Spital verwechselt Säure

26. Oktober 2017 10:51; Akt: 26.10.2017 10:53 Print

Entstellter Patient fordert 6 Millionen Franken

Weil eine Genfer Klinik eine Lösung verwechselte, verbrannten die Ärzte einem Patienten den Hals. Nun will das Opfer Genugtuung in Millionenhöhe.

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Bei einer Operation in der Genfer Klinik Générale-Beaulieu im Jahr 2011 kam es zu einer fatalen Verwechslung: Statt einer Essigsäure in einer dreiprozentigen Konzentration nahmen die Ärzte eine Lösung mit einer Konzentration von 98 Prozent. Der heute 60-jährige Patient verbrannte sich dadurch den Hals und ist seither arbeitsunfähig.

Für den Unfall fordert er nun in einem Prozess, der am Mittwoch in Genf begann, sechs Millionen Franken von der Klinik. Der Betrag soll in monatlichen Raten von 26'700 Franken ausbezahlt werden. Der Patient begründet seine Ansprüche mit jahrelangem Verdienstausfall, seinen Anwaltskosten und seinen moralischen Verletzungen, berichtet die «Tribune de Genève» (Bezahlartikel). Vor seinem Unfall habe er 400'000 Franken im Jahr verdient.

Bereits 1,5 Millionen Franken erhalten

Werde der Mann nicht entschädigt, müsse er ein Zivilverfahren anstrengen, das wieder etwa zehn Jahre daure, sagte sein Anwalt vor Gericht. Dann werde er zum Sozialfall und müsse im Alter auf Kosten des Staates leben.

Der Patient hatte bereits früher eine Vereinbarung mit der Klinik getroffen, die ihm 1,5 Millionen Franken zusicherte, sofern er keine Beschwerde einlegte. Da sich der Mann nun aber belogen fühlt und das Gefühl hat, die Beteiligten wollten den Fall herunterspielen, ist er vor Gericht gelangt.

Klinik sieht sich nicht in der Verantwortung

Weshalb es zu der Verwechslung kam, wurde bisher nicht restlos geklärt. Der Anwalt des beim Spital verantwortlichen Apothekers sagte vor Gericht, sein Mandant habe die besagte Flasche nie gesehen. Der Anwalt des Chirurgen wiederum sagte, es sei nicht Aufgabe der Ärzte im Operationssaal, jede Flasche auf ihre Korrektheit zu überprüfen. Dass die 98-Prozent-Lösung im Saal gestanden sei, sei aussergewöhnlich. Der Chirurg sei nicht dafür zuständig, das Unvorhersehbare zu planen.

Auch der Klinikchef sieht sich nicht in der Pflicht. Nach dem Gesetz könne sein Unternehmen nicht verfolgt werden, wenn der Täter nicht identifiziert werden kann. Dass sein Unternehmen dem Mann bereits 1,5 Millionen Franken geboten habe, sei allein eine ethische Handlung und nicht aus rechtlichen Gründen erfolgt, so der Rechtsvertreter der Klinik vor Gericht. Das Urteil folgt später.

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 26.10.2017 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Sozialfall?

    Tragischer Fall. Aber einer, der 400'000.- p.a. verdiente wird danach zum Sozialfall? Dass ich nicht lache, da bezahlt die AHV und Pensionskasse ja mehr als manch einer je verdient. "Lustige" Begründung.

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  • René am 26.10.2017 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich bekommt der Patient recht

    Der vom Geschädigten geforderte Betrag ist mehr als gerechtfertigt, wenn man den durch die Verätzung entstandene Schaden an Leib, Leben und vor allem am psychischen Wohlbefinden bemisst. Dass das Spital den Vorfall mit einem 1,5 Millionen Vergleich unter den Tisch kehren wollte, zeigt deren Schuldhaftigkeit mehr als deutlich.

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  • Baselbieter am 26.10.2017 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Spital ist klar schuld

    1.) Wenn die Flaschen richtig angeschrieben sind, hätte der Chirurg sicher "98%" oder "3%" darauf lesen können. 2.) 98%ige Essigsäure riecht wirklich stechend und beissend, das hätte man zudem beim Öffnen der Flasche merken sollen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Juju am 26.10.2017 20:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehler

    Der Mann wird sein Leben lang Narben am Hals tragen wegen eines extrem dummen Fehlers eines anderen.Nein sowas darf nicht passieren und ja 6 Mio sind keineswegs zu viel.

  • Leserin am 26.10.2017 18:53 Report Diesen Beitrag melden

    Allgemein zu Ärzte, Spital oder Heim

    Es wird Zeit, dass Spitäler, Heime aller Art und Ärzte in die Pflicht genommen werden. Das gilt in vieler Hinsicht. Bei einer Aufzählung wüsste ich nicht wo der Anfang und wo das Ende ist.

  • Samuel am 26.10.2017 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    haftet für die Angestellten.

    Wenn dieser Mann 400000.- im Jahr verdient und versteuert hat ist die Forderung nicht zu hoch. Man kann ihm seinen Lebensstyl nicht vorwerfen. Wenn ich so viel verdienen würde, würde ich auch mehr zum Leben brauchen. Es ist nicht richtig wenn man sich aus der Verantwortung stiehlt. Ob die Höhe des Betrages rechtens ist müssen Andere entscheiden.

  • Kupfi am 26.10.2017 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    400´000 und Sozialfall

    @Peter Genau das dachte ich auch. Der muss ja weit über seine Verhältnisse gelebt haben, bei 400´000 pro Jahr.....

  • Sophia am 26.10.2017 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehler

    Es kann nur der Fehler der Zudienung, Instrumentierender und dieser Person sein, die den OP-Saal mit Medikamenten aufgefüllt hat. Trotzdem ist die Entschädigung von 6mio. eindeutig zu hoch.