Geplante AHV-Reform

20. November 2012 18:21; Akt: 20.11.2012 21:35 Print

Berset ist das Rentenalter 64 für Frauen nicht heilig

Ein Geheimpapier zeigt: Der SP-Bundesrat Alain Berset scheut sich nicht, das Rentenalter für Frauen auf 65 Jahre zu erhöhen - und bekommt dafür von links bis rechts Unterstützung.

storybild

Alain Berset an der 21. Eidgenössischen Jugendsession vor Ratspräsidentin Alessandra Willi. (Bild: Keystone/Alessandro della Valle)

Zum Thema
Fehler gesehen?

SP-Bundesrat Alain Berset scheut sich nicht davor, das Rentenalter für Frauen auf 65 Jahre zu erhöhen. Gleichzeitig will er aber das Rentenalter generell flexibilisieren. Dies geht aus einem internen Papier des Innendepartements (EDI) hervor.

Umfrage
Was halten Sie davon, das Rentenalter für Frauen auf 65 zu erhöhen?
64 %
12 %
24 %
Insgesamt 3008 Teilnehmer

Der Bundesrat hatte vor einer Woche eine erste Diskussion über die geplanten Reformen bei der AHV und bei der 2. Säule geführt. Als Grundlage legte Berset dem Gremium ein Dokument mit seinen Ideen vor, über das am Dienstag das Online-Portal Tages-Anzeiger.ch/Newsnet berichtete.

In dem Dokument, das der Nachrichtenagentur SDA vorliegt, konkretisiert Berset seine angekündigten Pläne, die AHV und die 2. Säule als Gesamtpaket zu reformieren.

Leistungen aufrecht erhalten

Das Ziel sei es, das Niveau der Altersvorsorge von erster und zweiter Säule insgesamt aufrecht zu erhalten, schreibt der Innenminister. Gleichzeitig solle die Finanzierung des Rentensystems gesichert werden, auch mit Blick auf die steigenden Kosten der Ergänzungsleistungen.

Erreichen will Berset das Ziel unter anderem mit einer Erhöhung des Frauenrentenalters von heute 64 auf 65 Jahre. Im Papier ist von einer «Harmonisierung des Referenz-Rentenalters» die Rede. Der Zeitpunkt der Rente soll nämlich nicht länger fix sein.

Weniger Frühpensionierungen

Die Mehrheit der Menschen soll aber länger und nicht weniger lange arbeiten: In der zweiten Säule möchte Berset den frühstmöglichen Pensionierungszeitpunkt, der heute bei 58 Jahren liegt, anheben. Zudem möchte der Innenminister Anreize schaffen, damit die Menschen bis 65 Jahre oder länger arbeiten.

Umgekehrt sollen sich auch Personen mit tiefem Einkommen eine Frühpensionierung leisten können. Damit möchte Berset den unterschiedlichen Lebenserwartungen Rechnung tragen. Gemäss einer Studie im Auftrag des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) arbeiten bereits heute immer mehr Menschen über das AHV-Rentenalter hinaus.

Keine generelle Erhöhung des Rentenalters

Eine Erhöhung des Rentenalters auf über 65 Jahre steht für Berset indes nicht zur Diskussion: Wenn auf dem Arbeitsmarkt keine Nachfrage nach älteren Menschen bestehe, würde eine Erhöhung des Rentenalters die Kosten nur auf andere Sozialversicherungen verlagern, gibt Berset zu bedenken.

«Das EDI ist der Auffassung, dass die Nachfrage des Arbeitsmarktes nach älteren Personen eine Voraussetzung für eine mögliche generelle Erhöhung des Referenz-Rentenalters ist», heisst es im Papier.

Senkung des Umwandlungssatzes möglich

Nicht tabu ist für Berset dagegen eine Senkung des Umwandlungssatzes, der die Höhe der Renten bestimmt: Der Satz soll gemäss dem Papier einem «adäquaten Niveau» angepasst werden. Kompensationsmassnahmen sollen aber dafür sorgen, dass die Renten faktisch nicht sinken. Konkret müssten die Beitragszahler entweder früher mit dem Sparen fürs Pensionsalter beginnen oder höhere Beiträge bezahlen.

Geplant sind zudem Übergangsmassnahmen, um Rentenkürzungen für jene abzufedern, die kurz vor der Rente stehen und ihre Rente nicht mehr mit höheren Beiträgen «retten» können. Mit einer Senkung des Umwandlungssatzes auf 6,4 Prozent würden die Renten ohne Kompensationsmassnahmen um 6 Prozent sinken, bei einer Senkung auf 5,8 Prozent um 15 Prozent.

Wohlwollende Parlamentarier

Massnahmen plant Berset auch bei den Vorsorgeeinrichtungen. Diese sollen stärker beaufsichtigt und transparenter werden. Zudem soll die Gewinnaufteilung zwischen den Versicherten und den Aktionären «fairer» werden. Die Vernehmlassung zu den Plänen ist gemäss dem Papier für kommendes Jahr vorgesehen.

In den letzten Jahren war der Bundesrat mit Reformplänen gescheitert. Die 11. AHV-Reform, die unter anderem eine Erhöhung des Frauenrentenalters vorsah, scheiterte bereits im Parlament, am Widerstand der SP und der SVP. Eine Senkung des Umwandlungssatzes lehnte das Volk 2010 an der Urne ab.

