Drogenentzug

26. April 2016 05:51; Akt: 26.04.2016 05:51 Print

Joints ohne THC – damit Kiffern das Kiffen ausfährt

Eine Schweizer Firma hat Cannabis ohne THC entwickelt. Es soll jungen schwerstabhängigen Kiffern den Ausstieg ermöglichen – weil sie ihre Rituale beibehalten können.

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Die Rituale rund ums Kiffen, vom Jointdrehen bis zum Zusammensitzen und Rauchen wären mit dem THC-freien Hanf weiterhin möglich. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

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Eine junge Schweizer Firma will mit einem neuen Konzept den Cannabis-Markt aufmischen. «Als einzige Firma in der Schweiz stellen wir ein speziell gezüchtetes biologisch angebautes Cannabis her, das aussieht und riecht wie Drogenhanf, aber praktisch kein THC enthält», sagt Mike Toniolo, CEO der Firma Medropharm. Die Idee von Toniolo: Mit den THC-freien Joints schwerstabhängigen Jugendlichen den Ausstieg zu ermöglichen.

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«Das Produkt enthält alle Wirkstoffe wie Cannabis, auch die beruhigende Wirkung der Cannabinoide (CBD), ohne zu berauschen.» Gebe man Jugendlichen dieses spezielle Cannabis zu rauchen, könnten sie ihre Rituale und ihren Freundeskreis beibehalten und gleichzeitig einen Entzug machen.

Ziel: Ganz vom Rauchen weg

Die Firma hat bereits einige wenige Versuche mit Freiwilligen gemacht. Diese seien sehr zufrieden gewesen mit dem Effekt. Toniolo: «Sie konnten eigentlich weiter mit ihren Freunden kiffen, sind dabei aber langsam heruntergekommen.» Nach etwa drei Wochen sei ihnen bewusst geworden, wie benebelt sie vorher gewesen seien und wie viel besser es ihnen jetzt gehe. Toniolo: «Dann hat man eine Chance, sie ganz vom Rauchen wegzubringen.»

Medropharm steht laut eigenen Angaben in Kontakt mit den Arbeitsgruppen, die in Genf, Zürich, Bern und Basel Pilotprojekte in diese Richtung planen. Einer von ihnen ist der Genfer Soziologe Sandro Cattacin. Dieser findet die Idee interessant. «Man weiss, dass viele die beruhigende Wirkung des CBD suchen, wenn sie Hasch rauchen.» Mit diesen THC-freien Produkten könne man eine sogeannte Schadensreduktion erzielen, auch weil das Cannabis unter kontrolliertem Anbau keine Schwermetalle oder Gifte enthalte.

Ähnliche Versuche mit Leicht-Bier

Laut Cattacin gebe es ähnliche Versuche mit Alkoholikern und Leicht-Bier. «Die Alkoholiker müssen dabei nicht auf den Genuss verzichten, reduzieren aber den Alkohol, der ihnen schadet.» Es sei einer der neuen Wege im Suchtbereich. «Man fördert die positive Seite der Droge und bewahrt die Rituale.» Das Ziel sei dabei vor allem, den übermässigen Konsum zu bekämpfen und in gemässigte Bahnen zu leiten.

Ähnlich sieht dies Apotheker Manfred Fankhauser, der selbst medizinisches Cannabis herstellt. «Der Entzug beim Cannabis führt übers Rauchen, davon sind viele Fachleute überzeugt.» Doch Fankhauser kennt auch die Hindernisse. «Die grosse Frage ist, ob das Bundesamt für Gesundheit einen rauchenden Entzug auch nur in einem Pilotprojekt bei Jugendlichen erlauben würde.» Bis jetzt habe der Grundsatz gegolten: Was man rauchen kann, ist im medizinischen Bereich nicht erlaubt.

«Der Teer im Tabak oder Gras ist sehr schädlich für die Lunge»

Genau wegen des Rauchens wäre auch für Toni Berthel, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Drogenfragen, dieser Vorschlag nicht die Methode seiner Wahl. «Denn der Teer im Tabak oder im Gras ist sehr schädlich für die Lunge und das möchten wir vermeiden.»

