Syrischer Flüchtling

28. August 2015 20:00; Akt: 28.08.2015 20:00 Print

«Schlepper brachten mich im LKW in die Schweiz»

von J. Büchi - Zehn Tage lang versteckte sich Omar N. in einem Lastwagen, bis er die Schweiz erreichte. Das Flüchtlingsdrama in Österreich macht den Syrer tief betroffen.

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Manche Flüchtlinge kommen in Kleintransportern in die Schweiz, andere verstecken sich in grossen Lastwagen. (Symbolbild) (Bild: Keystone/AP/Hans Klaus Techt)

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Als Omar N.* vom Lastwagen-Drama in Österreich erfährt, erinnert sich der Syrer an die dunkelsten Stunden seiner eigenen Flucht. Die Dunkelheit ist in diesem Fall nicht sinnbildlich gemeint. «Ich sass über eine Woche lang im Laderaum eines Transporters und merkte nicht, ob es Tag oder Nacht war», so N. Ernährt hat er sich in dieser Zeit von Brot und Thunfisch. Sein Geschäft verrichtete er in eine Flasche.

«Schlimm» sei es gewesen – und trotzdem kein Vergleich zu dem, was die Opfer von Österreich wohl durchmachen mussten. Denn N. war privilegiert. Als Sohn einer reichen Familie flüchtete er aus Syrien, bevor die grossen Flüchtlingsströme einsetzten. Ein einflussreicher Bekannter fädelte für ihn die Flucht ein. So kam es, dass N. auf seiner Reise von der Türkei in die Schweiz ganz allein im Laderaum war. Zwei Chauffeure wechselten sich am Steuer ab. Jeden Tag legten sie nur kleinere Etappen zurück, nachts parkierten sie den LKW an abgelegenen Orten, meist irgendwo in den Bergen.

70 Leute in einem Lastwagen

«Dann brachten sie mir neue Thunfisch-Dosen und ich konnte kurz raus, um mir nach einem Tag im Lastwagen die Beine zu vertreten.» Nach seiner Ankunft in der Schweiz habe er in der Flüchtlingsunterkunft Leute getroffen, die auf ihrer Flucht mit 60, 70 anderen Menschen zusammen im Laderaum standen. «Sie konnten nicht einmal sitzen, so eng war es.»

Er sei schockiert gewesen, als sie ihm die Details ihrer Flucht berichtet hätten. «Sie schilderten mir, wie die Luft immer knapper wurde. Wie die Kinder weinten und dass Frauen und Männer in Ohnmacht fielen.» Wenn sich so viele Leute in einem Lastwagen versteckten, sei die Gefahr anzuhalten ungleich grösser. «Sie konnten deshalb nie an die frische Luft und bekamen keinen Nachschub an Lebensmitteln. Auch das Fehlen eines WCs ist viel schlimmer, wenn so viele Leute zusammengepfercht sind.»

Nummernschild unterwegs gewechselt

Welche Route die Schlepper genommen haben, weiss N. bis heute nicht. Auch sonst hätten sie ihn nicht in ihre Strategie eingeweiht. «Ich weiss nur, dass der Transporter ein türkisches Nummernschild hatte, als ich einstieg. Als ich ihn in Basel wieder verliess, war ein europäisches Kennzeichen dran.» N. sagt, er habe es unterschätzt, was eine solche Flucht bedeute. «Ich glaube, auch die Opfer von Österreich hatten keine Ahnung, in welche Gefahr sie sich begeben.»

*Name von der Redaktion geändert

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Karin am 28.08.2015 23:15 Report Diesen Beitrag melden

    Die Ärmsten können nicht flüchten

    "Als Sohn einer reichen Familie flüchtete er aus Syrien" - und genau deshalb sollte dem ganzen Wahnsinn ein Ende gesetzt werden. Schutz, Essen und Trinken für alle Flüchtlinge statt nur für ein paar wenige. In Afrika. Finanziert und kontrolliert durch Europa.

  • anna am 29.08.2015 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Anfang vom Ende ?

    Europa und die Schweiz haben ein Problem. Wie lange wird die Humantät und das Gute da noch überleben..? Welche Zustände werden wir hier bald haben, und wie kann man auf die Probleme angemessen reagieren ??? Wo sind denn jetzt all die Intellektuellen und Philosophen mit gescheiten Ideen???Man hört so wenig brauchbares.Ist das der Anfang vom Ende ?

  • marc am 28.08.2015 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    warum

    Macht Mann diese Tragödirn nicht in den Kriegsgebieten publik? So fallen die Flüchtlinge nicht länger auf schlepper rein. Flugblätter abwerfen und wenn nur 10-20% weniger ihr Vermögen an Schlepper abgeben ist die Wirkung und die Tragödie massiv kleiner. All diese Informationen müssen den Flüchtlingen bewusst gemacht werden. Viele verlassen ihr Land unter falschen Vorstellungen.Einmal unterwegs gibt es für viele kein zurück mehr und sie enden oft j einer Tragödie...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan am 29.08.2015 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht anderst

    Wäre es nicht sinnvoll darüber nachzudenken, diese Hilflosen Menschen persönlichen von dem Staat abgeholt zu werden? 1- keine Menschen würden mit solchen Schleudern mitgehen hätten Sie eine andere Chance. 2. Wird jeder Flüchtling abgeholt kann er besser registriert werden. 3.Das Geld welches die Schleuser verdienen, könnte für bessere Verhältnisse in der Flächeninhalt Politik eingesetzt werden. Es ist mit Sicherheit kein einfaches unterfangen aber es wäre möglich.

  • Verständnis am 29.08.2015 16:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Helfen schadet dem Ego nicht

    was können wir froh sein dass es und gut geht und wir nicht flüchten müssen. Wer die CH Geschichte kennt weiß, dass das nicht immer so war (und es war sowohl aus wirtschaftlichen wie kriegerischen Gründen). Also mehr Verständnis und Solidarität wäre endlich angebracht! Das gilt auch für Europäische Staaten zB Ungarn od. Polen.....

  • Fabrizio am 29.08.2015 15:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Illegalität

    Politisch Verantwortliche sollten sich mal Ken Burns Dokumentarfilm über die amerikanische Prohibition zu Gemüte führen.

  • Niffi am 29.08.2015 13:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist schon soweit!!

    Da sieht man, wie naiv unsere zuständigen Leute sind. "Es ist nur eine Frage der Zeit" berichtet einer, dabei läuft es jetzt schon so. Augen auf Leute!!! Handeln nicht reden Frau Somatuga!

  • leserin am 29.08.2015 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ernsthafte frage!

    kann man legal flüchten? also wie kann man denn anderst flüchten als so brutal wie es geschildert wurde?