Women's March Zürich

16. März 2017 20:49; Akt: 17.03.2017 01:37 Print

Juso-Feministinnen ziehen sich für Frauen-Demo aus

Die Juso will auf den Frauenmarsch vom 18. März in Zürich aufmerksam machen. Dafür lässt sie die Hüllen fallen.

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Nachdem Frauen in Washington im Januar nach der Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump auf die Strasse gingen, soll am Samstag auch in Zürich ein Women's March stattfinden, um gegen den «Trumpismus» sowie rechte Politik in der Schweiz und in Europa zu demonstrieren.

Die Juso mobilisiert auf Facebook mit einem gewagten Flyer: Er zeigt Juso-Chefin Tamara Funiciello oben ohne und mit einem Bunsenbrenner in der Hand. Zusammen mit ihren Mitstreiterinnen – darunter eine Transfrau – verbrennt sie ihren BH nach Manier der Frauenbewegungen der 70er-Jahre. Damals war der BH Symbol für die Unterdrückung durch das Patriarchat.

«Wir wehren uns gegen die Normierung des Schönheitsideals»

Letztmals hatten sich Juso-Mitglieder 2014 für den Kampf gegen die Abtreibungsinitiative ausgezogen. Diese wollte die Kosten einer Abtreibung zur Privatsache erklären.


Juso-Präsidentin Tamara Funiciello nimmt im Video Stellung zur Aktion.

Das neue Bild, das eine US-Fotografin in einem Zürcher Hinterhof geschossen hat, findet Funiciello «stark»: «Es zeigt Frauen mit unterschiedlichen Körpern, unterschiedlicher sexueller Orientierung und Migrationshintergrund.»

Dass Feministinnen ausgerechnet mit nackter Haut um Aufmerksamkeit buhlen, findet Funiciello nicht absurd. «Das Foto ist eine gezielte Provokation, es muss nicht jedem gefallen. Wir wehren uns damit gegen die Normierung des Schönheitsideals und gegen die Binarität der Geschlechter.» Zum Beispiel müsse für sie eine Frau keine Vagina haben.

«Radikaler Feminismus»

Funiciello sagt, man knüpfe an den grossen Frauenbewegungen des letzten Jahrhunderts an, gehe nun aber einen Schritt weiter. Es reiche nicht, einfach ein T-Shirt mit einem «Empowerment»-Aufdruck im H&M zu kaufen, sondern brauche einen «radikalen Feminismus».

Grundlegende Rechte wie das Frauenstimmrecht seien zwar erreicht. Heute gehe es aber um das Aufbrechen «subtilerer Mechanismen der Machterhaltung des Patriarchats», etwa um den Sexismus. Funiciello fragt: «Wie häufig überlegt ein Mann sich: Habe ich zu viel oder zu wenig an? Oder wie häufig wählen Männer einen anderen Weg beim Heimgehen, weil er beleuchteter ist?»

In Rage versetzt sie das Argument, dass sich die Frauenbewegung selbst abgeschafft hat, indem Frauen heute weitgehend gleichgestellt sind. «Die Frauenbewegung ist weltweit im Aufwind. Wenn wir einen Dude haben, der im Weissen Haus hockt und sagt ‹grab them by the pussy›, sind wir noch nirgends!»

(daw)