#Pilzesammelnfetzt

24. Oktober 2017 07:26; Akt: 24.10.2017 08:27 Print

Pilze trenden auf Insta – Vergiftungen nehmen zu

von D. Krähenbühl - Während Instagram-Posts zur Pilzjagd motivieren, ist die Zahl der Pilzvergiftungen auf einem Allzeithoch.

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Wo früher der Pilzverein als Altherrenclub verschrien war, heisst es heute «Gömmer go pilzle?» Das Versteckspiel mit Pilzen ist wieder in Mode. Auch Familien entdecken den Freizeitspass für sich. #NaturPur! Doch Achtung: Nicht alle Pilze sind essbar! Das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum, Tox Info Suisse, registrierte bis zum 23. Oktober über 520 Pilzvergiftungen. Im Vorjahr belief sich die Zahl im gleichen Zeitraum auf knapp über 300 Fälle. Neuer Negativrekord. #Pilze, # Pilzli, #Pilzesammeln #Pilzesammelnfetzt. Die Ergebnisse, die Instagram auf die Hashtags ausspuckt, sind fast endlos. Die Pilz-Funde werden unterdessen rege mit der Öffentlichkeit geteilt. Dass jetzt auch die Jungen den Gefallen an der Pilzjagd gefunden haben, bestätigt auch die «Pilzspürnase» Johannes Kurth. Die Berichte der Medien und Beiträge auf Social Media würden zu einem Boom führen. Die meisten von ihnen würden sich aber nicht oder nur ungenügend mit Pilzen auskennen. Weil dann nur in Ausnahmefällen die gefundenen Pilze bei der Pilzkontrollstelle geprüft würden, gebe es immer wieder vermeidbare Vergiftungsfälle, sagt Kurth. Das Problem sei auch der fehlende Respekt vor der Gefahr. «Die Jungen sind heute viel eher bereit, sich einfach mal etwas in den Mund zu schieben.» «Es gibt viele Junge und Familien, die mit dem Pilzsammeln begonnen haben», sagt Marionna Schlatter, Medienverantwortliche des Verbands der Pilzkontrolleure (VAPKO). Das Hobby Pilzsuchen sei wieder attraktiv geworden. Den Hauptgrund für den Anstieg bei den Pilzvergiftungen sieht sie bei der guten Pilzsaison. Ein grosses Problem sei aber auch der Abbau von Pilzkontrollstellen. «Aus unserer Sicht ist das eine tickende Zeitbombe.» Pilzsammlern empfiehlt Katharina Schenk-Jäger, Ärztin und Pilzfachfrau bei Tox Info Suisse, mit den gefundenen Pilzen eine Kontrollstelle aufzusuchen: «Lieber zur Pilzkontrolle als ins Spital». Also immer schön direkt zur Pilzkontrollstelle, egal ob du Laie bist oder das Gefühl hast, dein App sagt dir schon, welcher Pilz giftig ist. (Tut es nämlich nicht immer..) Wichtig: Diesen Knollenblätterpilz nie essen! Sein Gift dringt schon nach zwei Stunden in die Leber ein, Vergiftungserscheinungen bemerkt man aber erst nach rund acht Stunden. Ohne Gegenmittel kann der Verzehr daher tödlich sein.

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#Pilze, # Pilzli, #Pilzesammeln. Die Ergebnisse, die Instagram auf die Hashtags ausspuckt, sind fast endlos. Wo früher der Pilzverein als Altherrenclub verschrien war, heisst es heute «Gömmer go pilzle?» In Karohemd und Northface-Jacke, mit gestriegelten Mähnen und der Sonnenbrille auf der Nase machen sich diesen Herbst die Szeni-Gänger auf in die Wälder. Hunderte von ihnen teilen ihre Erlebnisse auf Instagram. Gehört das Pilzsammeln neben dem Stricken und Wandern jetzt auch zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen der Hipster? Wenn ja, ist es ein gefährliches Hobby.

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Vergiftungsfälle mit Pilzen haben im laufenden Jahr 2017 nämlich über 50 Prozent zugenommen. Das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum, Tox Info Suisse, registrierte bis zum 23. Oktober über 520 Pilzvergiftungen. Im Vorjahr belief sich die Zahl im gleichen Zeitraum auf knapp über 300 Fälle.

