Häusliche Gewalt

01. Oktober 2015 23:09; Akt: 01.10.2015 23:09 Print

Kein Pardon mehr für prügelnde Partner

von J. Büchi - Wer in einer Beziehung mehrfach gewalttätig wird, soll sich künftig zwingend vor der Justiz verantworten müssen. Auch wenn das Opfer dies nicht will.

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Kommt es in einer Beziehung zu Gewalt, bleibt es oft nicht bei einem einmaligen Ausrutscher. Bei rund jedem dritten Einsatz, den die Polizei wegen häuslicher Gewalt leistet, sind Opfer und Täter bereits bekannt. In manchen Kantonen beträgt die Quote der Wiederholungstaten sogar über 50 Prozent, wie es beim Fachbereich Häusliche Gewalt des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) heisst.

In vielen Fällen kommt der Täter oder die Täterin jedoch ungeschoren davon. Zwar gelten Gewalttaten innerhalb von Beziehungen seit 2004 als Offizialdelikt – die Behörden müssen also auf jeden Fall ein Verfahren einleiten. Allerdings kann das Opfer dieses während sechs Monaten wieder einstellen lassen.

Viele Opfer verzeihen den Tätern – immer wieder

Und diese Möglichkeit wird rege genutzt: «Die Mehrheit aller Verfahren wegen Gewalt in Paarbeziehungen wird eingestellt», sagt die Direktorin des EBG, Dr. Sylvie Durrer. Die Einstellungsquote beträgt je nach Studie bis zu 92 Prozent. Laut Durrer zeigt die gewalttätige Person nach einer Misshandlung des Partners oft Reue und verspricht, ihr Verhalten zu ändern. «In vielen Fällen gibt das Opfer dem Täter dann noch eine Chance – auch wenn sich das Muster immer wiederholt.»

CVP-Nationalrätin Viola Amherd möchte die Opfer aus dieser Gewaltspirale befreien. In einer Motion verlangt sie, dass das Gesetz so geändert wird, dass eine Einstellung des Verfahrens nur noch bei Ersttätern möglich ist. «Wird ein Täter ein zweites Mal gewalttätig, darf er auf keinen Fall ungeschoren davonkommen», fordert sie. Der Vorstoss findet sowohl im linken als auch im rechten Lager Unterstützung.

SVP-Nationalrätin Natalie Rickli sagt: «Oftmals sind es Ausländer, die ihre Frauen unter Druck setzen. Ich werde den Vorstoss von Viola Amherd unterstützen.» Handlungsbedarf sieht auch SP-Nationalrätin Yvonne Feri: «Man weiss, dass die Opfer oft schon sehr viel durchmachen, bevor sie zum ersten Mal die Polizei rufen.» Spätestens beim zweiten Mal sollte sich der Täter deshalb zwingend vor der Justiz verantworten müssen – «bevor noch Schlimmeres passiert».

23 Todesfälle in einem Jahr

Im letzten Jahr verzeichnete die Schweizer Justiz über 15'000 Fälle von häuslicher Gewalt. 23 davon endeten tödlich, dazu kommen 39 Fälle versuchter Tötung. «Man geht davon aus, dass die Schwere der Gewalt im Wiederholungsfall tendenziell zunimmt», so Sylvie Durrer. Bei Tötungsdelikten im Rahmen einer Beziehung sei es häufig schon vorher zu Gewalt gekommen.

Auch der Bundesrat ortet deshalb Handlungsbedarf. In einem Bericht von Anfang Jahr schreibt er: «Das Ziel einer Revision ist es, die Opfer von ihrer Verantwortung zu entlasten und den Entscheid über den Fortgang des Strafverfahrens nicht mehr alleine von ihrer Willensäusserung abhängig zu machen.» Künftig sollen die Behörden entscheiden können, ob ein Verfahren sistiert wird oder nicht. Eine entsprechende Gesetzesrevision dürfte noch dieses Jahr in die Vernehmlassung geschickt werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Felix am 01.10.2015 23:16 Report Diesen Beitrag melden

    Aight

    Recht so - das hat nichts mit Politischer Gesinnung zu tun, da kann man auch nicht diskutieren. Opfer in solchen Beziehungen haben oft komplexe psychische Probleme, die ohne den gewalttätigen Partner gelöst werden sollten.

  • Michael am 01.10.2015 23:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Guter Schritt

    Finde ich gut, so werden die Opfer geschützt, wenn der Täter genau weiss er kann nicht mehr manipulieren.

  • Jochum am 01.10.2015 23:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich denke

    man sollte darüber nachdenken, auch in anderen bereichen nur noch einem ersttäter ne 2te chance zu geben anstatt hunderte. wer mer als 2 mal etwas stiehlt gehört härter bestraft. und mit jedem mal wo diese person erwischt wird erhöt sich die strafe.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Albert Moser am 02.10.2015 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Rüpel. (Rümpel)

    Solch Leute sollten lange, sehr lange weggesperrt werden.

  • Herbert am 02.10.2015 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Finde ich super. War schon längst überfällig.

  • Daniela am 02.10.2015 11:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Opferhilfe

    diese Gesetzesänderung ist wichtig, da das Oper aus Angst oft keine Anzeige erstattet. Das Opfer soll auch eine Unterstützung unfreiwillig erhalten. Dank der gehirnwäsche der Polizei und der von der Polizei angebotenen Opferhilfe konnte ich mich aus dieser Spirale lösen.

  • beatrice am 02.10.2015 11:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kann ich nur Unterstützen

    Viel Leid wird so erspart.Viele getrauen sich nicht sich jemandem anzuvertrauen.Leiden Jahr um Jahr.Erdulden viel um nicht noch mehr unterdrückt und gequält zu werden.Nicht zu vergessen die verbalen Gewalttätigkeit, die Drohungen.Solche Menschen muss man wegsperren oder zumindest hart bestrafen.Es darf nicht sein, dass solche Menschen ungestraft davon kommen.Nach aussen das Unschuldslamm spielen und hinter verschlossener Tür den Ehepartner quälen, erpressen, schlagen und bedrohen.Handgreiflich wird zu den Kinder, etc.

  • Ursula am 02.10.2015 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Ist die Privatsphäre nicht gefährdet?

    Die Privatsphäre wird hier zum öffentlichen Raum. Der Staat und gewisse Gruppierungen dringen hier für mich in meine Intimsphäre ein, die nicht mehr tolerierbar ist. Bei eine Körperverletzung kann jedes Opfer heute schon klagen. Das genügt völlig. Es braucht keine staatliche Generalüberwachung. Zu viel Staat überall gefährdet die Privatsphäre und bald auch das Recht eine freie Meinung.