Kampagne für Teilzeit

07. November 2012 09:54; Akt: 07.11.2012 10:01 Print

Männer, ab an Herd und Wickeltisch!

von Simon Hehli - Fast jeder Mann würde gerne Teilzeit arbeiten, doch kaum einer kann es sich einrichten. Eine Kampagne soll das nun ändern – und auch gut ausgebildete Mütter zurück in die Berufswelt holen.

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Väter - aber nicht nur sie - sollen mehr Zeit bekommen, ihre Wünsche neben dem Job zu verwirklichen.

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Der Mann bringt das Geld nach Hause, dort kümmert sich die Frau um Kinder und Küche: Dieser konservativen Rollenverteilung können immer weniger Paare etwas abgewinnen. Doch der Wunsch nach mehr Gleichberechtigung in der Beziehung scheitert oft an der Realität in der Jobwelt. Laut einer St. Galler Umfrage wollen 30 Prozent der Männer ihr Pensum um bis zu 10 Prozent reduzieren, 56 Prozent gar um 11 bis 20 Prozent. Sie würden auch eine entsprechende Lohneinbusse in Kauf nehmen. Doch nur jeder achte Mann und jeder zehnte Vater mit Kleinkindern arbeitet Teilzeit.

Umfrage
Sollen mehr Männer Teilzeit arbeiten?
80 %
17 %
3 %
Insgesamt 2195 Teilnehmer

Das soll sich nun ändern. Heute Dienstag startet mit finanzieller Unterstützung des Bundes das Projekt «Teilzeitmann». Es hat zum Ziel, dass bis Ende Jahrzehnt 20 Prozent der Männer ein reduziertes Pensum haben. «Wir wollen Teilzeitarbeit bei Männern zur selbstverständlichen Karriereoption machen», betont Markus Theunert, Präsident der Dachorganisation männer.ch, die bei der Kampagne federführend ist. Projektleiter Jürg Wiler ergänzt: «Ich kenne viele Männer, die sagen, ein 80-Prozent-Job wäre für sie ideal.»

Wie sag ichs dem Chef?

Zentrales Instrument der Teilzeit-Promotoren ist die schon länger bestehende Internetplattform www.teilzeitkarriere.ch: Laut den Betreibern listet sie alle Teilzeitstellen auf, die in der Schweiz online ausgeschrieben sind. Neu hinzu kommen Tipps, wie Männer ihre Chefs von einem Teilzeitpensum überzeugen oder bei Vorstellungsgesprächen dafür eintreten können. Zudem werden sechs Teilzeit arbeitende Männer im nächsten Jahr in Unternehmen von ihren Erfahrungen berichten und für ihr Jobmodell Werbung machen.

Der Fokus der Kampagne richtet sich laut Wiler primär auf die Väter. Aber sie seien nicht die einzigen Männer, denen eine Pensumsreduktion zugute kommen könnte: «Eine solche eröffnet auch Möglichkeiten für Weiterbildungen, die Pflege von Angehörigen oder ein verstärktes Engagement in der Gemeinde oder in einem Verein.»

Den Frauen den Rücken freihalten

Froh über die Teilzeitmänner-Offensive ist Helena Trachsel. Die Zürcher Gleichstellungsbeauftragte hatte sich im Sommer noch öffentlich mit Markus Theunert gezankt und seinen Abgang als Männerbeauftragten provoziert. Doch nun ziehen sie und der männer.ch-Präsident wieder am gleichen Strick. «Ich begrüsse möglichst flexible Arbeitsmodelle, die sich nicht negativ auf die Karriere auswirken – und zwar für Frauen und Männer», sagt Trachsel.

Die Kampagne fällt in eine Zeit, in der selbst prominente Feministinnen ihren Geschlechtsgenossinnen vorwerfen, sie seien selber schuld an stockenden Karrieren – weil sie doch lieber beim Kind bleiben und sich weigern, dem Mann Verantwortung abzutreten. Auch Helena Trachsel kritisiert, dass sich viele gut ausgebildete Frauen sagten: Wieso soll ich im Job Gas geben, ich gründe ja eh bald eine Familie. Die Frauen kehrten zwar nach dem Schwangerschaftsurlaub in die Arbeitswelt zurück, aber nur mit kleinen Pensen. «Unser Ziel muss sein, dass mehr Mütter mindestens 60 Prozent arbeiten», so Trachsel.

