugfahrt konsumiert wird, macht keinen grossen Unterschied mehr.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Narnia am 23.09.2012 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ant.An Mass

    Bin seit 20 j Asia Traveller,in Thailand ißt jede(r) im Zug!Kei Vergleich!Mmh denke,Überwachung wäre was,irgendwann wird begriffen,0%im Zug,dann wird es selbstverständlich,siehe Singapur!

  • Michael Werner am 18.09.2012 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    noch merh Verbote

    Wenn jemand ein Bier nach Feierabend trinkt, stört das wohl niemanden. Aber ganze Saufgelage schon eher. Allerdings geht es hier wohl nicht ums Trinken im Zug, sondern ums liegen lassen der leeren Hinterlassenschaften, also ums Littering. Wieso wird denn nichts hier unternommen? Wie schaut es mit Essen aus? Wann wird das verboten? Musik hören kann auch noch andere stören, auch schnarchen im Zug.

  • MaBe am 18.09.2012 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Saubere Züge und die SBB Preise

    Warum hat es in Norwegen und Thailand saubere Züge? Essen , trinken usw verboten! Wäre bei uns auch zu empfehlen! Auf So kurzen Strecken wird Niemand verhungern. Und die Zugpassagiere vermissen die verdreckten Züge der SBB nicht und die SBB kann sogar noch die Preise senken weil es dann keine Putzequipen mehr braucht! Und wenn ich grad beim Thema SBB bin: Zutritt in Züge nur mit Billett möglich! Technisch schon lange lösbar und die unglaublich hohen Inkassokosten der Schwarzfahrbussen sinken; schon wieder ein Grund die SBB Preise attraktiver zu gestalten!!

  • SBB am 18.09.2012 10:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SBB

    Danke, Herr Kormann!

  • Dominik Wicki am 18.09.2012 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Alles wird verboten!

    Und bald gilt noch die 0.5°% Regel für den ÖV...usw.

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