Bespitzelungsaktionen

13. März 2017 02:33; Akt: 13.03.2017 10:45 Print

Schweizer Unis im Visier türkischer Spitzel

Die Spionageaktionen der türkischen Regierung in der Schweiz gehen weiter als bislang angenommen.

storybild

Vom Balkon aus fotografierte ein Spitzel Teilnehmer einer Veranstaltung: Aula der Universität Zürich. (Archivbild) (Bild: Keystone/Martin Rütschi)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Schweizer Universitäten sind ins Visier von türkischen Spitzeln geraten. Ein Doktorand der Universität Zürich sagte gegenüber des «Tages-Anzeigers»: «Es ist gang und gäbe, dass Leute für die türkische Regierung an Tagungen und Konferenzen erscheinen, um die Teilnehmer zu fotografieren oder aufzunehmen.»

Der Doktorand schildert Bespitzelungsaktionen, von denen er persönlich betroffen war: Am 11. Januar erschienen zwei Männer am historischen Seminar bei einer Abendveranstaltung zum Thema Völkermord an den Armeniern. Sie hätten die Besucher systematisch mit dem Mobiltelefon fotografiert.

Mit der Kamera in der Aula

Noch dreister agierten zwei andere Spitzel einen Monat zuvor während einer Würdigung der Arbeit von Can Dündar, Chefredaktor der türkischen Zeitung «Cumhuriyet». Während der gesamten Veranstaltung sassen sie auf dem Balkon der Aula und knipsten einen Besucher nach dem anderen ab. Akademiker sind überzeugt: Über jeden, der zur Türkei, zur Kurdenfrage oder zum armenischen Genozid forscht, wird in Ankara eine Fiche angelegt.

Eine mutmasslich zentrale Figur dieses Spitzelsystems ist laut des «Tages-Anzeigers» Ergin Yilmaz. Er ist Imam und Stiftungsrat der Türkisch-Islamischen Stiftung für die Schweiz mit Sitz in Oerlikon.

Yilmaz verfasste im Oktober einen Bericht zur angeblichen Bedrohung durch die Fethullahistischen Terrororganisation (Fetö) in der Schweiz. Adressat: die türkische Regierungspartei AKP in Ankara. Laut der Türkei steckt die Fetö hinter dem Putschversuch vom vergangenen Juli.

Übernommen vom «Tages-Anzeiger», bearbeitet von Newsexpress.

(NXP)