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Augen auf! am 26.04.2016 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So ein Schmarrn

    Noch jeder Kiffer, dem ich je begegnet bin und der von sich gesagt hat, er würde gerne aufhören, hat nicht im THC, sondern im Tabak das Problem erkannt. Hingegen hatten jene Kiffer, die es tatsächlich geschafft haben das Rauchen hinter sich zu lassen, keinerlei Probleme mit THC-Entzug. Aber hier geht es nicht um die karitative Hilfe für 'Abhängige', hier geht es ums Geschäft, aber nutzlose Ersatzprodukte zur Rauchentwöhnung gibt es schon viele. Ersatzprodukte sind auch keine Übergangshilfe, denn die Muster, die es zu durchbrechen gilt, bleiben bestehen.

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  • CaptainLonestarr am 26.04.2016 08:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hihi

    Joints ohne THC nennt man Zigaretten. Und THC freien Hanf gibt es schon lange. Früher stand mal ein grosses Feld bei Zuzers neben der Autobahn. Öftersmal wurde auf dem Pannenstreifen angehalten (nachts) um ein paar Blüten zu klauen. Die Enttäuschung war gross als es nicht eingefahren ist. Verkaufen liess sich das Zeug trotzdem. Roch wie richtiges Gras

  • lolaeser am 26.04.2016 08:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nee

    Sorry aber wer glaub das nützt kennt unsere Welt nicht, das alkoholfreie Bier war natürlich auch der durchbruch für Alkoholabhängige ;)

Die neusten Leser-Kommentare

  • RoyBS am 26.04.2016 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absoluter Mist

    Das bringt gneau nichts. Habe bestens Erfahrung mit diesem Thema. Es ist einige Tage vorallem am Abend sehr mühsam da mannicht zur Ruhe kommt und nicht einschlafen kann. Aber es ist wie bei jeder Sucht (egal ob starke oder nicht) es braucht Disziplin und den Willen. Ansonstens nützt kein Trick der Welt. Gerade wenn ich einen Fakejlint rauche würde ich noch mehr Lust auf das richtige bekommen. Und ich hab bis Sommer mal pause :)

  • KingL am 26.04.2016 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legalize it

    Legalisiert das Kiffen doch einfach.. Als immer über solche typischen Schweizer ideen zu diskutieren. Funktioniert in Amsterdam usw. Auch warum den nicht auch hier. Die Schweiz provitiert davon nur!

  • No Kiffer am 26.04.2016 09:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    viel rauch um nichts

    Also..dem Kiffen kann man immer absagen..in meiner aktivsten Zeit..hab ich Pausen eingelegt..!!! Kiffe seit ca.10 Jahren nicht mehr! Komisch Zigaretten immer noch!!

  • janine müller am 26.04.2016 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Nikotin ist das Problem

    Viel sinnvoller wäre endlich ein nikotinfreier Tabak auf den Markt zu bringen! Denn die Abhängigkeit kommt vom Nikotin und NICHT vom Gras und THC!

  • Kafran am 26.04.2016 09:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwerstabhängig?

    Im Alter von 18-22 kiffte ich allein monatlich 100-150 Gramm. Man hätte mich sicher als schwerstabhängig bezeichnet. Das ist aber Quatsch! Denn wenn ich zwischendurch mal für ein bis zwei Wochen nichts zum rauchen hatte, habe ich einfach nur Zigaretten geraucht, ohne angebliche Entzugssymptome. Ich bin auch nicht auf Alkohol ausgewichen, der mich in seiner Wirkung nie angesprochen hat. Cannabis macht nicht abhängiger als Schokolade. Verzicht ist eine Kopfsache. Ich kiffte aus Spass, arbeitete täglich meine 9 Stunden, absolvierte meine Lehre und die RS. Inzwischen bin ich 59 Jahre alt und geniesse mein Leben schon lange rauchfrei!