ASO-Jubiläum

05. August 2016 20:27; Akt: 05.08.2016 21:17 Print

«E-Voting für Ausland-Schweizer, sofort!»

Die Auslandschweizer-Organisation feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Neben Musik wurden auch politische Forderungen laut.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Mit viel Musik und feierlichen Reden hat sich auf dem Berner Bundesplatz die Fünfte Schweiz gefeiert. Anlass war das 100-jährigen Bestehen der Auslandschweizer-Organisation (ASO). Der Politprominenz, darunter Bundesrat Didier Burkhalter, wurde dabei ins Heft diktiert: E-Voting für alle Auslandschweizer, sofort!

«Im Jubiläumsjahr geht es darum, an den Stellenwert und die zahlenmässige, politische, aber auch kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung unserer Landsleute im Ausland für die Schweiz zu erinnern», sagte ASO-Präsident Remo Gysin laut Mitteilung in seiner Rede.

Die wahren Botschafter

Als die «wahren Botschafter der Schweiz» bezeichnete der Chef der Schweizer Diplomaten, Aussenminister Burkhalter, die Auslandschweizer in seiner Rede. Die Schweiz brauche die Auslandschweizer. «Und wir zählen auf euch!», rief Burkhalter.

Mitgebracht hatte er gleich zwei Geschenke: ein Buch mit einhundert Porträts von Auslandschweizerinnen und -schweizern und für die zahlreichen angereisten Kinder und Jugendlichen aus der Fünften Schweiz einen Aareschwimmsack, in dem die Schwimmer Kleider und Badetuch trocken vom Start zum Ziel bringen können.

«Schaut genau in den Sack hinein», forderte Burkhalter die Beschenkten auf, «es gibt etwas Unsichtbares darin.» Möglicherweise sei es ein Pokémon, scherzte der Aussenminister und fuhr wieder ernster fort: «Aber möglicherweise ist es auch etwas ungleich wertvolleres: die Verbindung zu euren Wurzeln, euer Band zur Schweiz.»

Hürden senken

Im Ausland leben 762'000 Schweizerinnen und Schweizer. Dies bedeutet, jeder Zehnte mit dem Roten Pass oder seine Vorfahren haben die Schweiz verlassen (müssen). Doch mit Nationalrat Tim Guldimann (SP/ZH) sitzt nur ein einziger Auslandschweizer im Parlament in Bern. Und Guldimann ist der Erste, der den Sprung nach Bern geschafft hat.

Ein Grund könnte sein, dass nur ein kleiner Teil der 142'000 in Stimmregistern der Kantone eingetragen Auslandschweizer via Internet (E-Voting) an Wahlen teilnehmen können. Kurz vor den Wahlen im Herbst letzten Jahres war die Anzahl noch einmal dramatisch geschrumpft, weil der Bundesrat im Spätsommer 2015 neun Kantonen, die gemeinsam ein E-Voting-System entwickelt hatten, aus Sicherheitsbedenken dessen Einsatz bei den National- und Ständeratswahlen verbot. 2011 hatten die neun Kantone noch E-Voting angeboten.

Für die Auslandschweizer war dies ein Rückschlag, denn die neun Kantone – Zürich, Aargau, Freiburg, Glarus, Graubünden, St. Gallen, Solothurn, Schaffhausen und Thurgau – gaben darauf das Projekt auf. Damit können vorerst nur stimmberechtigte Auslandschweizer aus Genf, Basel-Stadt, Bern, Luzern und Neuenburg per Internet wählen.

Die ASO fordert von Bund und Kantonen, dass bis zu den nächsten National- und Ständeratswahlen 2019 alle Auslandschweizer per E-Voting teilnehmen können.

Bundesrat gegen Motion

Nationalrat Guldimann hat im vergangenen Dezember eine Motion mit der gleichen Forderung im Nationalrat eingereicht. Diese wurde von 63 Nationalräten fast aller Parteien mitunterzeichnet. Der Bundesrat empfahl die Motion inzwischen zur Ablehnung.