Für seine Pläne erhält Berset Unterstützung von links bis rechts: «Es ist unabdingbar, dass Frauen gleich lange arbeiten wie Männer», sagt SVP-Präsident Toni BrunnerToni
Brunner

SVP, SG
Nationalrat
Profil anzeigenauf MerklisteVerbunden mit
Churfirsten-Club
weitere Verbindungen anzeigen
. Jérôme Cosandey von Avenir Suisse bläst ins gleiche Horn: «Heute müssen immer mehr Renten von immer weniger Berufstätigen finanziert werden.» Und auch SP-Ständerat Paul RechsteinerPaul
Rechsteiner

SP, SG
Ständerat
Profil anzeigenauf MerklisteVerbunden mit
Schweizerischer Gewerkschaftsbund
weitere Verbindungen anzeigen
unterstützt seinen Parteikollegen: «Für die Linke steht heute nicht mehr das tiefere Rentenalter im Vordergrund, sondern die seit 1980 unveränderte Höhe der Renten.»

Eine politische Frage

Berset hatte bereits kurz nach seinem Amtsantritt eine Gesamtschau bei der Altersvorsorge angekündigt. In den vergangenen Jahren seien oft technische Aspekte diskutiert worden. Die wesentlichen Fragen seien jedoch politischer Natur, sagte Berset an einer Medienkonferenz nach 100 Tagen im Amt. «Wir müssen uns fragen, welchen Lebensstandard wir den Pensionierten zugestehen wollen und welchen Preis wir dafür zu bezahlen bereit sind.»

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) hat mit Blick auf die anstehenden Diskussionen bereits eine Volksinitiative angekündigt. Diese verlangt höhere Renten. Zur Finanzierung werden keine Vorgaben gemacht. Denkbar sind laut einem SGB-Sprecher beispielsweise die Erträge aus einer nationalen Erbschaftssteuer.

(sut/sda)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andis Meinung am 21.11.2012 02:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon klar

    Bei den normalbürgern heisst es,die sollen länger arbeiten.aber die politiker setzten sich schön gemütlich in einen sessel und müssen nichts tun..

  • Jugendlicher am 21.11.2012 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der richtige weg aber erst der anfang

    Finde ich auch nur gerecht. Sie ganzen Argumente die dagegen sprechen sind kn der heutigen zeit einfach haltlos geworden. Ich mag's den Frauen ja gönnen weniger arbeiten zu müssen und im schnitt länger leben zu können. Aber genau dieses Geschlecht hat Jahre lang für Gleichheit gekämpft und kämpft immer noch. Was mehr als nur richtig ist. Aber dann sollte man die Gleichheit auch akzeptieren wie sie ist. Dazu kommt noch das diese Vergünstigungen unseren Staat jahrzehntelang kosten aufgedrückt haben in so astronomischen höhen das man heute von einem Kollaps spricht.

  • S.Z. am 21.11.2012 00:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recht ist nicht gleich Recht....

    Dann bitte auch gleicher Lohn für gleiche Arbeit ! (Selbst im Verkauf verdienen viele Männer mehr als Frauen.) Dann bin ich gerne bereit länger zu arbeiten.Denn jetzt mache ich als Frau mehr Stunden für den gleichen Lohn wie Mann.Ist das ok.? Auch die Frage:Möchte ich eine 64Jährige als Verkaufsberaterin vor mir stehen haben? oder auch die Frage:Möchte ich im Verkauf eine etwas langsame ältere Verkäuferin als Beraterin? Bin im Verkauf tätig.Bin mir aber nicht sicher ob ich dann noch schnell und eine gute Beraterin sein werde.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Silvia von Rotz am 21.11.2012 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    machbar???

    Gleichberechtigung, endlich? Ja sofort, wenn jede Frau welche im Arbeitsleben steht und darauf angewiesen ist eine Stelle zu haben auch eine findet. Wenn man nicht aufs Abstellgleis *zu alt* geschoben wird.... wie das heute praktisch nur noch der Fall ist. Ob diese Rentenaltererhöhung in der Form wie sich das Herr Berset vorstellt machbar ist? In einer Zeit in der mehr Stellen abgebaut als geschaffen werden... sehr fraglich. Es wird schlussendlich nur eine Verlagerung von der AHV auf ALK oder Sozialamt geben.. also nochmals gut überdenken ....

  • Rafael am 21.11.2012 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Längst überfällig

    Die Gleichsetzung des Rentenalters ist längst überfällig, zumal es keine logischen Gründe gibt welche gegen eine Gleichsetzung stellen. Falls überhaupt, sollten die Frauen länger arbeiten (müssen), da die durchschnittliche Lebenszeit und somit Bezugsdauer höher liegt als bei den Männern, aber dann müsste man auch nach gesundheitlichen Risiken/Eigenschaften filtern, zwischen Raucher und Nichtraucher unterscheiden, nach Berufsgruppen und dies wäre wohl viel zu kompliziert/umständlich, weshalb eine Gleichsetzung des Rentenalters die einzige Lösung scheint.

  • anonymous am 21.11.2012 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Belastung der AHV-Kasse

    ist das auch berücksichtigt worden, wenn das Rentenalter der Frauen heraufgesetzt wird, dass mehrere Arbeits-stellen angeboten werden müssen, ansonsten wird die Arbeitslosenkasse zusätzlich belastet.

  • ulieni am 21.11.2012 08:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ueberfällig

    die Angleichung des Rentenalters für Frau und Mann ist mehr als überfällig. Die Gleichberechtigung muss für beide Seiten gelten. Es kann ja nicht sein, dass die Frauen früher in Rente gehen können und dann noch 3 jahre länger leben.

  • M. Flach am 21.11.2012 07:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diskusionslos klar

    Das angleichen des Rentenalter ist eigentlich längst überfällig. Auch die Wehrpflicht ist gleichzustellen. Oder was ist unter Gleichberechtigung zu versteheh?

Immobilien

powered by

Immobilien finden

PLZ
Preis bis
Zimmer bis

Nachmieter finden? Jetzt bei homegate.ch inserieren