06. Mai 2008 15:08; Akt: 06.05.2008 16:38 Print

Der ewige Aufsteller der Party-Szene

von Tina Fassbind - Vor zehn Jahren kam Viagra auf den Schweizer Markt. Mittlerweile hat sich die potente Pille auch in der Party- und Homosexuellen-Szene etabliert – als Erektionshilfe nach dem Ecstasy-Konsum.

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Seit dem 22. Juni 1998 kann man sie in der Schweiz kaufen, die blaue Pille namens Viagra. Das Medikament hat den gesellschaftlichen Umgang mit der Thematik Potenzprobleme grundlegend verändert. Laut einer heute publizierten Umfrage des Marktforschungsinstituts Demoscope zur Marke «Viagra» finden rund die Hälfte der befragten Schweizerinnen und Schweizer, dass sie seit der Einführung der Pille «ganz sicher offener» über erektile Dysfunktion und Sexualität sprechen können als noch vor 10 Jahren.

Griff zu Viagra nach Ecstasy-Konsum

«Rund 50 Prozent der Männer ab 45 haben Erektionsprobleme, das ist statistisch erwiesen», sagt Benedikt Zano von der Zürcher Aids-Hilfe gegenüber 20minuten.ch. «Gerade für diese Männer ist Viagra eine gute Sache. Sie können damit ihre Sexualität wieder erleben.» Doch die blaue Pille wird nicht nur von Männern mittleren Alters geschluckt. Längst hat sie sich auch in der Party- und Homosexuellen-Szene etabliert. «Der Konsum von Ecstasy kann zu Erektionsproblemen führen. Dann wird oft zu Viagra gegriffen», weiss Zano. Die Kombination mit diesen Partydrogen sei nicht besonders problematisch. «Heikel ist hingegen der Viagra-Konsum mit Alkohol und GHB, weil beides blutdrucksenkend wirkt. Zu schweren Komplikationen kann die Kombination Viagra und Poppers führen. Der Blutdruck wird so stark gesenkt, dass vor allem Menschen mit Herzproblemen daran sterben können.»

Cialis und Kamagra statt Viagra

Gemäss Beobachtungen von Benedikt Zano werden in der Schweiz immer häufiger auch andere Potenzmittel wie Cialis oder das Viagra-Generikum Kamagra konsumiert (s. Infobox). Cialis und Kamagra sind genauso wie Viagra rezeptpflichtig, können allerdings problemlos im Internet gekauft werden. Genau hier liegt laut Zano eines der Hauptprobleme im Umgang mit den Potenzprodukten: «Es gibt sehr viel Schund im Internet. Man weiss nie, was in den Pillen drin ist.» Er rät generell dazu, vor dem Konsum der Medikamente gegen erektile Dysfunktionen einen Arzt zu konsultieren. «Es geht darum, die möglichen Ursachen für die Potenzprobleme zu ergründen. Nur so kann beispielsweise die Gefahr eines Herzinfarkts gemindert werden.»

Männer reden kaum über Potenzprobleme

Noch tun sich die Männer in der Schweiz allerdings schwer damit, das Thema «Männergesundheit oder Probleme beim Sexualleben» mit dem Arzt zu besprechen. Gemäss Demoscope-Umfrage geben gerade mal 15 Prozent der über 40-jährigen Männer an, dass sie das Thema schon beim Haus- oder Facharzt angesprochen haben. In der Altersgruppe der über 55-Jährigen sind es 19 Prozent. Für die Mehrheit der Männer über 40 Jahren scheint Verdrängung das probateste Mittel im Umgang mit dem Thema Potenzstörung zu sein: Nur gerade 21 Prozent haben sich ab und zu mit dem Problem befasst. 46 Prozent gaben an, sich noch nie Gedanken darüber gemacht zu haben.