E-Voting war auch am 94. Auslandschweizerkongress Hauptthema, der am Freitag im Nationalratssaal stattfand. Bundeskanzler Walter Turnherr verteidigte dort die Position des Bundesrats: Man habe das E-Voting aus technischer Sicht unterschätzt. Zudem gebe es gute, gleichwertige Alternativen, sagte Turnherr gemäss einem ASO-Communiqué. Ferner «kostet das Projekt und Geld ist Mangelware. Ausserdem gilt die Prämisse Sicherheit vor Tempo», wurde der Bundeskanzler zitiert.

ASO-Direktorin Ariane Rustichelli hielt dagegen, in der halbdirekten Demokratie müssten «alle Bürger die gleichen Rechte und auch die Möglichkeit haben, diese auszuüben». Damit die Auslandschweizer wirklich teilnehmen könnten, benötigten sie einen einfachen Zugang.

(woz/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Das Tier am 05.08.2016 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso überhaupt?

    Wieso soll jemand, der sich entschieden hat nicht mehr hier zu leben, über unser Schicksal mitentscheiden?

    einklappen einklappen
  • Imlandschweizer am 05.08.2016 21:34 Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Leute die nicht in der Schweiz wohnen sollen auch nicht mitbestimmen! Wir hier müssen mit dem abgestimmten Leben!

    einklappen einklappen
  • Auslandschweizer am 05.08.2016 21:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachhilfe bitte ...

    Warum können in einigen Kantonen Auslandschweizer per E-Voting wählen und in anderen Kantonen nicht - entwickelt da jeder Kanton sein eigenes E-Voting System?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ricco am 07.08.2016 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum

    Ein "Auslandschweizer" der nur noch den Schweizerpass hat, weiss doch gar nicht was für unsere Schweiz wichtig ist. Das Stimmrecht sollte ab 2 ter Generation verfallen, da diese Leute zum Teil nicht einmal mehr eine Landessprache sprechen. Volkloreschweizer sind nicht nötig.

    • Dani am 07.08.2016 15:48 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte denken

      Schon mal gehört, dass es "Auslandschweizer" gibt, die nach sehr wenigen Jahren im Ausland wieder und für immer in die Schweiz zurückkommen? Sollen diese denn nicht auch über ihre Zukunft mitentscheiden können??? Sind dies denn keine "echten Schweizer" mehr? Denken ist erlaubt, ausdrücklich

    einklappen einklappen
  • Roger Rüegg am 07.08.2016 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Mitreden .....

    ich finde Auslandschweizer sollten nicht mitreden, sie leben ja in einem andern Land und kennen so unsere Probleme nicht bei Entscheidungen. Sie sollten sich im andern Land integrieren und dort Politisch mitmachen.

  • lolo am 07.08.2016 08:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eine idee,

    wie wäre es eine einkommenssteuer zu verlangen wie die amis! für alle auslandschweizer! da würden etliche ihren roten pass abgeben und die rosinenpikerei würde im nuh aufhören.dann sieht man wer zur heimat hält und steht. mitreden ist i.o ,aber verantwortung zu übernehmen das andere.

  • Josej am 06.08.2016 17:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuer senken

    Für normale bürger steuer senken.Dann bleiben leute in der Heimat.Jeden will nicht in armut grenze leben.Aber wenn das geld nicht genug zum leben ist mann geht wo günstig ist.

    • Heinz am 06.08.2016 22:24 Report Diesen Beitrag melden

      @Josej

      Das sehe ich auch so. Für normal sterbliche Schweizer sind die Steuern hier viel zu hoch, dann noch die Krankenkasse. In Lateinamerika bezahle ich einen Bruchteil. Dann erst noch viel mehr Sonne, Natur pur. Kein Wunder, dass viele Leute auswandern.

    einklappen einklappen
  • Peter Oestet am 06.08.2016 17:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wer zahlt kann befehlen

    wer zahlt, kann befiehlt. wenn auslandschweizer abstimmen, stimmen sie egoistisch für ihre eigenen interessen, ohne dafür steuern zu bezahlen...

    • roger am 06.08.2016 17:55 Report Diesen Beitrag melden

      Ja aber Hallo

      koppeln wir das Stimmrecht nun an Steuern? Dann hätte ich gerne Stimmen pro 1K Steuern...ach ja und Steuern bezahlen übrigens nicht nur die mit dem roten Pass. Die Studenten werden dann stimmrechtsbefreit? Und die Erwerbslosen?

    einklappen einklappen