Datenschützer zum WhatsApp-Deal

21. Februar 2014 07:24; Akt: 21.02.2014 09:14 Print

«Facebook versucht, uns zu manipulieren»

von Christoph Bernet - Laut einer Strassenumfrage von 20 Minuten machen sich die Leser wenig Sorgen um ihre Daten wegen des Deals. Der Datenschützer Bruno Baeriswyl hingegen warnt vor ständiger Überwachung.

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Herr Baeriswyl*, die Teilnehmer unserer Strassenumfrage sagen mehrheitlich, die Übernahme von WhatsApp durch Facebook sei ihnen egal (siehe Bildstrecke). Weshalb interessieren sich Herr und Frau Schweizer nicht dafür, was mit ihren Daten passiert?
Bruno Baeriswyl: Das hat zwei Gründe: Einerseits wissen die wenigsten, welche Profile von ihnen erstellt werden und was damit geschieht. Andererseits spüren sie im Alltag noch kaum die Nachteile des exzessiven Datensammelns. Mit den Facebook-Daten erstellen Firmen ein so genanntes Scoring des Users. Auf dieser Grundlage bewerten sie, ob es sich bei einem User um einen guten, entwicklungsfähigen Kunden handelt, entsprechend werden ihm Waren oder Dienstleistungen angeboten. Erhält mein Nachbar ein Angebot, das ich auch gerne hätte, das mir aber vorenthalten wird, werden die Leute merken, was mit den Daten alles gemacht wird.

Was machen Sie als Datenschützer falsch, dass sich die Öffentlichkeit nicht mehr dafür interessiert, was mit ihren Daten passiert?
Die Problematik der Datenschutzes sollte in verschiedenen Bereichen thematisiert werden. Die Datenschützer mit ihren beschränkten Ressourcen können hier nicht die ganze Aufklärungsarbeit leisten. Das Thema muss auch von der Politik und in den Schulen aufgegriffen werden.

Beide Firmen standen in der Vergangenheit wegen mangelnden Datenschutzes und Sicherheitslücken in der Kritik. Was bedeutet die Übernahme für die User?
Die genauen Auswirkungen können erst dann beurteilt werden, wenn man weiss, wie Facebook nach der Übernahme vorgehen will. Ich gehe davon aus, dass Facebook die Technologie und die Daten der beiden Angebote zusammenlegen wird.

Was können Facebook- und WhatsApp-User tun, um ihre Daten zu schützen?
Bei beiden Programmen kann man seine Daten mithilfe von bestimmten Privacy-Einstellungen schützen, damit gewisse Angaben nicht öffentlich zugänglich sind. Wenn es zu einer Fusion der Daten kommt, werden wohl beide Dienste ihre allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) anpassen. Dann bleibt einem nichts anderes übrig, als die Änderungen zu akzeptieren – oder zukünftig auf den Dienst zu verzichten.

Hat Facebook ein in erster Line unternehmerisches Interesse an WhatsApp oder will die Firma einfach an Daten herankommen?
Diese Übernahme hat zwei Aspekte: Einerseits ist Facebook an der Technologie interessiert, andererseits an den Daten. Gerade für Firmen wie Facebook, die ihre Produkte gratis anbieten, sind grosse Datenmengen interessant, um beispielsweise den Werbekunden massgeschneiderte Kundenprofile anbieten zu können. Deshalb gehe ich davon aus, dass es zu einer weiteren Konzentration auf wenige Anbieter kommen wird. Solche riesigen Datensammlungen in den Händen von wenigen Anbietern sind aus datenschützerischer Perspektive problematisch.

Wie nützt Facebook diese Daten?
Mit der Verschmelzung der Telefonnummer-Daten von WhatsApp mit dem Facebook-Account bekommen die Facebook-Profile eine weitere Dimension. Das ist für die Firma interessant, schliesslich ist die mobile Welt eine Wachstumsbranche. So erhält die Firma neue Informationen zum User. Das wird darauf hinauslaufen, dass wir ständig online und somit lokalisierbar sind. Facebook wird dementsprechend versuchen, uns ständig zu überwachen, zu manipulieren und an uns angepasste Werbung zu verkaufen.

Im Rahmen der Enthüllungen zur NSA wurde bekannt, dass der Geheimdienst sowohl auf Daten von Facebook als auch von WhatsApp Zugriff hatte. Macht die Übernahme die Arbeit der Geheimdienste noch leichter?
Für die Geheimdienste wird sich dadurch nicht viel ändern, da sie ja bereits diese Zugriffe haben. Eine grössere Datensammlung erhöht aber das Risiko der Überwachung und des Missbrauchs der Daten auf jeden Fall.

