Zurück aus Amerika

03. März 2017 07:25; Akt: 03.03.2017 12:28 Print

«Die Schweizer sind so distanziert»

von B. Zanni - In Los Angeles erlebte Bloggerin Andrea Monica Hug viel Nächstenliebe. Zurück in der Schweiz fühle sie sich allein.

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«Ich kann nicht glauben, wie viel Nächstenliebe ich hier in Amerika erlebt habe. Ich hoffe, dass ich eine Portion davon mit nach Hause in die Schweiz nehmen kann», schwärmt Bloggerin und Fotografin Andrea Monica Hug auf Facebook. In Posts beschreibt sie ihre Erlebnisse, zum Beispiel jenes im Starbucks-Café ... ... oder beim Check-in am Flughafen. Zurück in der Schweiz muss sich Hug zuerst wieder an ihre Heimat gewöhnen. «Ich fühlte mich in L.A. mehr zu Hause als hier.» «Die Schweizer sind so introvertiert und distanziert – das ist schlimm.» Stilexperte Jeroen van Rooijen ist skeptisch. Er weist darauf hin, dass die Schweizer grossen Wert auf Privatsphäre legen. «Die unglaubliche Herzlichkeit der Amerikaner kann daher die Herzen der Menschen aus dem Land der Eisblöcke schnell einmal erwärmen.» Drei Wochen verbrachte sie in Amerika. Das Foto stammt von einem Weekend-Trip in Las Vegas. In Los Angeles erlebte die Bloggerin viel Nächstenliebe. Hug: «Die Amerikaner sind extrem freundlich und offen.» Im Taxi hätten andere Fahrgäste oft ihre ganze Lebensgeschichte und ihre Sorgen, etwa Job-Probleme, erzählt. «Wir diskutierten über das Leben und gaben uns Ratschläge. Mit Schweizern würde man nie so tiefgründige Gespräche führen.» Hug fiel auch auf, dass die Leute sie auf der Strasse viel mehr anlächelten und spontan Komplimente machten. Andrea Monica Hug vor der pinken Wand des Geschäfts Paul Smith an der Melrose Avenue in Los Angeles. Die Wand wird gern für Instagram-Selfies genutzt. Auch stattete sie der Disney Concert Hall ... ... dem Museum The Broad in Downtown Los Angeles ... ... sowie dem Venice Beach einen Besuch hat.

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Voller Entzücken ist Bloggerin und Fotografin Andrea Monica Hug von ihrem dreiwöchigen Aufenthalt in Los Angeles zurückgekehrt. «Ich kann nicht glauben, wie viel Nächstenliebe ich hier in Amerika erlebt habe. Ich hoffe, dass ich eine Portion davon mit nach Hause in die Schweiz nehmen kann», schwärmt sie auf Facebook.

Umfrage
Sind Schweizer unfreundlicher als Amerikaner?
46 %
15 %
8 %
16 %
9 %
6 %
Insgesamt 11320 Teilnehmer

In Posts beschreibt sie ihre Erlebnisse, zum Beispiel jenes im Starbucks-Café. «How are you?», fragt die Angestellte hinter dem Tresen. Hug antwortet: «Not so good.» Darauf offeriert die Angestellte ihr das Getränk. «Sie sagte: ‹Ich hoffe, du fühlst dich jetzt besser›, und umarmte mich», schreibt die Bloggerin.

«Amerikaner sind extrem freundlich»

Auch die Reaktion eines Angestellten beim Check-in am Flughafen in L.A. überwältigte sie. Ihr Koffer ist zu schwer. Überrascht nimmt sie den Aufpreis von 150 Dollar zur Kenntnis. «Ich versuchte aber nicht einmal zu diskutieren oder einen Rabatt herauszuholen und wollte gerade mein Portemonnaie hervornehmen. Aber dann, wie aus dem Nichts, meinte er: ‹Wissen Sie was? Das ist okay, vergessen Sie es›.» Hug schreibt weiter: «Ich hatte Tränen in den Augen. Die Leute hier sind so nett.»

Die Bloggerin sprudelt vor weiteren Erinnerungen. «Die Amerikaner sind extrem freundlich und offen», sagt sie zu 20 Minuten. Im Taxi hätten andere Fahrgäste oft ihre ganze Lebensgeschichte und ihre Sorgen, etwa Job-Probleme, erzählt. «Wir diskutierten über das Leben und gaben uns Ratschläge. Mit Schweizern würde man nie so tiefgründige Gespräche führen.»

Einmal habe eine junge Frau sie in einem Café angesprochen. «Wir schwatzten etwas, tauschten unsere Nummern aus, und sie schlug vor, ich solle mich bei ihr später melden, damit wir gemeinsam etwas unternehmen könnten.» Es sei auch normal, dass ältere Männer mit jungen Frauen ins Gespräch kämen. «Vor einem Café plauderte ein älterer Mann mit mir. In der Schweiz würde das sofort als komischer Flirt angeschaut.»

«Wildfremde machten Komplimente»

Hug fiel auch auf, dass die Leute sie auf der Strasse viel mehr anlächelten und spontan Komplimente machten. «Wildfremde Leute riefen mir ‹Hey, coole Uhr!› oder ‹Ich finde deinen Rock mega lässig!› zu.» Auch die Anteilnahme ihres Uber-Fahrers auf der Rückreise zum Flughafen sei ungewohnt gewesen. «Als er erfuhr, dass ich traurig war, weil mir der Abschied schwerfiel, sagte er: ‹Komm, erzähl! Jetzt bin ich dein Papi, nicht dein Fahrer.›»

Zurück in der Schweiz muss sich Hug zuerst wieder an ihre Heimat gewöhnen. «Ich fühlte mich in L.A. mehr zu Hause als hier. Die Schweizer sind so introvertiert und distanziert – das ist schlimm.» Sie fühle sich hier mehr allein als in Amerika.

«Hart zu knackende Nuss»

«Die unglaubliche Herzlichkeit der Amerikaner kann die Herzen der Menschen aus dem Land der ‹Eisblöcke› schnell einmal erwärmen», sagt Stilexperte Jeroen van Rooijen. Aber er gibt zu bedenken, dass nicht jede Freundlichkeit nachhaltig sei.

Schweizer legten halt grossen Wert auf Privatsphäre: «Die Schweizer sind zwar eine hart zu knackende Nuss, aber wenn man sie knackt, schmeckt sie gut.»