Damit das aber möglich ist, brauchen die Frauen Partner, die bereit sind, Verantwortung in der Familie zu übernehmen. Die Initiative müsse von den Männern her kommen, findet Projektleiter Wiler: «So können wir erreichen, dass die Frauen Vertrauen fassen und merken: Er besorgt Erziehung und Haushalt vielleicht anders als ich – aber das ist auch okay so.»

Wenig Begeisterung bei Arbeitgebern

Ruth Derrer Balladore, beim Arbeitgeberverband für den Arbeitsmarkt zuständig, bezweifelt jedoch, dass sich wirklich 20 Prozent der Männer für eine Teilzeitkarriere entscheiden werden. «Der Chef, der ja meistens ein Mann ist, müsste ebenso umdenken wie die Kollegen, die jemanden, der Teilzeit arbeitet, vielleicht als Weichei betrachten.»

Die Arbeitgeber würden nicht gerade Hurra schreien bei der Aussicht, zahlreiche Angestellte mit Teilzeitjobs zu haben, sagt Derer. Reduzierte Pensen führten zu höherem Organisationsaufwand. Je nach Branche und Grösse des Betriebs sei es schwierig, an einem oder zwei Wochentagen auf einen Mitarbeiter zu verzichten: «Der Lohnbuchhalter kann problemlos Teilzeit arbeiten, beim Kranführer sieht das anders aus: Ohne ihn steht die Baustelle still.»

«Grössere Leistungsbereitschaft»

Doch für Derrer gibt es auch positive Aspekte. So würden Teilzeit-Angestellte Behördengänge oder Arztbesuche häufig in ihrer Teilzeit erledigen. Jürg Wiler ergänzt, Arbeitgeber könnten die Attraktivität ihrer Unternehmen für gesuchte Fachkräfte erhöhen, wenn sie flexible Arbeitsmodelle anböten. «Je mehr ein Mitarbeiter Respekt und Wertschätzung des Unternehmens in Form von Teilzeit erfährt – falls er das wünscht -, desto grösser ist seine Leistungsbereitschaft.»


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Ausgewählte Leser-Kommentare

Was soll immer dieses Gegeneinander? Frauen sind Frauen und Männer sind Männer. Die Geschlechter sind nicht gleich und werden es auch nie sein. Militärpflicht für Frauen ist einfach nur lächerlich und Vaterschaftsurlaube, die solange dauern wie Mutterschaftsurlaube sind es ebenso... Man kann und sollte Mann und Frau nicht versuchen gleich zu machen, es geht einfach nicht. – Pete

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Remo am 06.11.2012 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder Frauensache

    Keineswegs, am Wickeltisch mache ich keine Karriere. Zu den Kindern schauen immer noch die Frauen so wie es die Natur vorgibt.

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  • CP85 am 06.11.2012 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Initiative nur...

    Das Problem ist viel mehr, dass wenn ein Mann 100 % und die Frau nach dem S-Urlaub z.B. 60 %, dann kommt mehr Geld rein, als wenn beide 80 % arbeiten, weil die Frau weniger verdient leider. Ich bin auch ein Mann und wir wollen bald eine Familie gründen. Und ich möchte dann auch gerne 80% arbeiten, um einen Tag mehr für Kind zu haben!