«Junge schieben sich eher mal einfach etwas in den Mund»

Dass jetzt auch die Jungen den Gefallen an der Pilzjagd gefunden haben, bestätigt auch die «Pilzspürnase» Johannes Kurth. Die Berichte der Medien und Beiträge auf Social Media würden zu einem Boom führen. Die meisten von ihnen würden sich aber nicht oder nur ungenügend mit Pilzen auskennen. Übers Internet oder per App würden sie sich dann informieren, nur um dann auf eigene Faust im Wald auf Pilzsuche zu gehen.

Weil dann nur in Ausnahmefällen die gefundenen Pilze bei der Pilzkontrollstelle geprüft würden, gebe es immer wieder vermeidbare Vergiftungsfälle, sagt Kurth. Das Problem sei auch der fehlende Respekt vor der Gefahr. «Die Jungen sind heute viel eher bereit, sich einfach mal etwas in den Mund zu schieben.» Die Leute müssten aber lernen, dass man im Zweifelsfall immer eine Fachperson oder die Pilzkontrolle einbeziehen sollte, meint Kurth. Zwar könne man sich auch mit kontrollierten Speisepilzen Pilzvergiftungen zuziehen, aber Kurth ist sich sicher: «Würden mehr Leute zur Pilzkontrolle, könnten sich viele Vergiftungen verhindern lassen.»

«Fehlende Kontrollstellen sind eine tickende Zeitbombe»

«Es gibt viele Junge und Familien, die mit dem Pilzsammeln begonnen haben», sagt Marionna Schlatter, Medienverantwortliche des Verbands der Pilzkontrolleure (VAPKO). Das Hobby Pilzsuchen sei wieder attraktiv geworden. Den Hauptgrund für den Anstieg bei den Pilzvergiftungen sieht sie bei der guten Pilzsaison. Ein grosses Problem sei aber auch der Abbau von Pilzkontrollstellen. «Aus unserer Sicht ist das eine tickende Zeitbombe.» Der Abbau hätte zur Folge, dass dringend benötigte Fachleute im Vergiftungsfall nicht vor Ort wären, meint Schlatter. Ausserdem würden viele die immer weiteren Wege zu den Kontrollstellen nicht auf sich nehmen wollen, wenn das Netz ausgedünnt werde. Die hohe Zahl der Pilzvergiftungen sei derart alarmierend, dass die Pilzkontrolleure vom Bund fordern, dass er sich für die Erhaltung und Ausweitung der Pilzkontrollstellen einsetzt.

Dass die wegfallenden Kontrollstellen ein Problem darstellen, ist auch Katharina Schenk-Jäger, Ärztin und Pilzfachfrau von Tox Info Suisse, der Beratungsstelle bei Vergiftungen, klar. Die Pilzkontrolleure seien nämlich ein wichtiger Partner bei der Verhinderung von Pilzvergiftungen. Mit über 520 Vergiftungsfällen bisher liegt das Jahr 2017 nämlich an der Spitze. «Es sind möglicherweise auch neue Pilzsammler betroffen, die sich der Gefahr einer Vergiftung zu wenig bewusst sind», sagt Schenk-Jäger.
Typischerweise würde jemand mit Beschwerden in der Nacht anrufen, der zu Abend Pilze gegessen hatte. Die Leute hätten Durchfall oder müssten Erbrechen.

Pilzle im Speckwald #pilzli #pilzkunde #mitternachtspilz #undallesandere

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«Lieber zur Pilzkontrolle als ins Spital»

«Je früher jemand Symptome zeigt, desto eher ist dies ein Hinweis auf eine weniger gefährliche Pilzvergiftung», sagt Schenk-Jäger. Eine späte Reaktion lasse nämlich auf den Knollenblätterpilz schliessen. Dessen Gift, das Amatoxin, greife die Leber an und könne sogar tödlich wirken. «Deshalb sagen wir den Leuten nicht, sie sollen abwarten, sondern schicken sie bei spätem Auftreten der Beschwerden meistens direkt ins Spital.» Der Pilz sei so gefährlich, weil man erst nach acht bis zwölf Stunden merke, dass etwas nicht stimme, das Gift aber nach zwei Stunden bereits in der Leber sei.

Bei Tox Info Suisse wurde dieses Jahr erst eine schwere Vergiftung durch den Knollenblätterpilz registriert. Allein am Inselspital Bern wurden aber schon sieben solche Fälle behandelt. Weil es keine Meldepflicht für Pilzvergiftungen gibt, könnte die Zahl sogar noch höher liegen.
Pilzsammlern empfiehlt Schenk-Jäger deshalb, mit den gefundenen Pilzen stets eine Kontrollstelle aufzusuchen: «Lieber zur Pilzkontrolle als ins Spital.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schämu am 24.10.2017 07:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesellschaft am verblöden

    Sorry, aber ich kann diese Gesellschaft nicht mehr verstehen. Morgen kauft sich jeder einen Hund und geht dann Trüffel suchen nur weil es auf Instagramm Trend ist.

