Felsberg, Graubünden

26. März 2015 08:51; Akt: 26.03.2015 14:51 Print

Jetzt fressen die Wölfe schon die Hofkatzen

In Felsberg macht ein Rudel von drei Jungwölfen Jagd auf Katzen. Auch auf ein neugeborenes Kalb haben sie Appetit: Nachts scharren sie vor der Stalltür.

Im Bündner Dorf Felsberg machen die Calanda-Wölfe Jagd auf Hauskatzen. Auch ein junges Rind würde ihnen schmecken. Jede Nacht versuchen sie, durch die Stalltür zu gelangen. (Video: Roland Schäfli/Michael Fischer)
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Christian Schneller hatte früher einmal die stolze Zahl von 17 Hofkatzen. 13 von ihnen hat der Wolf geholt. Innert drei Monaten. Das Gehöft am Dorfrand des bündnerischen Felsberg hat es dem Rudel von Jungwölfen besonders angetan: Einmal schlich ein halbes Dutzend der Untiere um seinen Streichelzoo. «Der Zaun ist mit Strom geladen, aber wenn die Wölfe hineingelangen, dann wären die Geissen und Wollschweine wehrlos.» Vor einer Weile wurde dem Landwirt ein trächtiges Rind gerissen: «Man hat mir damals gesagt, das könnte auch ein Hund gewesen sein.»

Überhaupt beklagt der Familienvater, man werde von den Behörden nur unvollständig informiert. Seine Tochter ängstigt sich vor dem Wolf so sehr, dass die Eltern sie jeden Tag im Auto zur Schule fahren. Denn seit sie auf dem Nachhauseweg den frisch abgerissenen Kopf eines Rehbocks fand – und der Wolf also noch in der Nähe sein musste –, traut sie sich nicht mehr.

Rudel will in Stall eindringen

Nicht weit von Schnellers Hof liegt der Stall seines Nachbarn Roland Nold. Kürzlich schrien mitten in der Nacht dessen Kühe. Als Schneller nach dem Rechten sehen wollte, blickte er in die Augen von drei Jungwölfen. Seither sind sie fast jede Nacht wiedergekommen. Sie würden gern durch die Stalltür gelangen, hinter der eine trächtige Mutterkuh darauf wartet, ihr Kalb zu gebären. Nold ist beunruhigt: «Die Wölfe nehmen die Witterung von trächtigen Tieren auf.» Immer wieder stösst der Landwirt im Umfeld seines Hofs auf abgenagte Tierknochen. «Das gehört bei uns in Felsberg schon fast zum Alltag wie die Begegnung mit dem Wolf selbst.» Ihm bleibt die Hoffnung, dass die Jungwölfe bald abwandern, wie es in ihrer Natur liegt. Bis dahin jedoch muss er den Tag fürchten, an dem seine Rinder vom sicheren Stall auf die Weide geführt werden und wo sie dann auch über Nacht bleiben.

(ros)