Miese Masche

07. September 2016 13:24; Akt: 07.09.2016 13:24 Print

Falscher Toyota-Mitarbeiter zockt Leute ab

von Camille Kündig - Ein Betrüger, der sich als irischer Toyota-Mitarbeiter ausgibt, bettelt derzeit in der Schweiz um Geld für seine Heimfahrt. Ein Opfer erzählt.

Agon* erzählt, wie der Betrüger vorgegangen ist. (Video: Camille Kündig)
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Agon* (19) war am Samstag, 27. August mit seiner Familie in der Ikea in Spreitenbach AG auf Shoppingtour. Auf dem Parkplatz wurde seine Familie Opfer eines dreisten Betrugs.

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Insgesamt 1174 Teilnehmer

«Ein völlig aufgelöster, circa 40-jähriger Mann und sein Sohn im Teenager-Alter haben uns auf Englisch angesprochen», erzählt Agon. Der Mann habe angegeben, John M.* zu heissen und für Toyota Irland zu arbeiten. Er sei in Zürich ausgeraubt worden, habe er geklagt. «Er trug ein Toyota-Shirt und reichte mir seine Toyota-Visitenkarte.»

«Wir haben ihm 200 Euro gegeben»

Der Mann habe geweint, beteuert wie peinlich ihm das Ganze sei, und um Geld für die Heimfahrt gebeten. Er werde ihnen das Geld in den nächsten Tagen zurückerstatten, versprach er, und bat Agon, ihm seine Iban-Nummer anzugeben. «Ich glaubte ihm seine Geschichte, vor allem auch, weil er mir noch seinen irischen Fahrausweis zeigte. Ich durfte sogar ein Foto davon machen. Also gaben wir ihm 200 Euro.»

Zwei Tage nach dem Treffen schrieb Agon dem Mann ein E-Mail. «Ich wollte mich erkundigen, ob die zwei gut in Irland angekommen sind. Doch eine Antwort bekam ich keine.» Als er das Geld dann am Mittwoch noch nicht auf seinem Konto hatte, wurde er misstrauisch. «Ich wollte den Mann anrufen, aber die Nummern auf der Visitenkarte sind ungültig, respektive auf der einen erreicht man nur die Combox.»

Also habe er Toyota in Dublin kontaktiert. «Dort hat man mir gesagt, es gebe bei Toyota Irland keinen John M.» Ausserdem sei er nicht der Erste, der diese Frage stelle. «Anscheinend sind bereits mindestens fünf andere Leute auf den Typ reingefallen.» Agon ist enttäuscht: «Das macht mich traurig. Wir wollten dem Mann helfen und dann werden wir so über den Tisch gezogen.»

Kein Einzelfall

Bei Toyota ist der Herr tatsächlich gänzlich unbekannt. «Bei Toyota Europe gibt es keinen Mitarbeiter mit diesem Namen», sagt Andrea Auer, Sprecherin Toyota Schweiz. «Zu diesem Fall werden nun die notwendigen Untersuchungen eingeleitet.»

Toyota Irland ergänzt: «Auch in der Vergangenheit gab es bei uns keinen Angestellten mit diesem Namen. Wir empfehlen Personen, die vom Betrüger angesprochen wurden, sich bei der Polizei zu melden.» Ausserdem nutze kein Mitarbeiter geschäftlich eine E-Mail-Adresse mit der Endung @outlook.com, bestätigt Toyota.

Die irische Botschaft in Bern hat Kenntnis von «einer tiefen Anzahl solcher Fälle». Siobhan Kelly, stellvertretende Leiterin der Botschaft: «Stösst man auf einen irischen Staatsbürger, der in Geldnot ist, sollte man ihm empfehlen, die Botschaft zu kontaktieren.» Agon seinerseits will Anzeige bei der Polizei erstatten.

Wurden Sie auch Opfer von John M.? Melden Sie sich bei uns.

*Name geändert.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • TruckerJ am 07.09.2016 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naivität ausgenutzt

    Wenn er wirklich ein Toyota Mitarbeiter gewesen währe hätte er Toyota also sein Arbeitgeber um Hilfe bitte können. Die hätten ihm einen Flug reserviert oder das Geld ruckzug per Western Union oder Moneygram überweisen. Naja manche Menschen sind zu naiv.

  • humpty am 07.09.2016 14:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine Zeit

    genau deswegen gebe ich niemals jemandem Geld auf der Straße. nicht mal was unterschreiben würde ich. am besten man lässt sich gar nicht erst volllabern. :)

  • Tatütata am 07.09.2016 14:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Dummen werden nicht weniger

    dafür aber die Betrüger immer mehr den sie werden durch die Erfolge in ihrem Tun noch bestätigt es weiterhin so zu handhaben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Schnabias am 08.09.2016 00:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sorry, aber ...

    ... aufgrund dieser Angaben einem Typen Geld geben, ist schon sehr naiv. Es reicht, hin und wieder Zeitung zu lesen und sich über die neusten Maschen von Betrügern zu informieren. Spätestens aber bei der Email-Adresse hätte ein Lämpchen aufleuchten müssen. Der weltgrösste Autohersteller und die Endung .outlook.com ... Da gibt's übrigens einen Haufen Spam-Mails mit dieser Endung. Dort könnte man auch rumklicken und sich ein paar Virusse runterladen.

  • Orchidea am 07.09.2016 16:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Missbrauchtes Vertrauen

    Das ist sehr verwerflich und hinterhältig. Jedes Mal gehen so ein Stück Urvertrauen und Mitgefühl verloren, wenn echte Hilfsbereitschaft missbraucht wird. Den Geschädigten wünsche ich viel Glück und Segen und hoffe auf Karma.

  • TruckerJ am 07.09.2016 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naivität ausgenutzt

    Wenn er wirklich ein Toyota Mitarbeiter gewesen währe hätte er Toyota also sein Arbeitgeber um Hilfe bitte können. Die hätten ihm einen Flug reserviert oder das Geld ruckzug per Western Union oder Moneygram überweisen. Naja manche Menschen sind zu naiv.

  • humpty am 07.09.2016 14:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine Zeit

    genau deswegen gebe ich niemals jemandem Geld auf der Straße. nicht mal was unterschreiben würde ich. am besten man lässt sich gar nicht erst volllabern. :)

  • Anonymous am 07.09.2016 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Ich wurde auch schon mal mit einer ähnlichen Masche herein gelegt. Hat mich auch 200 Stutz gekostet, bin aber auch immerhin um eine Erfahrung reicher geworden.