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  • Alfred A. am 24.10.2017 08:02 Report Diesen Beitrag melden

    Bin klar unterqualifiziert

    Zum erfolgreichen sammeln von Pilzen fehlt mir das notwendige Wissen, welche Pilze geniessbar- welche giftig sind. Daher gehe ich keine Pilze sammeln und lasse sie stehen. Alle. Und das, obwohl ich Pilzgerichte sehr mag.

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  • Ueli am 24.10.2017 08:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Natur sorge tragen

    Warum nehmen die Sammler nicht einfach jene Pilze die sie kennen, geht doch nicht das man wahllos alles pflückt

Die neusten Leser-Kommentare

  • Al Z. am 25.10.2017 03:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfache Regeln !

    Nur die Pilze mitnehmen die man zu 100% kennt! Im Zweifelsfall stehen lassen oder dann eben zur Pilzkontrolle.

  • Bruno am 24.10.2017 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Achtung liebe Vegi's

    Gut wurde letzhin festgehalten, dass Pilze näher bei Tieren sind als bei Pflanzen. So sind wenigstens die Veganer und Vegetarier bald nicht mehr am Sammeln.

  • E.Cerf am 24.10.2017 14:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Psylo-Pilze

    Am meisten schmunzeln muss ich ob den Jungen, die ich im September auf einer Kuhweide im Jura traf.Die liefen in gebückter Haltung von Kuhfladen zu Kuhfladen! Auf meine Frage zu ihrem seltsamen tun bekam ich zur Antwort: wir suchen die kleinen,braunen, kegelförmigen Psylopilze.Die fahren roh verzehrt, saumässig ein!Man sieht die Welt danach viel farbiger und schöner als sie ist.Dazu Red-Bull saufen..

  • Giovanni1 am 24.10.2017 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne App, sondern mit Wissen

    Ganz ohne App, sondern vor x Jahren vom Vater gelernt. Dann braucht es auch keine ganzen Container für ungeniessbare Pilze, welche einfach mal so gesammelt wurden. Tragisch, immer wird alles als Hype gelebt, anstatt sich mit der Materie gründlich zu befassen. Ich kenne ca. 30 Pilze und das genügt vollauf für köstliche Mahlzeiten. Der Rest bleibt im Ökosystem Wald, die Pilze haben nämlich eine Aufgabe - und nein, sie besteht nicht darin, die Internetgeilheit und Selbstdarstellung gewisser Zeitgenossen zu untermauern.

    • Negan am 24.10.2017 13:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Giovanni1

      Die schönen Pilze fotografiere ich lieber und lasse sie dann in Ruhe. Ob geniessbar oder nicht, ich esse nichts was ich nicht zu hundert Prozent sicher kenne.

    • Giovanni1 am 24.10.2017 13:36 Report Diesen Beitrag melden

      Absolut einig

      Das machen Sie absolut richtig. Ich fotografiere sehr häufig Pilze. Und ich lasse die nicht wirklich einwandfreien auch stehen. Grundsätzlich gehärt das Material ja in den Wald. Und was ich nicht zu 100 % bestimmen kann, rühre ich gar nicht erst an. Aber eben, ich bin noch ohne App grossgeworden ;-)

    • Tom am 24.10.2017 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Giovanni1

      Genau,hab es auch früh gelernt. Dieser Trend erstaunt mich,das die Leute jetzt in denn Wald rennen.Da gibts doch keine Steckdose für das Smartphone usw. :D. Ein Kumpel(IT Experte) kam letzte Woche zu mir,hatte einen Korp voll Pilze dabei,alles durchmischt.Das beste war der schöne rote Pilz mit weissen Punkten.Mir blieb nur Kopfschütteln.

    • Negan am 24.10.2017 16:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tom

      Also dass der Fliegenpilz eigentlich nur schön anzusehen, aber nur bei sehr guter Fachkunde verzehrbar ist, sollte eigentlich jeder wissen

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  • Ben am 24.10.2017 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstvergiftung

    Heutzutage ist auch das pilzsammeln zu einem wetrennen geworden. Nicht nohrmal was ich da manchmal sehen muss, wie gewisse möchtegerns einem beim sammeln noch vohr der nase die pilze wegnehmen...... Daher ist es gut wen sie sich selbst vergiften. Wer keine ahnung hat sollte es einfach lassen!