Sexuelle Übergriffe

18. März 2010 15:53; Akt: 22.03.2010 15:03 Print

Missbrauchs-Pfarrer im stillen Kämmerlein

von Fabienne Riklin - Seit gestern ist Pater Gregor in einem «religiösen Haus» untergebracht und denkt dort über seine Missbrauchs-Taten nach. 40 Jahre nach den Übergriffen.

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Pater Gregor Müller gibt zu Ministranten und Klosterschüler missbraucht zu haben: Jetzt geht er im Stillen in sich. (Bild: Keystone)

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Pater Gregor (69) predigt nicht mehr Nächstenliebe von der Kanzel der Kirche von Schübelbach (SZ). Der gebürtige Aargauer hat seine Stelle aufgegeben, nachdem er sexuelle Übergriffe auf Minderjährige zugegeben hat.

Der Pater befindet sich derzeit in einem «religiösen Haus», wie Bischofsvikar Christoph Casetti gegenüber 20 Minuten Online sagt. Ob es sich dabei um eine Kirche oder Kapelle im Inland handelt, wollte Casetti nicht sagen. «Es ist ein Ort, wo er sich Gedanken machen kann.» Die Gedanken macht sich Pater Gregor rund 40 Jahre nach besagten Übergriffen, über die er jetzt stolperte. Vorerst soll er im «religiösen Haus» bleiben. Betreut wird er dort aber nicht durch Fachpersonen. «Priester, mit denen er eine Beziehung haben kann, sind für ihn da», sagt Casetti.

Während der Pater in einer Kirchenbank schmort, geht das Bistum Chur in die Offensive: weitere Opfer sollen sich an das Fachgremium «Sexuelle Übergriffe in der Seelsorge» wenden. «Wir sind gewillt, das Tabu-Thema anzupacken», sagt Casetti. Dadurch sollen Opfer Hilfe bekommen und die Gesellschaft werde aufgeklärt. «Schliesslich finden die meisten sexuellen Übergriffe immer noch im familiären Umfeld statt.»

Neigung zu Klosterschulen und Kinderchören

Vor einer Woche ist alles aufgeflogen: Ein Opfer berichtete am österreichischen Fernsehen von sexuellen Übergriffen des Paters im Gymnasium Mehrerau (A) und Birnau (D). Dieser hat daraufhin zugegeben, in den 70er Jahren minderjährige Ministranten und Klosterschüler missbraucht zu haben. Bis 1983 war der Aargauer in Baden tätig. Er hat dort einen Kinderchor gegründet. Er gehört dem Zisterzienser-Orden an. Die vergangenen 18 Jahre war er Priester in Schübelbach (SZ).