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  • Marco U am 07.11.2012 17:28 Report Diesen Beitrag melden

    Anstellungpensum Kontrolle

    Das Problem mit Teilzeit ist doch das jetzt schon viele statt 100% 120-140% leisten (überstunden). Die Meisten Arbeitgeber stellen keine neuen Mitarbeitern ein um die bestehenden zu entlasten, man zahlt nur die Überstunden aus, streicht sie oder lässt sie kompensieren, damit die Anderen noch mehr Arbeit haben... Der Bund müsste die Prozentanstellung strenger kontrollieren, es geht nich das bei einem 100% mit 42h die Woche (laut Arbeitsvertrag) 45-50h gearbarbeitet wird. Bessere Kontrollen, dann müssen die Arbeitgeber mehr Leute einstellen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Georgius aus Chur am 08.11.2012 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    ...und es ist möglich

    Meine Frau und ich haben mittlerweile drei Kinder (2,4,6). Seit circa 4 Jahren mache ich einen Papa-Tag andem ich die Kinder betreue. Meinem Arbeitgeber, auch nach einem Wechsel der Stelle, bereitet dieses keine Probleme. Ich bin ja während meiner Abwesenheit in Notfällen telefonisch erreichbar und kann auch aktive werden (IT-Branche). Insgesamt kann ich sagen, dass dieser exklusive Tag meinen Kinder und mir sehr gut tut und ich noch motivierter am nächsten Tag im Büro erscheine. So profitiert mein Arbeitgeber und meine Kinder, welche Ihren Papa nicht nur am weekend zu Gesicht bekommen.

  • Naima sarah am 08.11.2012 07:49 Report Diesen Beitrag melden

    Persönliche Entscheidung

    Ich finde es ist situations bedingt und jedes ehepaar soll eine best mögliche lösung für die eigene situation treffen können. Ich finds schön wenn ein mann sich liebevoll um die familie kümmert , das ist viel wertvoller als wenn er ein dickes gehalt mit nach hause bringt. Die kinder werden den vater dafür später sehr schätzen. Es hat nichts negatives wenn der man eine kurze zeit zuhausebleibt und sich um seine kinder kümmert im gegenteil.

  • 80% Stellenhalter! am 07.11.2012 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    Warum eine Familie?

    Richtig, lasst uns nach wie vor die Wirschaft über die Gesellschaft stellen. Wieviele Männer sehen die ersten Schritte ihrer Kinder? Auch ein Vater muss diese Erfahrungen mit seinen Kindern teilen können! Sollte sich das ein Vater nicht wünschen wollen, würde ich keine Familie empfehlen und seine Lebenseinstellung überdenken. Wenn solche lebensbewegende Momente über ein Telefonat kundgegeben werden finde ich das eher bitter! Die Frage sollte man mit der "ältesten Generation" diskutieren die ihren fehlern im Bezug auf das Familienleben bewusst geworden sind und was sie alles verpasst haben!

  • Marco U am 07.11.2012 17:28 Report Diesen Beitrag melden

    Anstellungpensum Kontrolle

    Das Problem mit Teilzeit ist doch das jetzt schon viele statt 100% 120-140% leisten (überstunden). Die Meisten Arbeitgeber stellen keine neuen Mitarbeitern ein um die bestehenden zu entlasten, man zahlt nur die Überstunden aus, streicht sie oder lässt sie kompensieren, damit die Anderen noch mehr Arbeit haben... Der Bund müsste die Prozentanstellung strenger kontrollieren, es geht nich das bei einem 100% mit 42h die Woche (laut Arbeitsvertrag) 45-50h gearbarbeitet wird. Bessere Kontrollen, dann müssen die Arbeitgeber mehr Leute einstellen!

  • Tobi am 07.11.2012 15:33 Report Diesen Beitrag melden

    mein gott...

    ...du hast frau und mann mit unterschiedlichen eigenschaften zweckentsprechend erschafft, aber irgendwie schlittert diese welt in eine schiefe bahn !

    • Marco Casutt am 07.11.2012 16:15 Report Diesen Beitrag melden

      @ Tobi

      Wurde nicht viel eher "Gott" von Menschen "zweckentsprechend" geschaffen?

    • baba am 08.11.2012 08:26 Report Diesen Beitrag melden

      Mensch war vor dem einen

      marco genau das habe ich auch gedacht.... früher glaubten wir an die Götter der Natur der "Gott" hat sich erst im Laufe der Zeit entwickelt, als man das Volk erziehen wollte... (mach dies und das nicht sonst landest du in der Hölle)

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