Gefängnis Pöschwies

25. Juli 2017 11:48; Akt: 25.07.2017 11:48 Print

Häftlinge von umstrittenen Imamen betreut

In einem Zürcher Gefängnis werden muslimische Inhaftierte von Imamen betreut. Einige pflegen Beziehungen zu Salafisten oder zur türkischen Regierung.

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Die Vereinigung der islamischen Organisationen in Zürich (Vioz), beschäftigt in allen Zürcher Gefängnissen Imame als Seelsorger für muslimische Gefangene. Nun schlägt Islam-Expertin Saïda Keller-Messahli Alarm: Einige Imame, die im Gefängnis Pöschwies in Regensdorf tätig sind, pflegten bedenkliche Beziehungen, wie sie gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagt.

Umfrage
Sollten Imame und andere religöse Vertreter in Gefängnissen Seelsorge betreiben?
10 %
36 %
52 %
2 %
Insgesamt 2212 Teilnehmer

Zu den umstrittenen Imamen gehören der Mazedonier Nebi Rexhepi, der im Rahmen der Union albanischer Imame häufig Seminare mit salafistischen Predigern aus dem Balkan organisiert hat. Zwei der Imame, die er in die Schweiz einlud, Shefquet Krasniqi und Mazllam Mazllami, wurden im Kosovo wegen Aufruhr und religiöser Hasspredigt verhaftet.

Kollege von Erdogan-Spitzel

Im Seelsorger-Team von Pöschwies ist auch der türkische Imam Bilal Yildiz. Er gehört zur türkischen Religionsbehörde Diyanet sowie eine ihr nahen Stiftung in der Schweiz, der «Türkisch-Islamischen Stiftung für die Schweiz». Er arbeitete in einer Moschee in Oerlikon mit dem Imam Engin Yilmaz zusammen. Dieser wurde im März als Erdogan-Spitzel enttarnt. Auf Anfrage des «Tages-Anzeigers» sagte Yildiz, er kenne Yilmaz kaum und zudem sei dieser aus der Moschee und der Stiftung ausgetreten.

Ebenfalls auffällig sei Fatih Dursun, ein Landsmann von Yildiz, der von 1989 bis 2014 in Pöschwies tätig war. Er ist heute Zürcher Sektionspräsident der Union Europäisch-Türkischer Demokraten, eine Lobby-Organisation Erdogans. Diese hat sich seit dem Putsch stark radikalisiert.

Anti-Jihadismus-Kurse zurückgezogen

Saïda Keller-Messahli hat Andreas Naegeli, Direktor des Gefängnisses Pöschwies, sowie den Zürcher Chef des Amts für Justizvollzug, Thomas Manhart, schon im April auf die zweifelhaften Imame aufmerksam gemacht. Keller-Messahli möchte, dass die Gefängnisse die Zusammenarbeit mit dem Vioz aufgeben und stattdessen Sozialarbeiter und Psychologen einsetzen.

Als Keller-Messahli wegen der Imame beim Amt für Justizvollzug eine Anfrage stellte, erfuhr sie, dass die Kurse für das Strafvollzugspersonal «Jihadismus – erkennen, verstehen, handeln», die Keller-Messahli mitgeleitet hat, zurückgezogen worden waren. Die Sprecherin des Amtes für Justizvollzug, Jessica Maise, sagte dem «Tages-Anzeiger», Keller-Messahli vermittle in den Kursen eine Haltung, die den Grundprinzipien der Integration und interreligiösen Zusammenarbeit, die die Justizdirektion vertritt, widerspreche. Maise versichert weiter, dass alle aktuellen Imame des Pöschwies bei einer Personensicherheitsüberprüfung durch die Kantonspolizei als unbedenklich eingestuft worden sind.

(laz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Face2Face am 25.07.2017 15:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    DAS GEHT GAR NICHT

    Was zum Teufel haben Imamen in einem Schweizer Gefängnis zu SUCHEN??? Hat man schon gehört, dass die Inhaftierten Deutsch, Schweizer usw. in der Türkei von einem Pfarrer bedreut werden dürfen. Ich denke mal nicht. Als raus mit den Imamen und last die Psychologen deren Arbeit machen.....

  • annie am 25.07.2017 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    echt?

    Frau Keller-Messahli ist die einzige öffentliche Vertreterin eiens Islams welcher in der Schweiz vertretbar ist. Alle anderen Personen, welche den Islam in der Schweiz öffentlich vertreten stehen für einen intoleranten, salafistischen Islam, welcher nicht mit westlichen Werten vereinbar ist

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  • A. Bossi am 25.07.2017 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Freut euch auf die Zukunft

    Die Probleme haben nun erst begonnen. Unsere Nachkommen dürfen sich auf Ihre Zukunft freuen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tony666 am 26.07.2017 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich finde das super...

    Jetzt können Sie im geheimen und erst noch an einem sicheren Ort über alles reden was Sie draußen nicht tun können... "spizelgefahr" "Wände die mithören" usw... Und da es jetzt ja alle wissen und beruhigt sind möchte ich wissen wer entlassen wird?? Der Beamte der die Verantwortung trägt oder ist da gerade keiner zu finden.. Das ist echt der Gipfel!!!

  • patrick h. am 26.07.2017 08:41 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Keller-Messahli

    Es ist so typisch. Kriegt die Keller-Messahli nicht was sie will, rennt sie zu den Medien. Die Justiz sagt klar und deutlich: Was Keller-Messahli rauslässt entspricht nicht unseren Grundprinzipien. Sie verliert den Job, sie verliert den Lohn (Bezahlt aus Steuergeldern) und anstatt das sie sich mal selbst hinterfragt rennt sie zu den Medien. Diese Frau ist für mich völlig unglaubwürdig in diesem Thema. Ich ignoriere alles was von ihr kommt und fühle mich nun, zum ersten mal, bestätigt. Danke an die Zürcher Justiz.

  • Schweizer mit FH am 25.07.2017 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Alaska

    Liebe Schweizer und Schweizerinnen in Alaska ist noch viel Platz und gut ausgebildete im Bereich Naturwissenschaften sind dort willkommen. Ein grosser Teil meiner Familie ist bereits dort. Unser Container ist bereits auf dem Weg. Viel spass wünsche ich euch.

  • Face2Face am 25.07.2017 15:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    DAS GEHT GAR NICHT

    Was zum Teufel haben Imamen in einem Schweizer Gefängnis zu SUCHEN??? Hat man schon gehört, dass die Inhaftierten Deutsch, Schweizer usw. in der Türkei von einem Pfarrer bedreut werden dürfen. Ich denke mal nicht. Als raus mit den Imamen und last die Psychologen deren Arbeit machen.....

  • Kopfschüttler am 25.07.2017 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Parteiloser

    Einfach unglaublich sowas.Die Schweiz ist nicht mehr das, was sie einmal war.Ohne viel Kriminalität,man fühlte sich noch sicher und konnte der Regierung noch vertrauen.Dieses Asylchaos hat das ganze zum überlaufen gebracht.Hätte Blocher noch dieses Departement,wäre einiges besser gelaufen in unserer Schweiz. Nicht einmal die Obergrenze für Fremde hat unsere Regierung fertig gebracht.