Schweizer Messaging-Dienste wie Threema hoffen, vom WhatsApp-Kauf zu profitieren, weil sie besseren Datenschutz bieten. Müssen User, die um ihre Daten besorgt sind, einfach wie mündige Konsumenten handeln und den Anbieter wechseln?
Es gibt tatsächlich Anbieter, die ähnliche Dienste wie WhatsApp anbieten und mehr Sicherheit bieten, etwa bei der Verschlüsselung von Daten. Dort müssen die User halt mit anderen Einschränkungen leben. Langfristig werden Anbieter, die mehr Sicherheit bieten, auf dem Markt einen gewissen Vorteil haben. Letztlich ist es aber jedem Einzelnen überlassen, ob er sich für mehr Sicherheit oder mehr Bequemlichkeit entscheidet.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • blob am 21.02.2014 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    naive leser

    als ob das loeschen was bringen wuerde. Man muss kein genie sein, um zu wissen, dass der digitaleabdruck trotzdem bleibt. Hab kein facebook, anonyme aslaendische telefonnummern und keinen wirklichen gps chip. Mir kanns egal sein, aber die leute sollten sich schon fragen, mit was whatsapp die ganze zeit so viel geld gescheffelt hat um einen wert von ca 20 mrd zu erreichen. Daten, daten, daten: verkaufen und werben.

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  • Tom Walker am 21.02.2014 09:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plan

    Meine Meinung: Es gibt einen Plan und der wird auch umgesetzt. Dahinter steht weder ein Unternehmen (z.b. Facebook), noch eine Organisation (z.b. NSA), noch eine Regierung (USA). Dies sind nur Strohmänner denen man kurzzeitig die Macht gibt um diesen Plan zu verwirklichen. Erst ganz zum Schluss wird sich der wahre "Auftraggeber" zeigen. "Wenn Ihr eure Augen nicht zum sehen braucht, so werdet Ihr sie zum weinen brauchen"

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  • hans tobler am 21.02.2014 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Der der sich gedanken macht

    Freiheit und Datenschutz mussten in der Vergangenheit erkämpft werden. Die heutige Spassgesellschaft und die naiven Lemminge (wer nichts zu verbergen hat...) werden einmal den Preis für ihre Naivität bezahlen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fabi am 22.02.2014 23:40 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Zeitrechnung!

    Komischerweise kann hat man selbst plötzlich Probleme beim ändern des Profil-Fotos, b.F.nie, n.F. Probleme! Bevor Facebook und nach Facebook, die neue Zeitrechung hat begonnen.

  • Hans Peter am 22.02.2014 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    inter

    kein mensch braucht facebook und whatsapp, dann würde es auch nie diese sinnlosen diskusionen geben.....man kann mit freunden, familien in kontakt sein auch ohne facebook und whatsapp, und das auch Vieel günstiger. Freundliche grüsse

  • Andreas Wolfgang am 22.02.2014 15:22 Report Diesen Beitrag melden

    Was denn jetzt?

    "Erhält mein Nachbar ein Angebot, das ich auch gerne hätte, das mir aber vorenthalten wird, werden die Leute merken, was mit den Daten alles gemacht wird." Dann hat Herr Baeriswyl eindeutig zu wenige Daten hinterlassen und darf sich nicht wundern, dass er mehr bezahlen muss.

  • Andreas Wolfgang am 22.02.2014 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    Persönliche Werbung

    Das grösste Übel scheint also die angepasste Werbung zu sein. Mir ist es aber viel lieber Werbung zu erhalten die mich interessiert, als die Werbeflut die mich heute täglich erreicht und absolut nicht zu meinem "persönlichen Profil" passt. Abgesehen davon sind jedermanns Daten auch im Telefonbuch, bei Google und in den Karten von Cumulus über Supercard bis zur Tankstellenkarte längst in den Händen der Multis. Ob diese Datenvermögen und die daraus resultierende personenbezogene Werbung aber so viel mehr einbringen als die übliche Medienwerbung, bezweifle ich.

  • Commander Data am 22.02.2014 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Cool bleiben.

    Wieso soll sich Facebook für mein oder Dein Leben interessieren? Und wenn doch: Bringt das Probleme? Ich glaube nicht. Und überleg Mal, hast Du nicht schon anderweitig mehr von Dir preisgegeben? Oder geht es Dir nur darum, dass Du FB etwas befehlen willst? Wenn das so ist und Du einem grossen, guten Konzern etwas vorschreiben willst, was eh niemand interessiert, dann werde doch Datenschützer und Deine Ängste zu Deinem Beruf.

    • Ich weiss wer ich bin! am 22.02.2014 16:00 Report Diesen Beitrag melden

      weisst du was du WIRKLICH sagst?

      & noch eine Seele verkauft..

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