Schönheitschirurgie

12. März 2014 16:38; Akt: 12.03.2014 16:45 Print

Schweizer leisten sich die meisten Beauty-OPs

Kein Volk legt sich so oft für die Schönheit unters Messer wie die Schweizer. Nebst den Klassikern stehen Trend-OPs wie künstliche Grübchen oder ein Thigh Gap auf der Wunschliste.

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In der Klinik Pyramide wird eine Patientin für eine Fettabsaugung – den beliebtesten Beauty-Eingriff der Schweizer – vorbereitet. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Nirgendwo auf der Welt helfen die Menschen ihrer Optik so häufig nach wie in der Schweiz. Von 10'000 Einwohnern haben sich 2011 hierzulande 59 operativ tunen lassen. Die Schweiz erreicht damit den weltweiten Spitzenwert, zitiert der «Tages-Anzeiger» eine Studie der International Society of Aesthetic Plastic Surgery (Isaps).

Zum Vergleich: In den USA, wo auf den ersten Blick kaum noch eine Frau natürliche Brüste hat, lag diese Zahl im gleichen Jahr bei 35. Und sogar die OP-freudigen Brasilianer kommen nur auf 46 Eingriffe pro 10'000 Menschen. Ziemlich zufrieden mit Mutter Natur scheinen die Deutschen zu sein: Ihre OP-Quote liegt gerade mal bei 23.

Schweizer lassen am liebsten Fett absaugen

Für Stephan Hägeli von den Acredis-Spezialzentren für Ästhetische Chirurgie ist der Grund für den Schweizer Spitzenplatz klar: «Die Schweizer haben ein überdurchschnittlich hohes Pro-Kopf-Einkommen. Deshalb können es sich relativ viele Leute leisten, Geld für Schönheitsoperationen auszugeben.»

Grosse Unterschiede gibt es auch bei der Wahl des Eingriffs. In Amerika, Spanien und Frankreich steht die Brustvergrösserung ganz oben auf der Wunschliste. Die Schweizerinnen hingegen sind hier zurückhaltender. Ein üppiger Busen wird erst an dritter Stelle gewünscht – nach Fettabsaugung und Augenlidstraffung. Ebenfalls zu den Klassikern gehören in der Schweiz Bauchstraffungen, Brustverkleinerungen sowie Nasenkorrekturen.


In den OP – aber ja nicht operiert aussehen

Aber die Schönheitsideale der US-Stars machen auch vor hiesigen Grenzen nicht halt. So erhalten Chirurgen vermehrt Anfragen für künstliche Lachgrübchen, wie sie etwa Model Miranda Kerr hat. Auch die Lücke zwischen den Oberschenkeln, der sogenannte Thigh Gap, den Model Cara Delavigne berühmt gemacht hat, ist heiss begehrt. «Wir haben sehr viele junge Frauen, die deswegen nachfragen», sagt Schönheitschirurg Nikolaus Linde aus St. Gallen. Handelt es sich um Fettgewebe, kann der Arzt den Schenkeln mittels Absaugung zum Promi-Look verhelfen. Ebenfalls aus der Welt der Stars stammt das «Mommy Makeover». Hier werden die Spuren einer Schwangerschaft soweit möglich eliminiert. «Es gibt Frauen, die mailen uns bereits während der Schwangerschaft deswegen», so Linde.

Ganz besonders wichtig ist den Schweizer Patientinnen eines: Keiner soll merken, dass sie nachgeholfen haben. «Da dürfen sich dann auch Kolleginnen nicht im Wartezimmer über den Weg laufen», sagt die Plastische Chirurgin Colette C. Camenisch aus der Klinik Pyramide in Zürich. «Die Leute möchten auf keinen Fall operiert ausschauen.» So seien etwa bei Brustvergrösserungen eher kleinere Implantate gefragt. Und auch beim Aufspritzen der Lippen sei es den Frauen sehr wichtig, dass keine «Schlauchbootlippen» entstünden.

Das mag der Grund dafür sein, weshalb die aktuellen Zahlen überraschend scheinen. Denn sehen tut man in der Schweiz – ganz anders als in den USA oder Brasilien – die Arbeit der Schönheitschirurgen fast nie auf den ersten Blick.

(nj)